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Lieber Herr Martin Brudermüller,

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Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns BASF, sbei der Bilanzpressekonferenz des Chemiekonzerns am 25. Februar 2022.
Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender von BASF, bei der Bilanzpressekonferenz des Chemiekonzerns am 25. Februar 2022. © Uwe Anspach/dpa

Sie sind CEO der BASF, des größten Chemiekonzerns weltweit, mit dem sie jedes Jahr Rekordsummen umsetzen. Ihr Erfolgsgeheimnis? Billiges Gas aus Russland! Und das kommt nicht von ungefähr.

Ihr Konzern hat in den letzten Jahrzehnten die Partnerschaft mit dem russischen Staatskonzern Gazprom trotz vieler Warnungen immer weiter aktiv ausgebaut, Technik nach Russland geliefert und dafür Verträge über billiges Erdgas abgeschlossen. Dass Ihr Partner Russland jetzt einen Angriffskrieg in der Ukraine führt, dass in Europa als Konsequenz über ein Embargo von Gas diskutiert wird – eher unpraktisch für Ihr Milliardengeschäft.

Seit ein paar Wochen beobachtet man jetzt etwas Erstaunliches. Immer mehr von Ihren Freunden aus der Industrie sprechen sich öffentlich gegen ein Gasembargo – also ein Importverbot – aus und warnen vor verheerenden Schäden. Es ist von einem „totalen Kollaps der deutschen Industrie“, Massenarbeitslosigkeit oder einer instabilen Versorgung mit Nahrungsmitteln und medizinischen Produkten die Rede. Sie selber prophezeien gar die Zerstörung der „gesamten Volkswirtschaft“.

Führende Wirtschaftswissenschaftler:innen, die die Folgen eines Gasembargos tatsächlich modelliert haben, widersprechen dieser Einschätzung. Die Zahlen, die Sie und Ihre Freunde zitieren, sind „Zahlen, die sich teilweise ausgedacht werden bzw. die aus dem Bauchgefühl herauskommen“, so Alexander Kriwoluzky vom DIW. Reine Panikmache.

Die BASF hat sich und somit das ganze Land über Jahrzehnte in eine gefährliche Abhängigkeit manövriert, weitere Verträge geschlossen und Pipelines gebaut – entgegen allen Zeichen der Zeit. Jetzt machen Sie mit falschen Fakten Stimmung gegen eine Politik, die diese Abhängigkeit beenden soll.

Als CEO eines der größten Dax-Konzerne wird Ihnen viel Vertrauen entgegengebracht, das Sie mit Ihren haltlosen und irreführenden Behauptungen aktuell massiv missbrauchen.

Sie machen klar: Ihnen und der BASF geht es nicht um das Gemeinwohl, sondern um Ihre eigenen zerstörerischen Profite – auf Kosten der Menschen in der Ukraine und des Klimas.

Höchste Zeit, dass politische Entscheidungen nicht länger an den Wünschen von ein paar Industriebossen festgemacht werden. Und höchste Zeit, die fossilen Geschäfte Ihres Konzerns zu beenden.

Ihre Pauline Brünger

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung.

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