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Dichte Rauchwolken steigen im Januar über einem Wald an der australischen Ostküste auf.
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Dichte Rauchwolken steigen im Januar über einem Wald an der australischen Ostküste auf.

Gastbeitrag

Was wir alles ändern müssen

Der Klimaschutz stellt uns viele Aufgaben. Flächen umverteilen und anders nutzen ist eine davon. Der Gastbeitrag von Holger Krawinkel.

Es sind nicht nur die sich immer häufiger wiederholenden Wald- und Buschbrände in Australien, Portugal oder im US-Bundesstaat Kalifornien sowie die fortgesetzte Brandrodung in Brasilien, deren Feuer die Erde bedrohen. Nein, es sind unsere täglichen Verbrennungen in Kraftwerken, unter Motorhauben und in den Heizungskellern, die dem Weltklima den Garaus machen.

Paradoxerweise führen unsere Feuer nicht nur zu immer mehr Bränden, sie lösen auch immer intensivere Niederschläge aus, die zu katastrophalen Überschwemmungen führen können. Besonders beunruhigt, dass diese Starkregenfälle jeden harmlosen Mittelgebirgsbach innerhalb von Minuten in einen reißenden, tödlichen Strom verwandeln können.

Umso dringlicher stellt sich die Frage, ob wir diese Feuer noch brauchen. Es gibt Alternativen. Die alten Dampfkraftwerke mit ihren Feuerrosten werden durch Sonnen- und Windkraftwerke, die Diesel- und Benzinmotoren durch elektrische Antriebe abgelöst. In den Häusern halten vermehrt elektrische Wärmepumpen Einzug und lassen die Feuer auch dort verschwinden.

Nur dort, wo der Strom nicht direkt eingesetzt werden kann, wird Wasserstoff die Lücke schließen und sich beim Brennen in Wasser verwandeln. Dieser Wasserstoff kann selbstverständlich auch mit Sonnen- und Windkraft erzeugt werden. Angesichts dieser geringen Veränderungen fragt man sich, woher angesichts der zunehmenden Naturkatastrophen die Aufregung etwa über Windräder rührt.

Eine einschneidende Beschränkung von persönlichen Freiheiten ist in diesem Technologiewandel nicht erkennbar. Ja, es müssen Flächen bereitgestellt werden für Wind- und Solaranlagen. Das wird nicht allen gefallen, aber das kann beim Klimaschutz nicht der Maßstab sein. Es muss abgewogen werden, wo die Anlagen am wenigsten stören.

Auch die Antriebstechnik der Autos eignet sich kaum für eine Freiheitsdiskussion. Die E-Autos müssen allerdings erschwinglich sein und ähnlich komfortabel wie heute „befüllt“ werden können. Da Strom schon heute überall verfügbar ist, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis genügend Ladestellen bereitstehen. Und mit jeder neuen Million E-Fahrzeuge werden diese preiswerter.

Welche Technik für warme Zimmer und warmes Wasser sorgt, dürfte den Kunden noch weniger interessieren als die Antriebe der Autos. Etwa die Hälfte der Haushalte, die Mieter, hat nicht einmal Einfluss darauf. Auch bei der Wärme kommt es auf die Kosten an. Ohne staatliche Steuern, Umlagen und Abgaben auf den Strompreis wären Wärmepumpen einer Verbrennerheizung ebenbürtig.

Die kommunikative Aufgabe vor allem der Politik besteht nun darin, das Feuer behutsam zu löschen und die elektrischen Alternativen offensiv und mit Begeisterung zu verbreiten. Das ist der Kern einer Modernisierungsstrategie. Elektrifizierung bahnt den besseren und klimaschützenden Technologien den Weg und verweist das Feuer wie Pferde, Dampfloks und Oldtimer ins Reich der Nostalgie.

An zwei Stellen sind die Kommunen besonders gefordert. Es wird nicht reichen, die Verbrenner- durch E-Autos zu ersetzen. Fußgänger und Radfahrer und die Natur selbst brauchen mehr Platz. Eine humane und naturgemäßere Gestaltung der durch autogerechten Umbau und Versiegelung geschädigten Dörfer und Städte steht ebenfalls an.

Viele Gebäude können nur mit einem erheblichen Aufwand energetisch saniert werden. Die Kommunen sollten im Rahmen einer Wärmeplanung Lösungen finden, damit auch schwächere Haushalte von der Elektrifizierung profitieren. Das kann etwa eine Fernwärme mit Nutzung von Geothermie sein oder eine Kombination aus Teilsanierung mit Hochtemperatur-Wärmepumpen.

Schließlich muss das Schienennetz erheblich ausgebaut werden, einmal für einen elektrifizierten Güterverkehr und zum anderen, damit Haushalte auch ohne Auto auf ein gutes Mobilitätsangebot zugreifen können. Dazu müssen schneller neue Bahnstrecken gebaut und alte Linien reaktiviert werden.

Für die Akzeptanz dieser umfassenden Flächeninanspruchnahme sollte ein klares Bild kommuniziert werden, wie ein elektrifiziertes Deutschland aussehen könnte. Es wäre aufzuzeigen, wo es zu einer Überlastung kommen kann, wie die neuen Infrastrukturen zu integrieren sind und wo eine Entlastung durch Rückbau erforderlich wird.

Es steht eine umfassende Umverteilung von Flächen sowohl für den passiven wie für den aktiven Klimaschutz an. Die Natur zeigt, dass sie sich erbarmungslos Flächen nach ihren Gesetzmäßigkeiten zurückholen kann. Es ist höchste Zeit, ihre Wind- und Sonnenkraft zu nutzen und ihr einen Teil der ihr entzogenen Flächen wieder zurückzugeben.

Holger Krawinkel ist Energieexperte sowie Stadt- und Regionalplaner.

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