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Mobilität der Zukunft

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„Mit gezielten Investitionen können wir Bus, Bahn und Fahrrad besser vernetzen“, sind unsere Gastautorinnen überzeugt: ÖPNV und Fahrrad müssten gezielt miteinander verzahnt werden.
„Mit gezielten Investitionen können wir Bus, Bahn und Fahrrad besser vernetzen“, sind unsere Gastautorinnen überzeugt: ÖPNV und Fahrrad müssten gezielt miteinander verzahnt werden. © Bernd Weißbrod/dpa

Bequem unterwegs mit Rad, Bahn und Bus. Das ist möglich. Der Gastbeitrag.

Die Zukunft der Mobilität muss nachhaltig sein und ihr Schwerpunkt im Umweltverbund liegen. Dafür spielt die Verknüpfung aus Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr (ÖPNV) eine zentrale Rolle.

Seit einigen Jahren, spätestens jedoch seit Beginn der Coronapandemie, gibt es einen regelrechten Fahrradboom in Deutschland. Und er reißt nicht ab: Im Jahr 2021 wurden so viele Fahrräder verkauft wie nie zuvor, 40 Prozent der Menschen geben laut Fahrradmonitor an, dass sie in Zukunft mehr Rad fahren wollen.

Gleichzeitig erleben wir ein Comeback von Bus und Bahn. Durch das 9-Euro-Ticket haben sich die Menschen auf den Weg gemacht und dabei auch bisher unbekannte Verbindungen entdeckt. Die öffentliche und politische Debatte über den ÖPNV wurde vielleicht noch nie so intensiv, leidenschaftlich und breit geführt.

In diesen Trends liegt eine Chance: Mit gezielten Investitionen können wir Bus, Bahn und Fahrrad besser vernetzen. Wir brauchen ein System, das die Menschen gerne nutzen und das bezahlbar und effizient ist. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, dass Bund, Länder und Kommunen Fahrradwege errichten, Bus- und Bahnverbindungen ausbauen und verdichten sowie ein einfaches, digitales und verbundübergreifendes Ticketsystem schaffen. Es ist nötig, ÖPNV und Fahrrad gezielt miteinander zu verzahnen. Gerade in ihrer Verknüpfung liegt enormes Potenzial.

Bus, Bahn und Fahrrad ergänzen sich ausgezeichnet. Das Fahrrad ist auf kurzen Strecken unschlagbar und erweitert das Einzugsgebiet von Bahnhöfen und Haltestellen um ein Vielfaches. Oft trennen nur wenige Kilometer Menschen, die mit Bus und Bahn unterwegs sind, von ihrem Ziel. Fehlt die Verknüpfung, wird für viele Strecken das Auto gewählt. Deshalb muss die Kombination von Fahrrad, Bus und Bahn aktiv gefördert werden. Eine am Umweltverbund ausgerichtete Netzplanung für das gesamte Verkehrssystem ist notwendig.

Die Niederlande machen vor, wie es geht: Schon heute beginnt dort fast jede zweite Bahnfahrt mit dem Fahrrad. An niederländischen Bahnhöfen gibt es sichere und wettergeschützte Stellplätze. Diese liegen nicht in Schmuddelecken hinter den Bahnhöfen, sondern in schön gestalteten Abstellanlagen und Fahrradparkhäusern in guter Lage. Ihre einfache, zunehmend digitale Bedienung lädt viele Menschen zur Nutzung ein.

Der massenhafte Zuspruch spornt wiederum die niederländische Bahn an, seit Jahren stetig die Kapazitäten zu erweitern und außerdem Stellplätze für Lastenräder oder Dreiräder bereitzustellen. Zudem sind die Bahnhöfe über sichere Radwege und Fahrradstraßen gut erreichbar.

Abstellplätze an Bahnhöfen müssen auch in Deutschland endlich massiv gefördert werden. Deshalb ist es gut, dass mit dem Haushalt 2022 ein Förderprogramm für den Bau von Fahrradhäusern an Bahnhöfen aufgesetzt wurde.

Die Potenziale in Stadt und Land, im Zentrum und im Speckgürtel, bei Wegen zur Arbeit oder in der Freizeit sind groß. In ländlichen Regionen gibt es etwa dreimal so viele E-Bikes wie in den Metropolen. Rund 80 Prozent der Gesamtbevölkerung lebt maximal fünf Kilometer vom nächsten Bahnhof entfernt – eine ideale Fahrrad- oder E-Bike-Distanz.

In vielen Regionen werden bald zahlreiche Radschnellwege bequemes Radfahren ohne Unterbrechungen ermöglichen und in Verbindung mit E-Bikes die Einzugsgebiete von Haltestellen und Bahnhöfen nochmals deutlich erweitern. Zudem können Fahrradverleihangebote auf der ersten und der letzten Meile für die nötige Flexibilität sorgen.

Die Verknüpfung von Rad und öffentlichem Nahverkehr muss bei der Verkehrsplanung von Anfang an mitgedacht werden. Neben sicheren Stellplätzen braucht es ein gebündeltes Angebot für ÖPNV und Fahrrad: Ob Routenplanung, Buchung des Stellplatzes oder des Leihrads – wenn alles über eine digitale Plattform möglich ist, wird der Umstieg zum Kinderspiel.

Zukunftsfähige, klimafreundliche Mobilität mit Fahrrad, Bahn und Bus ist möglich. Gut umgesetzt macht sie Spaß und verringert die Abhängigkeit vom Auto, für das viele zu jung, zu alt oder zu arm sind. Alle Beteiligten müssen jetzt ihren Beitrag leisten.

Ob Länder, Kommunen, die Bahn oder die Verkehrsverbünde – gemeinsam können sie aus der Verknüpfung von Rad und öffentlichem Verkehr einen wichtigen Baustein für die Mobilitätswende machen. Auch im Koalitionsvertrag der Ampel ist ausdrücklich vorgesehen, hier aktiv zu werden. Jetzt muss auf Bundesebene zeitnah eine Strategie vorgelegt werden, wie die Akteure bei der Umsetzung vor Ort unterstützt werden.

Anja Liebert und Swantje Michaelsen sind Grünen-Bundestagsabgeordnete und Sprecherinnen für Mobilitätsstationen und Radverkehr ihrer Fraktion.

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