Vertrocknete Weide: Die letzten drei Dürresommer in Folge haben vielen Höfen stark zugesetzt. 
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Vertrocknete Weide: Die letzten drei Dürresommer in Folge haben vielen Höfen stark zugesetzt. 

Fridays for future

Liebe Frau Ursula von-der-Leyen,

  • vonTilman von Samson
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Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Kennen sie den Spruch „Stell dir vor, es gibt Krieg und niemand geht hin“? So ähnlich ist es gerade mit der Reform der Agrarpolitik, nur, dass die Pointe eine andere ist. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU, kurz, GAP, ist gerade dabei, die Gesellschaft zu spalten, und niemanden interessiert es. Die Medien berichten lieber über Veggie-Burger, oder den Geltungsdrang von Friedrich Merz, während Sie in Brüssel eine der folgenschwersten Entscheidungen des nächsten Jahrzehnts treffen werden, und kaum jemand weiß darüber Bescheid.

Dabei geht es um 400 Milliarden Euro Steuergeld. Es geht um die europäische Landwirtschaft, die seit 15 Jahren gerade mal ein Prozent ihrer Emissionen eingespart hat. Es geht darum, wie der am stärksten subventionierte Bereich der EU womöglich das 1,5-Grad-Ziel kippen könnte – und: Es geht um das Wohlergehen der Landwirt*innen in Europa. Ihnen ging es niemals so schlecht wie heute. Über ein Viertel der Betriebe sind seit 2005 verschwunden und die letzten drei Dürresommer in Folge haben vielen Höfen stark zugesetzt. Ihre Zukunft steht auf dem Spiel. Ich möchte Sie fragen, wer profitiert von dieser Politik, die weder Landwirt*innen schützt, noch Antworten auf die Klimakrise liefert?

Fridays for Future

Nach den Vorstellungen des Parlamentes und des Rates soll das alte Prinzip „Je mehr Hektar, desto mehr Geld“ stumpf weitergehen. Doch so werden die Folgen wieder mal auf diejenigen verlagert, die schon jetzt unter der Klimakrise leiden, und das Höfesterben wird nicht aufgehalten, da helfen ein paar Prozentpunkte mehr für Umweltschutz auch nicht weiter.

Weil Ihre GAP keine Antworten findet, spaltet sie die Lager. Die Wirtschaftlichkeit der Lebensmittelproduktion wird gegen das gesellschaftliche Bedürfnis nach einer klimagerechten Landwirtschaft ausgespielt. Ein Gegensatz, der keiner sein sollte.

Wir brauchen eine neue Vision einer Gemeinsamen Agrarpolitik, die ihrem Namen und der heutigen Zeit gerecht wird. Gemeinsam, das heißt, dass Sie Landwirtschaft, Umwelt und Gesellschaft zusammendenken müssen. Die Wissenschaft zeigt, dass das möglich ist, doch es braucht Ihren politischen Willen, dass es auch Wirklichkeit wird.

Agrarpolitik geht uns alle etwas an, denn sie verhandelt über unsere Lebensgrundlage. Im Moment steuert sie mit Vollgas darauf zu, diese zu zerstören. Wenn Ihr Green Deal nicht zu einer Karikatur verkommen und an der ersten Bewährungsprobe zerbrechen soll, gibt es nur eine Option: Sie müssen einen Neustart für eine Gemeinsame Agrarpolitik einleiten, indem Sie den Vorschlag der Kommission zurückziehen.

Stehen sie zu ihrem Wort.

Ihr Tilman von Samson

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

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