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Zwei Drittel der Menschen auf der Welt haben teils nicht genügend Wasser.
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Zwei Drittel der Menschen auf der Welt haben teils nicht genügend Wasser.

Gastbeitrag

Wasser für alle

Weltweit haben zwei Drittel der Menschen zeitweise nicht genügend Wasser. Das muss sich ändern. Der Gastbeitrag von Wolfram Mauser.

Großflächige Ernteausfälle, Forstschäden, extremer Rückgang der Grundwasserstände haben uns in den letzten Jahren drastisch gezeigt, wie bedeutsam die Ressource Wasser ist. Künftig werden wir die Auswirkungen von Wasserkonflikten und Klimawandel deutlich stärker zu spüren bekommen.

Viele Regionen der Welt haben heute schon mit weit größeren Wasserproblemen zu kämpfen als wir, und sie sind durch viele Liefer- und Wertschöpfungsketten wie auch durch Wohlstandsgefälle bis hin zu Migrationsströmen eng mit uns vernetzt. In diesen globalen Verbindungen spielen Wasser und seine zunehmende regionale Knappheit eine zentrale Rolle. Entscheidungstragende der deutschen Politik und Wirtschaft haben deshalb die Verantwortung, Wasser als eine wertvolle, globale Ressource wahrzunehmen und zu behandeln.

Wasser in ausreichender Menge und Qualität ist sehr wichtig für funktionierende Ökosysteme, biologische Vielfalt, Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftliche Stabilität und Frieden. Die globale Wasserkrise zählt längst zu den großen Herausforderungen der Gegenwart – ausgelöst durch menschliches Verhalten.

Zwei Drittel der Weltbevölkerung leiden unter temporärer Wasserknappheit. Aktuelle Untersuchungen aus dem Forschungsprogramm „Grow“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bestätigen diese Erkenntnis. Für sechs dürregefährdete Gebiete in Südamerika, Afrika und Asien wurde zwischen 1981 und 2018 ein signifikanter Anstieg der Häufigkeit von Dürremonaten von 10 auf 30 Prozent nachgewiesen.

Steigende wasserbezogene Risiken gefährden die Entwicklung weiter Teile der Welt. Gleichzeitig sind eine nicht nachhaltige Nutzung und das Missmanagement von Wasser in vielen Regionen weit verbreitet. All dies führt, zusammen mit den Folgen des Klimawandels, dazu, dass sich die Handlungsgrundlagen für nachhaltiges Wassermanagement aktuell radikal verändern.

Das Bewusstsein dafür fehlt vielerorts: Viel zu oft werden relevante Entscheidungen getroffen, etwa über Landnutzung, Landwirtschaft oder Energiewirtschaft, ohne dass die Nachhaltigkeit der damit verbundenen Wassernutzung berücksichtigt wird. Das muss sich ändern!

Das digitale Zeitalter und sein Reichtum an Daten bieten in diesem Zusammenhang neue Möglichkeiten, um die notwendigen Informationen für gutes, nachhaltiges Wassermanagement zu generieren und zu nutzen. Insbesondere in den datenarmen Regionen der Erde, oftmals Entwicklungsländer mit großen Wasserrisiken, kann moderne Forschung aus neuen Datenströmen von Umweltsatelliten und Modellsimulationen die bisher fehlenden Informationen gewinnen. Damit können auch Fernwirkungen von Wassernutzung und ihre lokalen Folgen, etwa über den Wasserfußabdruck in globalen Lieferketten, sichtbar gemacht werden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Forschungsprogramm Grow drängen darauf, dieses Wissen zu nutzen und entsprechend zu handeln! Nur so können Wasserkonflikte im Zusammenhang mit Bevölkerungswachstum und Klimawandel vermieden und die wirtschaftliche Entwicklung bei gleichzeitigem Schutz der Wasserressourcen langfristig gesichert werden.

Fallstudien und globale Modellierungen lassen beispielsweise erkennen, wo und wie die landwirtschaftliche Wasserverschwendung weltweit drastisch reduziert werden kann. Sie zeigen auch, wie Strategien zur Energiewende nicht nur das Potenzial zur Minderung von Treibhausgasemissionen, sondern auch den damit verbundenen Wasserbedarf berücksichtigen können.

So muss vermieden werden, dass saubere Energie auf Kosten von bereits knappen Ressourcen in wasserarmen Regionen der Welt erzeugt wird. Auch international agierende Unternehmen sollten Maßnahmen ergreifen, um die Wasserknappheit an lokalen Brennpunkten ihrer Wertschöpfungsketten zu verringern.

Damit Wasser als ein integraler Bestandteil aller Entscheidungen über natürliche Ressourcen berücksichtigt wird, müssen zudem Governance-Strukturen bestehen, die eine bessere Koordinierung und Kooperation aller verantwortlichen Regierungsebenen, Sektoren und Akteursgrup-pen ermöglichen. Solche Governance-Strukturen müssen auch sicherstellen, dass wissenschaftli-che Erkenntnisse in die Entscheidungsfindung einfließen, damit diese faktenbasiert und transpa-rent getroffen werden.

Die Fördermaßnahme Grow des BMBF umfasst zwölf internationale Kooperationsprojekte mit etwa 300 Beteiligten und mehr als 40 Fallstudien weltweit (www.bmbf-grow.de). Ihre Erkenntnisse zum Schutz der Wasserressourcen in einer globalisierten Welt haben die Beteiligten als Empfehlungen für Entscheidungstragende veröffentlicht.

Unser Gastautor Wolfram Mauser ist Hydrologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Koordinator des Grow-Verbundprojekts Viwa.

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