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Das Thema Rohstoffrecycling kommt zu kurz.
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Das Thema Rohstoffrecycling kommt zu kurz.

Gastbeitrag

Mehr recyceln

Die öffentliche Hand könnte durch den Ausbau der Kreislaufwirtschaft das Klima besser schützen.

Klimaschutz ist eine globale Kraftanstrengung. So wurden zuletzt im Pariser Klimaabkommen wesentliche Schritte festgelegt. Auch Deutschland reagierte - etwa mit der Energiewende. Sie umfasst die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität. Dabei geht es einerseits um den Umbau der Energieerzeugung hin zu erneuerbaren Energieträgern, andererseits um eine Mobilitätswende im privaten und öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

Zu kurz allerdings kommt das Thema Rohstoffrecycling. Dies liegt daran, dass Kreislaufwirtschaft als Querschnittsthema verschiedene Sektoren betrifft, wohingegen sich die Ausstöße je Kraftwerk konkret angehen lassen. So können nicht nur Elektrogeräte oder Bioabfälle recycelt werden – das Potenzial ist viel umfassender.

Allerdings generiert ein lineares Wirtschaftssystem, in dem Produkte nach ihrer Nutzung entsorgt werden, zu wenig Nachhaltigkeit. Ressourcenverbrauch in Produktion und Verwertung führt zu hohen Mengen an Treibhausgasen, nicht zuletzt durch die klimaschädliche Wirkung des von Deponien emittierten Gases Methan, das jene von Kohlendioxid um das Vielfache übertrifft.

Kreislaufwirtschaft kann früh beim Produktdesign ansetzen. Mit Ökodesignkriterien werden Anreize gesetzt, Produkte so zu gestalten, dass sie möglichst zu 100 Prozent recycelt werden können. Voraussetzung dafür ist der Einsatz von Recyclingrohstoffen, der durch verbindliche Abnahmequoten gewährleistet werden kann. Hier ist China Vorreiter.

Das Land hat den verbindlichen Einsatz von 300 Kilo Stahlschrott je Tonne neu produziertem Stahl festgelegt. Auf europäischer Ebene deuten der Plan der EU-Kommission und die Legislativvorschläge für den Umgang mit Abfällen in diese Richtung.

Herwart Wilms ist Vorsitzender des Ausschusses Rohstoffpolitik beim BDI und Geschäftsführer bei Remondis.

Herwart Wilms ist Vorsitzender des Ausschusses Rohstoffpolitik beim BDI und Geschäftsführer bei Remondis.
Oliver Rottmann ist Geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig.

Im Kern geht es darum, bis 2030 eine Zielvorgabe von 65 Prozent für das Recycling von Siedlungs- und von 75 Prozent von Verpackungsabfällen, eine Beschränkung der Deponierung auf höchstens zehn Prozent der Siedlungs- sowie ein Verbot der Deponierung von getrennt gesammelten Abfällen zu erreichen.

Dies soll gezielt durch Förderung wirtschaftlicher Instrumente zur Abkehr von Abfalldeponierung erwirkt werden. Auch laut Weltklimarat ist ein weltweites Deponieverbot ein wesentliches Klimakriterium. Demnach müssen Methanemissionen engedämmt werden, um Erderwärmung zu bekämpfen. Dafür müsste die Methanmenge in der Atmosphäre zwischen 2010 und 2050 um 35 Prozent sinken, um das Klimaziel zu erreichen.

Ein Hebel für eine nachhaltigere Kreislaufwirtschaft ist die öffentliche Hand, deren Beschaffung und Leistung auf kommunaler Ebene nicht nur Vorbildfunktion, sondern mit 300 Milliarden Euro auch erheblichen Einfluss auf die Produktion aufweist. Jedoch geht bei der öffentlichen Beschaffung die Bemühung zumeist nicht über recyceltes Papier oder LED-Lampen hinaus.

So fehlt ein Ökodesignlabel, das „Recyclability“ plakativ und für den Einkäufer nachvollziehbar macht. Das bestehende Energieeffizienzlabel ist daher zu erweitern, um mehr Informationen über die Rohstoffeffizienz eines Produktes zu illustrieren. Dem Kaufverhalten der öffentlichen Hand wird somit eine ökologische DNA gegeben. Ziel muss sein, einen Anreiz zu setzen, „grün“ einzukaufen.

Aber auch als Entsorgungsträger hat die öffentliche Hand Spielraum: Sie stellt den Rahmen, wie Sammlung und Verwertung haushaltsnaher Abfälle vollzogen wird. Noch immer landen große Mengen wiederverwertbarer Rohstoffe im Restabfall – allein 40 Prozent sind hierzulande organischer Natur und könnten entsprechend entsorgt werden. Ähnliches gilt für Glas, Papier und Kunststoffe.

Diese Stoffe sind oft für den Wirtschaftskreislauf verloren. Die Höhe der Abfallgebühren, die Größe der Entsorgungsbehälter oder der Leerungsrhythmus determinieren hier das Verhalten der Verbraucher:innen, ob getrennt gesammelt wird und wie nachhaltig der Ressourcenkreislauf ist. Auch ließen sich Bioabfälle zu Biomethan aufbereiten, um Fahrzeuge in bestimmten Flotten mit Biogas anzutreiben.

Die Bürgerinnen und Bürger müssen den für sie notwendigen Komfort einfach und vor der Haustür erhalten. Dazu gehören Leerungszeiten und Hygienestandards. Es braucht aber auch mehr Sensibilisierung, wie Abfälle nachhaltig zu trennen sind. Auch hier kann die öffentliche Hand einiges tun. Als Vorbild und Wegbereiter für eine klimaschonende Kreislaufwirtschaft.

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