1. Startseite
  2. Meinung
  3. Gastbeiträge

Lieber Protest,

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Demo für Menschenrechte am Rande der Klimakonferenz in Ägypten. Normalerweise sind Proteste hier komplett verboten.
Demo für Menschenrechte am Rande der Klimakonferenz in Ägypten. Normalerweise sind Proteste hier komplett verboten. © Gehad Hamdy/dpa

ich bin gerade in Ägypten und vermisse dich.

Während ich Dir schreibe, sitze ich im deutschen Pavillon auf der UN-Weltklimakonferenz und nur fünf Meter entfernt von mir steht Sanaa Seif. Sanaa ist die Schwester von einem der bekanntesten politischen Gefangenen hier in Ägypten, Alaa Abd el-Fattah.

Auf die Frage, wie es um den Klimaschutz in Ägypten steht antwortet Sanaa, dass sie es einfach nicht weiß. Es gibt keinen Raum, das herauszufinden, es gibt keinen Raum, sich zu vernetzen und das zu besprechen. Wenn die wenigen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die es gibt, beispielsweise eine Stadt bei einem Kohlekraftwerk besuchen, werden die Leute, die besucht werden, verhaftet.

Alleine für das Teilen bestimmter Instagram-Posts werden Menschen verfolgt, geschweige denn fürs Demonstrieren. Dass etwas, was für meine Mitaktivist:innen und mich in Deutschland selbstverständlich ist, für andere ein wortwörtliches Todesurteil bedeuten kann, lässt sich kaum fassen.

Die UN-Klimakonferenzen werden von der Zivilgesellschaft getragen, die sich beteiligt und protestiert, wie etwa 2019 in Madrid mit über 500 000 Menschen. Durch diesen Druck über das ganze Jahr aber auch bei den COPs selber sind Fortschritte wie das Pariser Abkommen überhaupt erst möglich geworden.

Dieses Jahr dürfen wir auf dem UN-Territorium an fünf Orten protestieren. Dabei dürfen wir kein Land, keine Firma und keine Person nennen. Außerhalb dieses Geländes ist die Situation noch viel schlimmer.

Normalerweise sind Proteste komplett verboten. Für internationale Besucher:innen der COP gibt es jedoch einen abgetrennten, für den Protest designierten Bereich mitten in der Wüste. Niemand hat ihn bisher genutzt, aus Angst vor Repressionen. Demonstrationen werden hier extrem kriminalisiert, jegliches Kritisieren des ägyptischen Regimes verboten. Dennoch gibt es Einzelne, die sich dem widersetzen, wie beispielsweise Alaa, der im Gefängnis inzwischen nach wochenlangem Hungerstreik diesen Dienstag in den Durststreik getreten ist. Niemand weiß, ob er noch lebt.

Die Klimakrise eskaliert und dabei werden Konflikte in allen Bereichen eskalieren. Dabei ist es einfach, Klimaschützer:innen zu beschuldigen, weil sie die Konflikte ansprechen oder weil ihr Protest nicht angenehm ist. Diese Konferenz macht klar, wie essenziell ihr Protest ist und wie wichtig Raum für die Zivilgesellschaft ist. Das sollten wir auch in Deutschland nicht vergessen.

Annika

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Auch interessant

Kommentare