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Bis zu 1,7 Milliarden Kinder weltweit waren wegen der Corona-Pandemie zeitweise von Schulschließungen betroffen.
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Bis zu 1,7 Milliarden Kinder weltweit waren wegen der Corona-Pandemie zeitweise von Schulschließungen betroffen.

GASTBEITRAG

Peter Struck: Wie Kinder und Jugendliche erfolgreich zu Hause lernen

  • Peter Struck
    VonPeter Struck
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Peter Struck erklärt in seinem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau welche Voraussetzungen erfolgreiches Home-Schooling hat.

Der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat jüngst verkündet, dass etwa 50 000 Schülerinnen und Schüler der Hansestadt – also jedes fünfte Schulkind - erhebliche Lernrückstände haben. Deshalb sollen von August an etwa 1000 Lehramtsstudierende und pensionierte Lehrkräfte als Mentoren an dem Programm „Anschluss“ teilnehmen. Das Ziel: Den Jungen und Mädchen in Kleingruppen in zwei bis vier Extrastunden pro Woche ein halbes Jahr lang gezielt Nachhilfeunterricht geben, um diese Rückstände aufzuholen. Andere Bundesländer wollen folgen, so dass der Bund mit etwa einer Milliarde Euro Kosten – nach Meinung des Deutschen Lehrerverbandes zwei Milliarden Euro – für ein derartiges Projekt rechnet.

Seit 20 Jahren belegen alle internationalen Schulleistungsvergleichsstudien immer wieder, dass das Hauptproblem der deutschen Schulen sei, dass Neuntklässlerinnen und Neuntklässler aus bildungsfernen Milieus beim Lernen abgekoppelt sind – unabhängig davon, wie intelligent sie sind. Coronabedingt, also infolge des Mangels an Präsenzunterricht, hat sich dieses Dilemma im Laufe des letzten Jahres deutlich verschlimmert, so dass mittlerweile wieder der unrühmliche Zustand des „PISA-Schocks“ vom Jahr 2001 erreicht ist.

Aber selbst in gutsituierten Familien fühlen sich viele Eltern überfordert, ihre Kinder beim häuslichen Lernen effizient zu unterstützen. Dort, wo die Erkenntnisse von Hirnforschung und Lernpsychologie schon länger und intensiv umgesetzt werden, lässt sich allerdings inzwischen recht gut ablesen, wie hilfesuchenden Eltern und ihrem Nachwuchs bei Hausaufgaben, beim Üben für Klausuren und überhaupt beim digitalen Lernen zu Hause erfolgreich auf die Sprünge geholfen werden kann:

- Regeln, Merksätze, Vokabeln, Begriffe und Zahlen bleiben doppelt so gut und doppelt so lange im Kopf hängen, wenn man sie beim Lernen laut ausspricht und zugleich aufschreibt.

- Alles bleibt viermal so gut hängen, wenn man es nicht nur ausspricht und aufschreibt, sondern es auch jemand anderem erklärt. Besonders erfolgreich beim Lernen ist also die Partnerarbeit.

- Was man tagsüber lernt, wird erst so richtig nachts im Schlaf verstanden. Wird es dann am nächsten Morgen wiederholt, bleibt es besonders gut und lange hängen.

- Beim intensiven Lernen sollte die Körperposition mehrfach verändert werden: erst im Sitzen, dann im Liegen auf dem Rücken, dann auf dem Bauch liegend, dann im Stehen. Das gilt vor allem für Kinder bis zum 13. Lebensjahr. Ab dem 14. Lebensjahr lernen junge Menschen besonders gut im Wechsel von Sitzen und Stehen an einem Stehpult.

- An manchen Schulen werden zurzeit die Klassen geteilt, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, so dass jeweils die Hälfte der Klasse Präsenzunterricht hat, während die andere Hälfte zu Hause digital lernt. Dann ist es besonders wichtig, beim Präsenz-unterricht möglichst viel mitzuschreiben und am Nachmittag vor dem nächsten Präsenzunterricht und vor der nächsten Klausur wieder durchzulesen. Und zwar laut, während zugleich das noch nicht sicher im Kopf Befindliche erneut aufgeschrieben wird.

- Hilfreich ist, das uralte Mittel des Abfragens wieder aufleben zu lassen: Eltern oder Lernpartner fragen ab, was zuvor memoriert wurde. Das Gelernte steht danach nämlich dreimal so gut zur Verfügung.

- Mit zu lernenden Namen, Begriffen und Zahlen sollten vertraute Namen, Begriffe, Zahlen oder auch Reime assoziiert werden, auch solche, die nichts mit dem zu Lernenden zu tun haben, also eine ganz andere Bedeutung haben; sie schaffen „Lernbrücken“. Ein berühmtes Beispiel: „Drei-drei-drei, große Keilerei“ meint die Schlacht bei Issos im Jahr 333 v. Chr.

- Einzelheiten wie Zahlen, Daten, Vokabeln und Fachbegriffe lernen junge Menschen am allerbesten in nur zehnminütigen Portionen, mathematische, naturwissenschaftliche oder politische Zusammenhänge hingegen am besten in zwanzigminütigen Portionen, das gilt auch beispielsweise für das Lösen von Rechentürmen oder für Übersetzungen grammatikalischer Art; danach sollte man sich bewegen, sportlich aktiv sein, musizieren, Musik hören oder telefonieren. Wer nach dem Lernen noch eine Runde mit dem Fahrrad um sein Viertel fährt, hat jedenfalls eine höhere Chance, am nächsten Tag eine gute Klausur zu schreiben, als diejenigen, die nach dem Lernen sofort ins Bett gehen.

Man möge bei alledem jedoch auch bedenken: Einzelheiten, also Details, lernen sehr intelligente Kinder schneller als durchschnittlich begabte; bei komplexen Zusammenhängen in den Naturwissenschaften, in der Politik oder in der Gemeinschaftskunde ist es hingegen umgekehrt; sie werden von durchschnittlich begabten jungen Menschen etwas schneller begriffen als von sehr intelligenten, die immer auch Zeit für ihr Grübeln benötigen.

Peter Struck ist Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg. Im Primus Verlag Darmstadt ist sein Buch „Die 15 Gebote des Lernens“ erschienen.

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