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Seien Sie doch froh, Herr Djokovic

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Novak Djokovic
Novak Djokovic im Flugzeug. © Darko Bandic/AP/dpa

Alle zwei Wochen schreiben Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung einen Klimabrief. Aktueller Adressat ist Novak Djokovic.

Sehr geehrter Herr Djokovic,

herzlichen Glückwunsch, dass Sie es nach 20 Grand Slams und neun gewonnenen Australian Open geschafft haben, der Neujahrs-Aufreger 2022 zu werden. Nun wissen alle, wirklich alle, wer Sie sind. Tennis ist nicht gerade meine Paradedisziplin. Ich bin auch sehr leidenschaftslos, was Ihre Teilnahme an den Australian Open 2022 angeht. Ich hätte mir viele Themen lieber in aller Munde gewünscht als Ihres.

Es ist ja nicht so, dass es keine anderen Anlässe gegeben hätte, sich aufzuregen. Eine EU, die Gas und Atomkraft als „nachhaltig“ deklarieren will. Lützerath, ein Dorf im Rheinland, das dem Braunkohleabbau weichen soll und so das 1,5-Grad-Ziel gefährdet. Unser neuer Klima- und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) der mal so ganz nebenbei die Klimaziele der nächsten zwei Jahre aufgeben will.

Herr Djokovic, sind Sie nicht froh, nicht mitspielen zu müssen?

Herr Djokovic, Sie merken, für mich ist die Klimakrise das, was für Sie Tennis ist. Und ich frage mich, ob Sie nicht auch ein bisschen froh sind, das Turnier nicht mitzuspielen. Während Ihnen in Australien der Prozess gemacht wurde, wurden dort gleichzeitig 50,7 Grad Celsius gemessen. Ich kann mir wirklich Schöneres vorstellen, als bei der höchsten Temperatur, die jemals auf der Südhalbkugel gemessen wurde, Hochleistungssport zu betreiben.

Vielleicht denken Sie jetzt, immer diese Klima- aktivist:innen, die kommen immer auf ihr Thema, egal worum es eigentlich gerade geht. Und da haben Sie recht, das ist wirklich anstrengend. Es ist wirklich anstrengend, wenn die Nummer-eins-Nachricht in der 20-Uhr-Tagesschau eine wie die Ihre ist, aber eine Naturkatastrophe wie der Ausbruch des Vulkans bei Tonga die letzte vor dem Sport. Es ist anstrengend, dass wir diejenigen sind, die immer und immer wieder mit der Klimakrise um die Ecke kommen müssen. Das liegt daran, dass sie so schnell neben Themen wie das mit Ihnen mit zu wenig Nachrichtenwert abgestempelt wird. Und dass die meisten Menschen mehr über Sie und Tennis wissen als über Klimakipppunkte.

Ich wünsche Ihnen trotzdem alles Gute und dass Sie Ihre Impfungen gut vertragen. Dann klappt es das nächste Mal bestimmt auch mit der Teilnahme. Ansonsten wünsche ich uns allen, dass das dann nicht die Hauptnachricht ist und wir uns auf die wirklich wichtigen Themen konzentrieren können.

Ihre Merit Willemer

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