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Vom Handelspartner zum strategischen Verbündeten

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am Freitag auf Südkoreas Nationalfriedhof.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am Freitag auf Südkoreas Nationalfriedhof. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Deutschland sollte der gestiegenen Bedeutung Südkoreas mit der Aufwertung der Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft Rechnung tragen.

In den Leitlinien zum Indo-Pazifik hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, ihre Partnerschaften in der Region auszubauen. Angesichts der kontinuierlich steigenden Bedeutung Südkoreas nicht nur als wirtschaftlicher, sondern auch als politischer Partner im Indo-Pazifik und dem geteilten Wunsch nach Diversifizierung sollten Deutschland und die Republik Korea ihre bilateralen Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft aufwerten.

Während die China-Reise von Bundeskanzler Scholz gleichermaßen Aufmerksamkeit erzeugt wie Kritik erregt hat, ist der derzeitige Besuch von Bundespräsident Steinmeier in Südkorea politisch weitaus weniger sensibel. Steinmeier, so titelte der „Merkur“ zur Reise des Bundespräsidenten nach Japan und Südkorea, sei „zu Besuch bei Freunden“.

In der Tat ist Südkorea bereits jetzt ein äußerst wichtiger Partner Deutschlands im Indo-Pazifik. Mit seiner leistungsstarken Wirtschaft, hohen technologischen Fähigkeiten und einer Spitzenstellung in der Informations- und Kommunikationstechnologie ist Südkorea Deutschlands drittwichtigster Handelspartner in Asien – nach China und Japan. Umgekehrt ist Deutschland für Südkorea der wichtigste europäische Handelspartner mit einem bilateralen Handelsvolumen von etwa 31,4 Milliarden Euro im Jahr 2021.

Weniger präsent in der deutschen Wahrnehmung ist hingegen die Tatsache, dass Südkorea auch politisch eine immer wichtigere Rolle einnimmt – wie nicht zuletzt die Teilnahme des südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol am Nato-Gipfeltreffen im Juni dieses Jahres in Madrid zeigte. Gemeinsam von Seoul und Berlin vorangetriebene politische Anliegen sind unter anderem die Stärkung von Demokratie und Menschenrechten, von multilateralen Institutionen, einer regelbasierten, internationalen Weltwirtschafts- und Finanzordnung sowie internationalen friedenserhaltenden Maßnahmen und dem Kampf gegen die Folgen des Klimawandels.

In einer Zeit, in der sich die globale Ordnung grundlegend ändert und sowohl Deutschland wie auch Südkorea zunehmend nach Diversifizierung in der Außen- und Wirtschaftspolitik, einer Reduzierung von einseitigen Abhängigkeiten und der Stärkung nachhaltiger Partnerschaften – insbesondere mit anderen Demokratien – streben, sollte die Bundesregierung der politischen Bedeutung Koreas über eine Aufwertung der bilateralen Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft Ausdruck verleihen.

Die Autoren:

Kim Sangkuk , Freie Universität Berlin.

Eric. J. Ballbach , Stiftung Wissenschaft und Politik.

Deutschland und Südkorea sehen sich mit ähnlichen Unsicherheiten und Herausforderungen konfrontiert. Eine strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Südkorea würde die Beratungen über regionale wie globale Angelegenheiten auf allen Ebenen intensivieren, um die Möglichkeiten für gemeinsames Vorgehen noch besser auszuloten – sowohl bilateral als auch im Rahmen multilateraler Strukturen und Institutionen. Eine strategische Partnerschaft könnte den Weg zu einer vielschichtigen Sicherheitspartnerschaft ebnen, bei der es unter anderem darum geht, Bedrohungen der Cybersicherheit zu bewältigen, mit ausländischer Einmischung umzugehen und die Resilienz unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften zu stärken.

Das Auswärtige Amt unterhält bis dato acht „Strategische Partnerschaften“ – mit Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Vietnam, Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Bewertung dieser Beziehungen als „strategisch“ wird von den jeweiligen Partnern selbst, aber auch von Dritten als Symbol für die hohe Bedeutung gesehen, die den jeweiligen Beziehungen beigemessen wird.

Deutschland und die Republik Korea, entgegen einiger anderer als strategisch bezeichnete Partnerschaften des Auswärtigen Amts, erfüllen in vielen Bereichen bereits das, was man von strategischen Partnern erwartet: eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit in Bereichen, die für beide Länder zentral sind. Mehr noch: Südkorea teilt nicht nur Interessen mit der Bundesrepublik, sondern ist ein Wertepartner für Deutschland – ein Unterstützer der regelbasierten internationalen Ordnung. Dies ist keine Selbstverständlichkeit. Die Republik Korea ist eines der wenigen Länder in Asien, welche wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt haben.

Geopolitische Verschiebungen werden die Beziehungen Deutschlands zu Südkorea zukünftig noch wichtiger machen – sei es in Fragen der Stabilisierung von Lieferketten, in der Digitalisierung, aber auch in der Zusammenarbeit im Bereich der maritimen Sicherheit. Dieser Bedeutung, aber auch den wechselseitigen Erwartungen, könnte mit einer strategischen Partnerschaft Ausdruck verliehen werden. Die sich im kommenden Jahr zum 140. Mal jährende Aufnahme diplomatischer Beziehungen würde dafür einen geeigneten Anlass bieten.

Kim Sangkuk ,Freie Universität Berlin

Eric J. Ballbach , Stiftung Wissenschaft und Politik

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