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Joachim Gauck zündet eine Kerze für die Opfer des Nationalsozialismus in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz an.
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Joachim Gauck zündet eine Kerze für die Opfer des Nationalsozialismus in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz an.

Holocaust-Gedenktag

Gauck und die Erinnerung

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Ein Bundespräsident muss zu bestimmten Anlässen die passenden Worte finden. Das hat in vielen Amtsperioden zu vorhersehbaren Routinen geführt. Bundespräsident Gauck schafft es jedoch immer wieder, bei seinen Zuhörern sowohl Zustimmung, Nachdenklichkeit als auch Widerspruch zu provozieren.

Ein Bundespräsident muss zu bestimmten Anlässen die passenden Worte finden. Das hat in vielen Amtsperioden zu vorhersehbaren Routinen geführt. Bundespräsident Gauck schafft es jedoch immer wieder, bei seinen Zuhörern sowohl Zustimmung, Nachdenklichkeit als auch Widerspruch zu provozieren.

Stefan Reinecke reibt sich in der „taz“   an Gaucks Worten, die er anlässlich der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren gefunden hat und macht auf eine Diskrepanz in der Gauckschen Haltung aufmerksam. „Es gibt keinen Grund für Selbstzufriedenheit, auch nicht für leise. Geschichtspolitik ist hierzulande eingefriedet. In Warschau, Kiew und Moskau ist sie jedoch hart und rüde umkämpft. Polens Außenminister verkündete kürzlich fälschlicherweise, dass ukrainische, nicht russische Soldaten Auschwitz befreiten. Der Moralbonus des Sieges über Hitler sollte so Putin entwendet werden. Die russische Propaganda hingegen überzeichnet die Regierung in Kiew grotesk zu Wiedergängern der Nazis. Hat das etwas mit uns zu tun? Allerdings. Gauck hat am 1. September in Polen kaum ein Wort über den NS-Vernichtungskrieg in der Sowjetunion verloren. (…) Seine Rede im Bundestag hat das Bundespräsidialamt ins Polnische, Hebräische und Englische übersetzt. Nicht ins Russische. Das ist das falsche Zeichen.“

Berhold Kohler konzentriert sich in der „FAZ“ auf einen anderen Aspekt. „Auschwitz, so hätte es vielleicht ein früherer Bundespräsident gesagt, gehört zweifellos auch zu Deutschland. Doch sehen das auch die Einwanderer so, die noch weniger Grund haben, sich für den Holocaust verantwortlich oder gar schuldig zu fühlen, als die nach dem Krieg geborenen Deutschen? Gehört nur zu Deutschland, wer auch Auschwitz (und die daraus abgeleiteten Verpflichtungen) als Teil seiner neuen deutschen Identität annimmt? Für eine wachsende Zahl von jungen Muslimen scheint eher der Antisemitismus identitätsstiftend zu sein. Gegen diese Form der ‚Islamisierung‘ Deutschlands müssen alle demokratischen Kräfte antreten.“

Auf „stern.de“ deutet Sophie Albers Ben Chamo Gaucks Worte tagespolitisch. „Weil das solidarische System nicht vollkommen ist, ist es nicht falsch. Wer ein bisschen weiter denken möchte, landet damit auch beim Hass der Pegida-Marschierer auf alles und jeden: Die auf diversen Ida-Demonstrationen und vor allem unter deren stillen Sympathisanten so verbreitete Lust, alles in die Tonne treten zu wollen, ohne eine Idee davon zu haben, wie es besser gehen soll, ist brandgefährlicher Zerstörungswille. Aber das hat Gauck so natürlich nicht gesagt. Bei ihm hört sich das so an: ‚Die Gemeinschaft, in der wir alle leben wollen, wird nur dort gedeihen, wo die Würde des Einzelnen geachtet wird und wo Solidarität gelebt wird.‘ Nimm‘ das, Dresden.“

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