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Vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung

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Von: Mariya Gabriel

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Aus der Ukraine geflüchtete Schüler beim Deutschunterricht.
Aus der Ukraine geflüchtete Schüler beim Deutschunterricht. © Frank Rumpenhorst/dpa

Die EU hilft Schülerinnen und Schülern aus der Ukraine, damit sie lernen können. Der Gastbeitrag.

Nach dem Einfall Russlands in die Ukraine am 24. Februar haben mehr als 6,5 Millionen Menschen von dort Zuflucht in der Europäischen Union (EU) gesucht. Es handelt sich überwiegend um Frauen mit Kindern im schulpflichtigen Alter, die ihr Hab und Gut, ihre Angehörigen und ihren gewohnten Alltag zurücklassen mussten.

Wir in der EU sind die unmittelbaren Nachbarn und Partner der Ukraine und daher in besonderem Maße verpflichtet, zu helfen. Schon zu Beginn der Krise war es uns ein Anliegen, dass sich die Kinder und Familien aus der Ukraine in der EU willkommen fühlen. Deswegen haben Millionen Freiwillige sie bei sich aufgenommen und sich solidarisch gezeigt.

Diese Solidarität schlug sich besonders in der erstmaligen Aktivierung der EU-Richtlinie über vorübergehenden Schutz nieder – einem Instrument, mit dem wir den Millionen vor dem Krieg fliehenden Menschen sofort einen Schutzstatus gewähren können. Dazu gehört auch ein Recht auf Bildung: Alle aus der Ukraine Geflüchteten unter 18 Jahren, die Anspruch auf vorübergehenden Schutz haben, haben auch ein Anrecht auf Beschulung in den Bildungssystemen der EU – von der frühkindlichen Bildung über die Primär- und Sekundarschulen bis zur beruflichen Erstausbildung.

Wir hatten es mit zwei nicht zu unterschätzenden Herausforderungen zu tun: Einmal müssen die meisten Kinder die Sprache ihres Aufnahmelandes lernen, um am Unterricht teilnehmen zu können. Zugleich wollten wir ihnen aber Gelegenheit geben, ihre eigene Sprache nicht zu vergessen und ihre Kultur weiter zu leben.

Uns ist bewusst, wie wichtig es für die ukrainischen Kinder und Jugendlichen ist, mit den Lehrplänen, den Lehrinhalten und der Sprache ihrer Heimat verbunden zu bleiben. Dadurch werden sie in die Ukraine zurückkehren und ihren Bildungsweg fortsetzen können, sobald sie dort wieder sicher sind. Die Jugend der Ukraine ist ihre Zukunft.

Wo möglich lief die Schule in der Ukraine am 14. März als Fernunterricht wieder an. Digitales Lernen und Fernunterricht können geflüchteten Kindern aus der Ukraine kurz- und mittelfristig einen Ausweg bieten, da ihre Erziehung so bis zu einem gewissen Punkt weitergehen kann. Wir haben daher in Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Bildungsministerium dafür gesorgt, dass auch Schülerinnen und Schüler mit Aufenthalt in der EU ukrainische Unterrichtsmaterialien erhalten können.

Unter den Geflüchteten sind viele Lehrkräfte, die über verschiedene Schnellverfahren eingestellt werden können. Durch den Austausch mit den Behörden in der Ukraine können die EU-Staaten Ausbildungsnachweise in den offiziellen Datenbanken überprüfen, da viele Länder die bürokratischen Hürden für den Berufszugang und die Anerkennung von Abschlüssen abbauten.

Egal, ob eine Lehrkraft aus der EU stammt oder aus der Ukraine geflüchtet ist – die Kommission gibt ihnen allen über ihre Online-Plattform für Schul- und Berufsbildung „School Education Gateway“ gratis Ressourcen und Informationen für ihre Arbeit an die Hand. Darüber hinaus wird die gegenseitige Unterstützung für Lehrkräfte und Lernende in der Ukraine und ihren Nachbarländern durch eigene Diskussionsgruppen gefördert, wobei mehr als 3000 ukrainische Lehrkräfte an eTwinning teilnehmen.

Außerdem hat die Europäische Kommission EU-Mittel zur Unterstützung der Mitgliedsstaaten mobilisiert, die Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen und integrieren. Diese Mittel stammen auch von Erasmus+, dem Programm der Kommission zur Förderung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Jugend und Sport in Europa. Dadurch werden ukrainische Schülerinnen, Schüler und Studierende im Ausland bedarfsgerecht unterstützt.

Die Anstrengungen der Europäischen Kommission und der EU-Staaten dienen einem Ziel: dafür zu sorgen, dass alle Schülerinnen und Schüler, ob in der EU oder der Ukraine, ihre Ausbildung fortsetzen können – und die Lehrkräfte in der EU dabei zu unterstützen, diese Ausbildung in der bestmöglichen Weise anzubieten.

Jeder Krieg ist ein Krieg gegen Kinder. Die Ukraine kann darauf bauen, dass die EU die Zukunft ihrer Nation fördern und schützen wird. Die Ukraine und die EU verteidigen dieselbe Lebensweise, dasselbe Gesellschaftsmodell, dieselben Werte und Grundsätze. Und Solidarität ist ein Grundpfeiler unserer Partnerschaft – jetzt und in Zukunft.

Margaritis Schinas ist Vizepräsident der Europäischen Kommission für die Förderung unserer europäischen Lebensweise.

Mariya Gabriel ist EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend.

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