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Liebe 1,4 Millionen Menschen,

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Von: Jakob Blasel

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„Die Verhandlungen haben gezeigt, dass zwei Regierungsparteien überhaupt kein Interesse am Klimaschutz haben und die dritte so tut, als wäre das Scheitern der Ampel in der zentralen Frage ein Erfolg.“
„Die Verhandlungen haben gezeigt, dass zwei Regierungsparteien überhaupt kein Interesse am Klimaschutz haben und die dritte so tut, als wäre das Scheitern der Ampel in der zentralen Frage ein Erfolg.“ © Michael Kappeler/dpa

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung. Der Klimabrief.

die Ihr schon mit Fridays for Future auf die Straße gegangen seid. Ich schreibe heute an Euch alle, die mindestens einmal an einem Klimastreik teilgenommen haben und Teil der Klimabewegung geworden sind. Wir alleine hätten nie so viel erreichen können, wenn nicht Menschen an so vielen Orten an einem Strang gezogen hätten. Die Erfolge sind zahlreich: ein schnellerer Kohleausstieg, schärfere Klimaschutzziele in Deutschland und Europa, ein Boom beim Solarausbau, eine CO2-Bepreisung, der europäische Ausstieg aus fossilen Autos …

Dennoch ist die Realität ernüchternd: Beim Volksentscheid in Berlin konnten nicht genug Menschen überzeugt werden, für ausreichenden Klimaschutz zu stimmen. Und bei den Klimaverhandlungen der Ampelregierung in dieser Woche sind Maßnahmen herausgekommen, die die Zukunft unserer Generation mit Füßen treten.

Autobahnen werden weiter ausgebaut, aber fürs Gewissen schmückt man sie künftig mit ein paar Solarzellen. Statt die Verkehrspolitik zu modernisieren, wird das Versagen von Minister Volker Wissing dadurch belohnt, dass die Klimaziele aufgeweicht werden.

Die Verhandlungen haben gezeigt, dass zwei Regierungsparteien überhaupt kein Interesse am Klimaschutz haben und die dritte so tut, als wäre das Scheitern der Ampel in der zentralen Frage ein Erfolg. Wir müssen uns ehrlich machen. Unser Protest hat viel bewirkt – dass das anhält, ist aber keine Selbstverständlichkeit. Wenn wir auch bei FDP und SPD das Interesse am Klimaschutz wecken wollen, reicht es nicht, ihre Untätigkeit an den Pranger zu stellen. Wir müssen klarstellen, dass mit der Klimakrise das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel steht und auch diejenigen überzeugen, die Klimaschutz bislang als Bedrohung für ihre Freiheit und ihr Portemonnaie sehen.

Es liegt an uns, die Zukunft mit Zuversicht und Entschlossenheit zu gestalten: Schließen wir uns lokalen Klimagruppen an, binden neue Leute ein und ruhen uns nicht auf einem „es geht doch in die richtige Richtung“ aus. Es liegt an uns, das kleine Zeitfenster zu nutzen, in dem wir noch etwas verändern können.

Die Argumente haben wir auf unserer Seite. Nun geht es darum, die Ängstlichen und Kurzsichtigen im Land zu überzeugen. Aber wenn 1,4 Millionen zusammenhalten, wird auch das gelingen.

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