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Israels Präsident Rivlin im Bundestag: Das Wunder dieses Tages besteht darin, dass Israel Deutschland als Partner, Mitstreiter und Freund sieht.  

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Gedenken und Sorgen

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Die rechten Misstöne zum Holocaust fordern Antworten auf die Frage, ob die Demokratie auch in Krisenzeiten eine Tyrannei der Mehrheit wirklich verhindern kann. Der Kommentar.

Gedenken hat oft mehr mit der Gegenwart zu tun als mit der Vergangenheit. Das gilt gerade für das Gedenken an die deutschen Verbrechen der NS-Zeit. Auch der Konsens der Demokraten in diesem Land, wonach die Bundesrepublik auf der Mahnung „Nie wieder Auschwitz“ fußt, musste erarbeitet, errungen, ja: erkämpft werden. Im Umkehrschluss gilt: Wie die Deutschen dem Holocaust gedenken, ist nicht für alle Zeit entschieden. Zumal, wenn sich ins Gedenken neue Misstöne mischen: Wenn Anhänger einer Bundestagpartei fragen, wann der „Schuldkult“ ende. Und wenn Präsident Steinmeier einräumen muss: Die Selbstgewissheit war trügerisch, die Deutschen hätten ein für allemal verstanden. Wir müssen uns sorgen, ob die Demokratie auch in Krisenzeiten eine Tyrannei der Mehrheit wirklich verhindern kann.

Die Antworten der Demokraten sind unterschiedlich. Das zeigte sich auch, als Israels Präsident Rivlin die Bundestags-Gedenkstunde für Bemerkungen zum umstrittenen Nahost-Plan der USA nutzte. Verständlich ist: Ein jüdischer Staat muss aus dem Holocaust folgern, seine Bedrohung ernst zu nehmen. Das Wunder dieses Tages aber überflügelt die Tagespolitik: Es besteht darin, dass Israel Deutschland als Partner, Mitstreiter und Freund sieht.  

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