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Liebe Klimakonferenz,

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Von: Helena Marschall

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Dass sich Politiker:innen zwei Wochen auf einen Klimagipfel stellen, „beschließen“ die Klimakrise zu beenden und wir uns dann alle wieder ausruhen können, offenbart sich als märchenhaft. So einfach ist es leider nicht.
Dass sich Politiker:innen zwei Wochen auf einen Klimagipfel stellen, „beschließen“ die Klimakrise zu beenden und wir uns dann alle wieder ausruhen können, offenbart sich als märchenhaft. So einfach ist es leider nicht. © Christophe Gateau/dpa

zum siebenundzwanzigsten Mal bist du letzte Woche zum Abschluss gekommen – diesmal im ägyptischen Scharm El-Scheich. Für mich und viele andere Aktivist:innen, die vor Ort waren, ist das Ergebnis frustrierend.

Während endlich angefangen wurde, die Folgen der Klimakrise zu adressieren, wurde ihre Ursache, das Verbrennen fossiler Energien (Kohle, Öl, Gas), außer Acht gelassen.

Genauer hinschauend ist es allerdings komplexer als diese einfache Binarität: Da sind einerseits 636 akkreditierte Lobbyist:innen, die versucht haben, schmutzige Deals zu schließen und Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen. Da ist die EU, die sich zwar am Ende für einen Beschluss zum Herunterfahren aller fossilen Energien ausgesprochen, sich aber nicht besonders stark dafür gemacht hat und nebenbei Verträge zu neuen Gas-Projekten schloss. Die Klimakonferenz war dieses Jahr der Schauplatz eines Abwehrkampfs der Zivilgesellschaft gegen fossile Kräfte.

Und dann muss natürlich die Klimakonferenz selber – das Format, an das so viele Erwartungen und Hoffnung geknüpft sind – eingeordnet werden. Durch das Konsensprinzip, bei dem auch Saudi-Arabien und Russland dem Ergebnis zustimmen müssen, bleibt am Ende oft nur ein Minimal-Beschluss übrig. Dass sich Politiker:innen zwei Wochen auf einen Klimagipfel stellen, „beschließen“ die Klimakrise zu beenden und wir uns dann alle wieder ausruhen können, offenbart sich als märchenhaft. So einfach ist es leider nicht.

Das ist also die (erst mal) unauflösbare Dissonanz der Lage, in der wir uns befinden. Einerseits dürfen wir Politiker:innen nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, müssen weiterhin hohe Erwartungen an den Weltklimagipfel tragen. Andererseits müssen wir anerkennen, dass dieser Gipfel nur ein Werkzeug von vielen gegen die Klimakrise sein kann. Letztendlich benötigt der grundlegende Wandel unserer Wirtschaft und Politik harte Arbeit auf allen Ebenen. Der überproportionale mediale und gesellschaftliche Fokus auf die Einzelheiten der Klimakonferenz droht dies zu verdecken.

Es braucht unseren Druck – nicht nur zwei Wochen, sondern das ganze Jahr lang – überall. Veränderung kommt nur dadurch, dass wir jeden Tag für sie streiten, also lass uns streiten.

Viele Grüße,

Helena Marschall

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

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