Koreanischen Zwangsarbeiter wurden im Zweiten Weltkrieg von Japan zum Kohleabbau auf der Insel Hashima eingesetzt.
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Koreanische Zwangsarbeiter wurden im Zweiten Weltkrieg von Japan zum Kohleabbau auf der Insel Hashima eingesetzt.

Japan und die koreanischen Zwangsarbeiter

Richtig erinnern fällt nicht immer leicht

Japan gelingt es immer noch nicht, die Zwangsarbeit von Koreanerinnen und Koreanern angemessen anzuerkennen. Der Gastbeitrag.

Japan ignoriert die Tatsache, dass es koreanische Zwangsarbeiter auf der Insel Hashima (Kriegsschiff-Insel) eingesetzt hat – in Deutschland ist dies dank der hart erarbeiteten Erinnerungskultur nicht möglich. In Südkorea ist in letzter Zeit die Kritik laut geworden, dass Japan die koreanischen Zwangsarbeiter, die es im Zweiten Weltkrieg zum Kohleabbau auf der Insel Hashima einsetzte, vergessen hat. Grund ist eine Ausstellung, die am 15. Juni 2020 im Informationszentrum für industrielles Erbe in Tokio eröffnet wurde, in der auf die koreanische Zwangsarbeit auf der „Kriegsschiff-Insel“ überhaupt nicht eingegangen wird.

Auch in Deutschland besteht die schmerzhafte Erinnerung an die Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs. Hierzulande gibt es jedoch schon seit vielen Jahren eine staatlich und gesellschaftlich anerkannte Erinnerungskultur, in der auf verschiedene Art und Weise der unterdrückten und ermordeten Menschen gedacht wird. Dies gilt besonders für den Holocaust, schließt aber ausdrücklich auch die Opfer der Zwangsarbeit ein.

Im Jahr 2006 wurde auf dem Gelände eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick das zentrale Dokumentationszentrum für die NS-Zwangsarbeiter gegründet. Es dokumentiert die Lage der Zwangsarbeiter zu den Zeiten des Nationalsozialismus und ist das Einzige seiner Art.

Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte ist wichtig, um allen beteiligten Nationen den Weg in eine positivere Zukunft zu ebnen. Das japanische Informationszentrum dokumentiert die Geschichte nur selektiv. Anders als in deutschen Ausstellungen wird im japanischen Informationszentrum weder auf die Verschleppung von Menschen für die Zwangsarbeit eingegangen, noch über die harten Arbeitsbedingungen berichtet.

Auch in Deutschland wurden die Leiden der Zwangsarbeiter viele Jahre nachrangig behandelt. Menschen, die im Ausland lebten – darunter die vielen Zwangsarbeiter – waren praktisch von einer Entschädigung ausgeschlossen. Dies änderte sich jedoch im Jahr 2000, als die deutsche Regierung die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gründete, die symbolische Entschädigungsleistungen für ehemalige ausländische Zwangsarbeiter bereitstellt. Zudem fördert die Stiftung internationale Versöhnungsprojekte. An dieser Initiative sind die Bundesregierung und über 6000 Firmen der deutschen Wirtschaft je zur Hälfte beteiligt. Die Stiftung erhielt zu ihrer Gründung 5,2 Milliarden Euro, aus den Zinserträgen werden die Projekte finanziert.

Mit Gründung dieser Stiftung übernahmen der Bund, die Wirtschaft und die Gesellschaft Verantwortung für das Unrecht, das alle Opfer des Nationalsozialismus erlebten. Seit Bestehen der Stiftung wurden fast 4000 Projekte mit 97,7 Millionen Euro gefördert. Da in der Stiftung viele Sitze an die früheren, kriegsbeteiligten Staaten vergeben wurden, ist mit dieser Stiftung echte Aussöhnung möglich geworden.

Richard Kubitzki

Die japanische Regierung hat eine andere Haltung. Im Jahr 2018 wurde vom Obersten Gerichtshof Koreas entschieden, dass Opfer der japanischen Zwangsarbeit individuell Entschädigung – unter anderem von den Industrieriesen Nippon Steel und Mitsubishi Heavy Industries – einfordern können. Doch Tokio zeigte sich uneinsichtig über dieses Ergebnis und kommentierte die Entscheidungen als „äußerst bedauerlich und völlig inakzeptabel“.

Dazu, dass Japan das Urteil des Koreanischen Gerichtshofes ablehnt, kann man nur sagen: Hier ist Europa weiter. Der Europäische Gerichtshof setzt das Recht in allen 27 EU-Staaten durch. Dieser übergeordnete Gerichtshof nimmt auf nationale Belange keine Rücksicht und sorgt für Recht in allen Nationen der EU. Wenn es eine solche Behörde im asiatischen Raum gäbe, könnte sich die japanische Wirtschaft gar nicht gegen eine Anerkennung der berechtigten Anliegen der Zwangsarbeiter wehren.

Es hat auch in Deutschland lange gedauert, bis der Staat, die Gesellschaft und die Wirtschaft sich der Verantwortung aus der Vergangenheit gestellt haben. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen. Deutschland hat sich aber durch seine Bemühungen ein sehr gutes Verhältnis zu fast allen seinen europäischen Nachbarn aufgebaut. Dies ist auch für die Deutschen selbst wichtig.

Natürlich sollte ein korrekter Umgang mit der Wahrheit auch im japanischen Informationszentrum stattfinden. Die Koreaner, die in der japanischen Wirtschaft arbeiten mussten, wurden dadurch natürlich keine Japaner, sondern sie blieben koreanische Zwangsarbeiter. In Deutschland würde ein solches Verhalten eines offiziellen Informationszentrums niemals hingenommen werden. (Richard Kubitzki)

Richard Kubitzki unterrichtet Politik, Biologie und Sport am Joseph-DuMont-Berufskolleg in Köln.

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