Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das überflutete Mukhayyam al-Khair-Camp in der Nähe von Idlib.
+
Das überflutete Mukhayyam al-Khair-Camp in der Nähe von Idlib.

Gastbeitrag

Vergesst Syrien nicht

  • vonPeter Ruhenstroth-Bauer
    schließen

Das UNHCR benötigt Milliarden, um Bedürftigen zu helfen. Und den Krieg kann nur eine politische Lösung beenden. Der Gastbeitrag.

Die Corona-Pandemie hat unsere Gesellschaft vor eine unglaubliche Herausforderung gestellt. Auf einmal sind wir aufeinander angewiesen und jede unsere Handlungen hat massive Auswirkungen auf das Wohlergehen unserer Mitmenschen. So wird unser Zusammenhalt ganz besonders auf die Probe gestellt.

Die letzten Monate haben bewiesen, dass wir Covid-19 nur gemeinsam besiegen können – indem wir uns miteinander solidarisch zeigen, unabhängig von Grenzen, Geschlecht, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit. Ja, die deutsche Zivilgesellschaft hält zusammen. Sie zeigt sich solidarisch – darin liegt die wohl größte Hoffnung der UN-Flüchtlingshilfe, der nationalen Partnerin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR).

Flüchtlinge und Binnenvertriebene sind besonders gefährdet, der Pandemie zum Opfer zu fallen. Sie besitzen nicht die Mittel, um sich vor Covid-19 zu schützen. In Flüchtlingscamps wie Zaatari in Jordanien leben knapp 80 000 Menschen. Hier, wie überall, stellt sich der UNHCR auf die aktuelle Situation mit Temperatur-Screenings, Schutzkleidung, Sensibilisierungskampagnen ein. Nach dem Verlust ihres Zuhauses, häufig traumatisiert durch Gewalt oder den Tod der eigenen Familie und geschwächt durch eine anstrengende Flucht müssen Flüchtlinge nun auch noch unter erschwerten Bedingungen mit dieser schrecklichen Pandemie kämpfen.

Im Nahen Osten, so schätzt das Flüchtlingshilfswerk, sind es rund 3,9 Millionen Menschen, die nicht nur vor Covid-19, sondern jetzt auch vor der Winterkälte zusätzlichen Schutz benötigen. Es sind die Wetterbedingungen mit Schneefällen, eisigen Winden und Überschwemmungen, von denen die Flüchtlingscamps und die oft improvisierten Unterkünfte der Menschen teils dramatisch betroffen sind.

Vor Ort Unterkünfte zur Verfügung zu stellen und die medizinische Versorgung gleichzeitig aufrecht zu erhalten, ist ein enormer Kraftakt, der sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen beansprucht. Die größte Flüchtlingskrise weltweit erwuchs aus dem Krieg in Syrien.

Vor nun fast zehn Jahren, im März 2011, wurden Proteste in Syrien gewaltsam beendet und seither musste über die Hälfte der Bevölkerung fliehen. Syrerinnen und Syrer sind damit die größte Flüchtlingsgruppe der Welt. In den unmittelbaren Nachbarländern, die selbst häufig vor großen Herausforderungen stehen, finden sie Schutz.

Neben dem Irak, Libanon und Jordanien zählen die Türkei und Ägypten zu den Hauptaufnahmeländern. Die Türkei hat mit über 3,5 Millionen die höchste Zahl syrischer Flüchtlinge weltweit aufgenommen. Vergleicht man die Zahl der Flüchtlinge mit der Einwohnerzahl, hat Libanon weltweit am meisten Flüchtlinge aufgenommen. Auch das Nachbarland Jordanien ist besonders stark von der Krise in Syrien betroffen.

Fast die Hälfte der Flüchtlinge und Vertriebenen sind Kinder. Viele mussten miterleben, wie Familienangehörige oder Freundinnen und Freunde getötet wurden. Gleichzeitig sind in Syrien 6,6 Millionen Menschen aus ihrem Heimatort vertrieben und im Land selbst als Binnenvertriebene auf der Flucht. Für die meisten der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen bedeutet das ein Leben in extremer Armut.

Eltern können ihre Kinder nicht ernähren und haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Unterkunft. So rechnet der UNHCR mit rund 13 Millionen Menschen im Land, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Syrien ist eine der größten und schwerwiegendsten Fluchtsituationen weltweit.

Für die dringende Hilfe für die syrischen Flüchtlinge benötigt der UNHCR 1,9 Billionen US-Dollar. Aber nur etwas mehr als ein Drittel der notwendigen Finanzierung ist gesichert. Das hat Folgen in den Aufnahmeländern und deren Zivilgesellschaften.

So musste der UNHCR Bildungszuschüsse für Schulen in Ägypten für syrische Flüchtlingskinder um 40 Prozent kürzen. Auch die Finanzierung für die Ausbildung von Lehren musste so um 90 Prozent gekürzt werden. Weitere Kürzungen werden in den Bereichen Bildung, Nothilfe, Winterhilfe und der Bargeldhilfe drohen, sollte es keine ausreichende Finanzierung geben.

Ein Ende dieser Katastrophe ist nicht in Sicht. Auch wenn in vielen Regionen Syriens nicht mehr gekämpft wird, so bleibt die Lage doch in einigen Gebieten gefährlich. Weitere Vertreibungen und zusätzliche Not drohen – so in der Region Idlib, wo es immer wieder zu Kämpfen kommt.

Im Nordosten Syriens drohen Konflikte zwischen den Kurden und ihren Verbündeten mit der türkischen Armee. Ohne eine international vermittelte politische Lösung wird der Krieg auch nach dem zehnten Kriegsjahr nicht aufhören und noch mehr Menschen ins Elend stürzen.

Peter Ruhenstroth-Bauer ist Geschäftsführer der UN-Flüchtlingshilfe, der nationalen Partnerin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare