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Bis Ende des Jahres 2026 soll in Blumenerden kein Torf mehr verwendet werden, so das Ziel von Landwirtschaftsministerin Klöckner.
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Bis Ende des Jahres 2026 soll in Blumenerden kein Torf mehr verwendet werden, so das Ziel von Landwirtschaftsministerin Klöckner.

Gastbeitrag

Klimaschutz in der Landwirtschaft: Moore spielen herausragende Rolle

Bund und Länder wollen gemeinsam mit Akteuren aus Forst- und Landwirtschaft wichtige Böden nachhaltiger nutzen: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner antwortet auf Vorwürfe des Biologen Manfred Niekisch, den Schutz der Moore zu verhindern.

Moore – lange hatten sie einen zweifelhaften Ruf, galten gemeinhin als öde, gar lebensfeindlich. In der Literatur sind sie bis heute Ort des Schaurigen, des Gefährlichen. Selten aber war die öffentliche Aufmerksamkeit für Moore so groß wie heute. Das hat einen Grund. In Zeiten des Klimawandels sind sie weiße Ritter, ihnen kommt eine herausragende Rolle zu: Intakte Moore holen schädliches CO2 aus der Atmosphäre und speichern den Kohlenstoff im Torf.

Moorböden stärker zu schützen und langfristig zu erhalten, ist deshalb auch ein wichtiger Baustein unseres Maßnahmenpakets für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft. Moorböden machen bei uns etwa acht Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. Das klingt erstmal wenig, aber sie nehmen bei der Emission von Treibhausgasen eine Sonderrolle ein.

Durch die Zersetzung von Moorböden insbesondere infolge von Entwässerungsmaßnahmen und Torfabbau werden jährlich etwa 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent freigesetzt. 2019 waren das etwa 6,7 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands. Aktiver Moorschutz ist damit gleichbedeutend mit effektivem Klimaschutz – das treiben wir voran.

Kampf gegen den Klimawandel: Moore werden wiedervernässt

Was heißt das konkret? Mit den Bundesländern haben wir eine Zielvereinbarung zum Moorbodenschutz erarbeitet, die bis Mitte des Monats von allen unterzeichnet wird. Bis zum Jahr 2030 wollen wir so die jährlichen Treibhausgasemissionen aus Moorböden um fünf Millionen Tonnen CO2-Äquivalent reduzieren. Das ist ein ambitioniertes Ziel, das besonders den Regionen mit trockengelegten Moorböden einiges abverlangt. Warum?

Weil die erforderlichen Maßnahmen das Eigentum und die Existenzgrundlage von Land- oder Forstwirten betreffen. Denn diese landwirtschaftlichen Flächen oder Wälder müssen wiedervernässt werden, um den Torf als natürlichen Kohlenstoffspeicher zu erhalten. Kühe können auf diesen Flächen dann nicht mehr grasen und auch kein Ackerbau betrieben werden.

Zur Person

Julia Klöckner (CDU) ist Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Mit diesem Gastbeitrag antwortet sie auf die Kolumne von Manfred Niekisch, die am 21. August in der FR erschienen ist.

Umso wichtiger ist es, mit Augenmaß vorzugehen: Damit die Flächen auch weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden können, wollen wir neue Produktionsverfahren und Wertschöpfungsketten etablieren. Auf wiedervernässten Flächen können etwa Schilfrohr oder Torfmoose angebaut werden, aus denen in einem zweiten Schritt CO2-freie Energie erzeugt werden kann. Es geht also in diesen Regionen um eine fundamentale Umstellung der bisherigen Bewirtschaftung: Neue Gerätschaften, neues Know-how, neue Anforderungen. Das ist mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden – und erfordert einen großen persönlichen Einsatz. Für uns ist deshalb klar: Solche Maßnahmen dürfen nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden werden.

Vor allem darf nicht einmal der Eindruck erweckt werden, dass es staatliche Eingriffe ins Eigentum gibt. Darauf habe ich in den Verhandlungen großen Wert gelegt. Denn nur eine Strategie, die vor Ort breit getragen und akzeptiert wird, kann erfolgreich sein und somit einen Beitrag leisten zum Schutz des Klimas.

Aktiven Moorbodenschutz unterstützen wir als Ministerium daher finanziell. Bis 2025 stehen uns dazu 330 Millionen Euro aus dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung zur Verfügung. Mit diesem Geld soll die Wiedervernässung trockengelegter Moorböden von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Neuausrichtung der Flächennutzung finanziert werden. Allein für das Jahr 2022 sind dafür 115 Millionen Euro an Fördergeldern vorgesehen.

Moore im Klimawandel: Weniger Torf als Blumenerde verwenden

Mit dem Abschluss der Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Moorbodenschutz schaffen wir die Grundlage dafür, dass dieses Geld für einen flächenwirksamen Moorbodenschutz eingesetzt werden kann.

Und es gibt eine weitere Stellschraube, um Treibhausgasemissionen aus Moorböden zu reduzieren. Konkret geht es darum, weniger Torf im Gartenbau zu verwenden. Auch hier sind wir aktiv. Gemeinsam mit allen betroffenen Akteuren der Branche haben wir eine Strategie zur Minderung des Torfverbrauchs erarbeitet, die seit eineinhalb Jahren in der Praxis, in Modell- und Demonstrationsvorhaben und anderen Maßnahmen umgesetzt wird. Und das mit einem klaren Ziel: Bis Ende des Jahres 2026 soll in Blumenerden kein Torf mehr verwendet werden. Als Alternative können dann zum Beispiel auch Torfmoose – zusammen mit anderen Torfersatzstoffen – eingesetzt werden.

Wir wollen Moorbodenschutz, der wirkt. Deshalb setzen wir auf gesellschaftliche Akzeptanz. Und wir setzen auf Austausch. Wir diskutieren mit Flächeneigentümern, mit Landgesellschaften und allen anderen Betroffenen. Maßnahmen entwickeln wir gemeinsam mit den Kommunen und Verbänden. Gemeinsam für den Moorbodenschutz, gemeinsam für unser Klima.

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