Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Sind Kinder nun infektiös oder nicht? Wann kann der Regelbetrieb in Kitas und Schulen wieder losgehen?
+
Sind Kinder nun infektiös oder nicht? Wann kann der Regelbetrieb in Kitas und Schulen wieder losgehen?

Bildung

Mit Corona lernen

Stufenpläne und die Hoffnung auf sinkende Infektionszahlen genügen nicht. Wir brauchen Bildung, und zwar sofort. Ein Gastbeitrag von DIW-Mitarbeiter Mathias Huebener.

Sind Kinder nun infektiös oder nicht? Wann kann der Regelbetrieb in Kitas und Schulen wieder losgehen? Diese Fragen scheinen seit Monaten die Überlegungen von Bildungspolitiker:innen in Bund und Ländern zu dominieren. Und die Fragen zeigen: Es herrscht eine Aussitz-Mentalität. Doch diese greift zu kurz, zudem wird erneut kostbare Zeit verspielt.

Statt auf die Infektionszahlen zu starren und zu hoffen, dass sie sinken, sollten einfach zwei Annahmen getroffen und auf deren Basis fortan Pläne geschmiedet werden, mit denen gute Bildung möglich ist. Erstens: Wir sollten davon ausgehen, dass das Virus nicht verschwindet. Zweitens: Wir sollten davon ausgehen, dass Kinder genauso infektiös sind wie Erwachsene. Wenn es doch anders kommt oder anders sein sollte: Umso besser. Wenn nicht, müssen wir schnellstmöglich gewappnet sein.

Die Folgen von Lernausfällen sind real und werfen sehr, sehr lange Schatten, die bildungsökonomischen Studien zufolge auf ganz verschiedene Bereiche des Lebens fallen (etwa den Arbeitsmarkt oder die Gesundheit) und sogar bis in die nächste Generation reichen. Lernausfälle kreieren auch Bildungs- und andere Ungleichheiten, die weitreichende Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben und auch die Wirtschaft haben. Das haben Bildungsökonom:innen bereits früh in der Diskussion um Schul- und Kitaschließungen immer wieder betont und praktikable Lösungsvorschläge gemacht.

Doch wenn man in der aktuellen Situation an Schulen vorbeikommt, sieht man vor allem, dass diese geschlossen sind. Stillstand. Stattdessen sollte dort doch ein reges Treiben zu beobachten sein, und zwar nicht von Schüler:innen und Lehrer:innen, sondern etwa von Bauarbeiter:innen, Techniker:innen und Raumausstatter:innen, die Bildungseinrichtungen in der gesamten Republik endlich für ein Leben mit dem Virus nachrüsten.

Impfungen wurden zur Chef:innensache erklärt, Bildung nicht. Dabei besteht hier ebenfalls dringender Handlungsbedarf. Zumal Impfungen auch mit Blick auf Bildung nicht das ganze Problem lösen werden. Bei einer Überflutung warten wir schließlich auch nicht darauf, dass das Wasser abgeflossen ist, um Notlager aufzubauen und erst dann den betroffenen Menschen zu helfen.

Wo also sind die Task Forces, die die besten Ideen sammeln, um gutes Lernen mit dem Virus unbürokratisch in die Fläche zu bringen?

Mit dem gleichen Kraftakt, mit dem in kurzer Zeit Impfzentren gebaut wurden, könnten auch neue Lernorte geschaffen werden, die das Präsenzlernen unter bestmöglicher Wahrung des Infektionsschutzes ermöglichen. Es könnte systematisch Personal mobilisiert werden, um auch in kleineren Gruppen außerhalb der Kitas und Schulen frühkindliches und schulisches Lernen zu ermöglichen. Die langfristigen ökonomischen und gesellschaftlichen Folgekosten von Lernausfällen sollten sofortige, hohe Investitionen in eine pandemiefeste Bildungsinfrastruktur rechtfertigen.

„Stufenpläne“ der Bildung sehen im Moment vor allem vor, wann in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen vorübergehend zum Status quo zurückgekehrt werden kann, ab wann verstärktes Homeschooling stattfindet oder ab wann Klassen geteilt unterrichtet werden. Pläne für die Kita gehen kaum darüber hinaus, den Zugang zu beschränken. Ein Katastrophen-Stufenplan sollte aber vorsehen, in welchen Etappen die Schul- und Kita-Infrastruktur ausgebaut wird, um langfristig – mit Virus und Infektiosität von Kindern – Lernen zu gestalten.

So könnten im ersten Schritt zusätzliche Räume angemietet werden, in denen kurzfristig mobilisiertes Personal wie Lehramtsanwärter:innen und pensionierte Lehrer:innen unterstützend tätig werden – ein Vorschlag, der bereits im Frühjahr 2020 von unterschiedlichen Seiten gemacht wurde. Im zweiten Schritt wird die feste Infrastruktur etwa durch Container-Bauweise von Schulen und Kitas erweitert – auch dies ein Vorschlag aus dem Frühjahr 2020, und zwar von keiner Geringeren als der Bundesbildungsministerin.

Ideen gibt es sicher viele. Die besten sollten ausgewählt werden, und es sollte endlich der politische Wille bestehen, diese kurzfristig anzugehen und umzusetzen. Wir können nicht weiter abwarten, bis die Zahlen heruntergehen und wir zum Status quo zurückkehren, um dann bei steigenden Infektionszahlen den Betrieb erneut einzuschränken. Und wir können uns nicht dauerhaft auf Distanzlernen verlassen oder akzeptieren, dass Unterrichtszeiten zum Lernen in kleineren Gruppen einfach beschnitten werden. Wir riskieren sonst die Zukunft unserer Kinder, was nicht zuletzt den Generationenvertrag unserer Gesellschaft und unsere Wirtschaft nachhaltig schädigen wird.

Mathias Huebener ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Bildung und Familie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare