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Zukunft mit Fertighaus

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Derzeit überwiegt mit Blick auf den Wohnungsbau das serielle Bauen eher im Einfamilienhausbau.
Derzeit überwiegt mit Blick auf den Wohnungsbau das serielle Bauen eher im Einfamilienhausbau. © Bernd Wüstneck/dpa

Serielles Bauen mit Holz kann helfen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Zudem ist es klimafreundlich. Der Gastbeitrag.

Wohnungsmärkte stehen in Deutschland besonders in Ballungsräumen seit Jahren unter Druck. Aktuell führen Inflation und Energiepreise zu weiteren Belastungen. Steigende Grundstückspreise haben zudem dazu geführt, dass trotz steigender Baufertigstellungen kaum mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen wurde.

Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist dabei unter anderem von der Entwicklung der Haushalte und Haushaltsgröße sowie vom Haushaltseinkommen abhängig, das Angebot hängt besonders von den Bau(land)preisen ab. In den letzten Jahren hat die Anzahl der Einpersonenhaushalte zugenommen. Grund dafür sind einerseits die Pluralisierung der Lebensstile, andererseits auch die demografische Entwicklung. Auch liegt die Eigentümerquote in Deutschland aktuell mit etwa 50 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt (70 Prozent). Dies bedeutet folglich, dass der Mietwohnungsmarkt hierzulande von großer Bedeutung ist. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach (Miet-)Wohnungen die nächsten Jahre noch deutlich steigen wird, besonders in den Städten. Dementgegen ist der (Miet-)Wohnungsmarkt in vielen Regionen angespannt.

Die Autoren

Oliver Rottmann ist Ökonom und Geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig.

André Grüttner ist Geograph und Vorstandsmitglied des Zentrums.

Hinzu kommt, dass in allen Bundesländern seit 2010 die Nettokaltmieten deutlich und nahezu kontinuierlich gestiegen sind. Zwar hat sich auch das verfügbare Einkommen der Haushalte seit 2010 erhöht, allerdings nicht überall in kongruenter Form. Unter Druck stehen auch die Bau- und Baulandpreise, die in den letzten Jahren um bis zu 30 Prozent anstiegen. Hinzu kommt das unzureichende Bauland: So führt die große Nachfrage nach selbst genutzten Immobilien dazu, dass in vielen Regionen das Angebot an Bauland besonders für den Mietwohnungsmarkt knapper wird.

Damit stellt sich auch sozialpolitisch die Frage, wie das Ziel „bezahlbarer Wohnraum“ erreicht werden kann, besonders unter Berücksichtigung des umweltpolitischen Ziels der energieeffizienten, klimaneutralen Gebäude. Neben der finanziellen Förderung von Wohnraum und der erneuerbaren Energieversorgung der Gebäude liegt ein zentraler Ansatz in der Senkung von Baukosten für Neubauten. Hier wird vor allem im sogenannten seriellen Bauen ein zentrales Instrument gesehen, eine entsprechende Versorgung sicherzustellen. Dieser Ansatz eignet sich sowohl für Neubauten als auch für die Bestandsentwicklung.

Derzeit überwiegt mit Blick auf den Wohnungsbau das serielle Bauen eher im Einfamilienhausbau, allerdings hat sich die Anzahl entsprechend gefertigter Gebäude im Mehrfamilienhausbau seit 2010 mehr als verdreifacht. Dabei gehen Experten davon aus, dass durch die stark wachsende Wohnraumnachfrage und einer immer relevanter werdenden Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden der Holzbau im Mehrfamilienhausbau deutlich an Bedeutung gewinnen wird. So zeigen Pilotprojekte, dass ganze Wohnquartiere in modularer Holzbauweise wirtschaftlich umsetzbar sind.

Auch bei Unterhalt und Betrieb zeichnet sich die Holzbauweise durch eine höhere Energieeffizienz aus. So kann im Winter die Raumtemperatur niedriger gehalten werden, da die Oberflächen eine geringere Wärmeleitung aufweisen. Auch Instandsetzungskosten fallen geringer aus, da nachträgliche Ein- und Umbauten problemlos durchführbar sind. Schließlich sind auch der Rückbau und die damit verbundenen Kosten niedriger als bei der konventionellen Bauweise, da das abfallende Holz energetisch genutzt werden kann. Die ökologische Nachhaltigkeit spricht folglich für die Holzbauweise: Holz bindet als natürlicher Speicher Kohlenstoff, eine Substitution von energieintensiven Baustoffen oder fossiler Rohstoffe ist möglich. So können durch den Einsatz von Holz im Mehrfamilienhausbau je nach Bauausführung gegenüber der konventionellen Bauweise zwischen neun bis 48 Prozent der Treibhausgase eingespart werden.

Letztlich kann serielles Bauen helfen, die steigende Wohnraumnachfrage zu befriedigen und ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Denn Experten gehen davon aus, dass bei steigender Anwendung des seriellen Bauens die durchschnittlichen Baukosten von derzeit zirka 1800 Euro pro Quadratmeter auf etwa 1000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gesenkt werden können. Dazu sind aber verschiedene Hemmnisse wie eine noch unzureichende Digitalisierung bei der Standardisierung von Prozessen des seriellen Bauens oder die fehlende Harmonisierung der Landesbauordnungen und Bauvorschriften (Stichwort Typengenehmigungen) abzubauen, um das Potenzial des seriellen Bauens für den Wohnungsmarkt gezielt entfalten zu können.

Oliver Rottmann ist Ökonom und Geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig.

André Grüttner ist Geograph und Vorstandsmitglied des Zentrums.

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