Durch Fitnessuhren gesammelte Daten sind extrem interessant für eine Firma wie Google.
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Durch Fitnessuhren gesammelte Daten sind extrem interessant für eine Firma wie Google.

Gastbeitrag

Wenn Google einkauft

Auf den digitalen Märkten gibt es immer wieder Fusionen. Jetzt steht die nächste an. Ist die Politik dafür gewappnet?

Die sogenannten Gafam-Unternehmen – Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft – haben in den vergangenen Jahren Hunderte Start-ups gekauft. So gut wie keine dieser Fusionen wurde von einer Wettbewerbsbehörde untersucht – wenn doch, folgte stets und meist schnell die Freigabe.

Einige dieser Übernahmen, etwa von Instagram und Whatsapp durch Facebook oder Doubleclick durch Google, haben in der Folge zu einer Quasi-Monopolisierung milliardenschwerer Märkte geführt. Auf ihnen werden nun die Auswirkungen mangelnden Wettbewerbs und vermehrter Marktmacht-Missbräuche sichtbar.

Eine Fusion kann eine bestehende Marktdominanz durch Abschottung und Verdrängung von Wettbewerbern in verbundenen Märkten noch ausweiten. Eine zentrale Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Netzwerkeffekte (der Nutzwert eines Produkts steigt mit der Anzahl der KonsumentInnen desselben beziehungsweise komplementärer Produkte), die den Markteintritt neuer Wettbewerber empfindlich erschweren können.

Tomaso Duso leitet die Abteilung Unternehmen und Märkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Solche und weitere dynamische Effekte, die mit Verzögerung eintreten, wurden in der Vergangenheit sichtlich unterschätzt. Sie können aber gerade bei digitalen Plattformen, die in zahlreichen Märkten aktiv sind, schwerwiegend sein.

In der digitalen Welt spielen insbesondere persönliche Daten eine Rolle, die sich über immer vielfältigere Dimensionen hinweg verknüpfen lassen und damit dominante Marktstellungen zementieren können. Häufig wird dabei tief in die Privatsphäre von Personen eingegriffen, mangels alternativer Anbieter bleiben Nutzer-Innen digitaler Dienstleistungen aber kaum relevante Ausweichmöglichkeiten.

Zwar wurden in den vergangenen zwei Jahren Reformen im Wettbewerbsrecht vorgeschlagen oder umgesetzt, um der Dynamik digitaler Märkte Rechnung zu tragen, und sogar eine Regulierung der digitalen Giganten wurde diskutiert. Dennoch stehen die Wettbewerbsbehörden noch immer vor großen Herausforderungen.

Der angekündigte Kauf von Fitbit durch Google ist hierfür ein aktuelles Paradebeispiel. Fitbit ist als erfolgreicher Anbieter tragbarer Minicomputer in Form von Armbanduhren ein äußerst attraktives Ziel für Google. Die von Fitbit vermarkteten Fitness-Tracker sammeln rund um die Uhr eine Fülle an Gesundheitsdaten ihrer TrägerInnen, die wertvolle Schlussfolgerungen zur gesundheitlichen Verfassung und zu täglichen Aktivitäten und Gewohnheiten erlauben.

Für Google haben diese Daten ein enormes Potenzial, wenn der Konzern sie mit anderen Individualdaten, die er ohnehin schon reichlich sammelt, verknüpfen kann. Die Folgen könnten gravierend sein: Die Verlockung für Google erscheint groß, seine Marktmacht durch noch detailliertere, exklusive Nutzerprofile und durch das Bündeln von Produkten auszuweiten. Somit könnten bisherige Fitbit-Wettbewerber verdrängt und die KonsumentInnen inklusive ihrer Daten mangels Alternativen noch enger an Google gebunden werden.

Es ist ermutigend, dass die Europäische Kommission nun – auch auf Druck aus der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft – eine vertiefte Untersuchung des Google-Fitbit-Deals gestartet hat. Die EU-Wettbewerbshüter stehen damit vor der Mammutaufgabe, die dynamische Wettbewerbssituation systematisch zu bewerten.

Aufgrund der vielfältigen potenziellen Probleme erscheint es im Sinne der Allgemeinheit, dass die ganze Bandbreite möglicher Konsequenzen einer Übernahme evaluiert wird. Weil in diesem Fall die Kosten einer Monopolisierung im Vergleich zu einem lebhaften Wettbewerbsumfeld so hoch sein könnten, wäre wohl selbst beim geringsten Anzeichen einer künftigen Monopolstellung ein Verbot der Fusion vertretbar.

 Hannes Ullrich ist  wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Unternehmen und Märkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Selbst wenn die Kommission sich für ein Verbot entscheiden und mit einer innovativen und schwierigen Beweisführung vor dem Europäischen Gerichtshof scheitern sollte: Es wäre ein wichtiges Signal, dass die Dynamik in digitalen Märkten mit Monopolisierungstendenzen in Zukunft einen höheren Stellenwert in der Fusionskontrolle einnehmen wird und fusionierende Firmen mit höheren Hürden rechnen müssen.

Welche Spielräume die Wettbewerbsbehörden haben sollten, muss auch in politischer und rechtlicher Hinsicht weiter intensiv diskutiert werden. Insbesondere muss der Rechtsrahmen für eine effektive Wettbewerbspolitik der Tatsache Rechnung tragen, dass die dynamische Entwicklung digitaler Märkte nur sehr schwer vorhersehbar ist.

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