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Der Fisch, den die weltweit agierenden Flotten etwa aus Japan, China und den USA fangen, landet auch auf unseren Tellern – auch weil Deutschland über 90 Prozent des Bedarfs an Fisch und Meeresfrüchten aus dem Ausland importiert.
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Der Fisch, den die weltweit agierenden Flotten etwa aus Japan, China und den USA fangen, landet auch auf unseren Tellern – auch weil Deutschland über 90 Prozent des Bedarfs an Fisch und Meeresfrüchten aus dem Ausland importiert.

Illegale Fischerei

Schluss mit Subventionen für Überfischung - WTO könnte endlich Abkommen realisieren

Die WTO entscheidet am 15. Juli über die Abschaffung staatlicher Subventionen für die Fischerei, wenn diese Überfischung oder illegale Fischerei fördern.

Frankfurt – Am kommenden Donnerstag liegt die Zukunft unserer Meere in den Händen der Welthandelsorganisation (WTO). Es steht viel auf dem Spiel für die Zukunft eines Allgemeinguts, das uns allen gehört: Fisch. Eine Ressource, die durch die Ozeane wandert, keine Landesgrenzen kennt und welche die internationale Fischerei inzwischen dramatisch dezimierte. Über ein Drittel der kommerziell genutzten Fischbestände sind bereits überfischt, fast 60 Prozent werden bis an ihre Grenzen genutzt.

Ein Haupttreiber der Überfischung sind schädliche Fischereisubventionen. Die staatlichen Finanzspritzen, etwa für Treibstoff oder Schiffsneubau, führen zu Überkapazitäten in der Fangflotte und senken die Betriebskosten, so dass auch unrentable Fischerei fortgesetzt werden kann.

Überfischung: Besonders Kleinfischer leiden unter schwindenden Fischbeständen

Das verschärft das Doppelproblem von Flottenüberkapazität und Überfischung. Oft fließen die Mittel auch in illegale Fischerei. Weltweit stellen Regierungen jedes Jahr geschätzte 22 Milliarden US-Dollar für schädliche Subventionen bereit, die größten Budgets kommen etwa aus China, der Europäischen Union (EU), Japan und den USA.

Ihre Flotten verteilen sich über den gesamten Planeten und fischen unter anderem auf der hohen See und im globalen Süden, wo besonders Kleinfischer unter schwindenden Fischbeständen leiden und um Zugangs-, Verteilungs- und Marktgerechtigkeit betrogen werden. Der Fisch landet derweil auch auf unseren Tellern – auch weil Deutschland über 90 Prozent des Bedarfs an Fisch und Meeresfrüchten aus dem Ausland importiert.

Thema ist WTO lange bekannt, nun könnte ein entsprechendes Abkommen endlich realisiert werden

Das Problem und seine fatalen Auswirkungen sind längst bekannt und auf höchster politischer Ebene angekommen. Dort allerdings gerät der selbst gesteckte Zeitplan zur Farce. Seit zwei Jahrzehnten steht das Thema bereits auf der Agenda der Welthandelsorganisation.

Basierend auf den Zielen der Vereinten Nationen (UN) zur nachhaltigen Entwicklung sollten die Regierungen schädliche Fischereisubventionen eigentlich schon bis 2020 abschaffen. Im Juni verpflichteten sich die G 7-Staaten, die laufenden WTO-Verhandlungen so schnell wie möglich abzuschließen. Am Donnerstag könnte ein entsprechendes Abkommen endlich realisiert werden.

WTO-Staaten können damit zur Beendigung der weltweiten Überfischung beitragen

Die Verhandlungen über Fischereisubventionen gelten inzwischen als Lackmustest für die Glaubwürdigkeit und Legitimität der WTO als multilateraler Institution. Die wichtigsten Bestimmungen des Abkommensentwurfs bieten den WTO-Staaten eine große Chance, zur Beendigung der weltweiten Überfischung beizutragen.

Ihre konsequente Anwendung – mit angemessenen Flexibilitäten, Unterstützung und gezieltem Kapazitätsaufbau für ärmere Länder – würde zu einer faireren, transparenteren und nachhaltigen Fischerei führen. Diese käme auch den Küstengemeinden zugute.

Die Meeresfischerei beschäftigt weltweit rund 200 Millionen Menschen, für Milliarden Menschen ist Fisch eine schwer zu ersetzende Eiweißquelle. Doch wird der politische Wille ausreichen, ein umfangreiches Abkommen zu beschließen?

Risiko: Sollten die WTO-Staaten sich nicht einigen, könnte das Abkommen endgültig scheitern

Ein großes Risiko bleibt: Sollten die Länder gar keine Einigung erzielen, könnte das Abkommen endgültig scheitern. Gelingt nur ein stückweiser Ansatz, bei dem Ausnahme- und Flexibilitätsregelungen zu großen Schlupflöchern werden, bestünde die große Gefahr, dass die guten Regeln auf dem Papier in der Realität unwirksam bleiben.

Deshalb appelliert der WWF zusammen mit vielen anderen Organisationen an die WTO-Staaten, endlich konsequent zu handeln. Er fordert die Abschaffung aller Subventionen, die die Übernutzung von Fischbeständen fördern. Außerdem muss das Abkommen dafür sorgen, dass die Profite illegaler Fischereitätigkeiten sinken. Stattdessen sollten die öffentlichen Mittel in die Gesundheit der Fischbestände und an die Küstengemeinden fließen.

Überfischung: Position der EU ist besonders besorgniserregend

Auch die Bundesregierung steht als Mitglied der EU in der Verantwortung, diese Chance nicht verstreichen zu lassen – vor allem, weil die Position der EU besorgniserregend ist. Es geht um eine generationsübergreifende Chance, den Kurs der globalen Fischereiflotten in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken, die Gesundheit und Resilienz der Meeresökosysteme zu verbessern und dazu beizutragen, dass die Ozeane weiterhin eine Lebensgrundlage für die vielen Millionen Menschen bieten, die auf sie angewiesen sind.

Es geht allerdings auch um fairen Welthandel, Ernährungssicherheit und mehr Gerechtigkeit im Umgang mit dem Allgemeingut Fisch. Mit der Natur lässt sich nicht über mehr Zeit verhandeln.

Ein Sehnsuchtsort ist in größter Gefahr: Überfischung, Verschmutzung, Plastikmüll und Schifffahrt setzen dem Mittelmeer zu. Und die Temperaturen steigen rasant. Die Folgen sind verheerend.

Anna Holl Buhl ist Expertin für internationale Fischereipolitik beim WWF Deutschland.

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