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Die Klimakrise ist die Realität!

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Diese Realität lässt sich verändern.
Diese Realität lässt sich verändern. © Michael Kappeler/dpa

Stehen Klimaaktivistinnen und -aktivisten jenseits der Realität? Nein, vielmehr sollte sich die Politik der Realität der Klimakrise nicht länger verschließen, schreibt Jordis Thümmler von Fridays for Future im Klimabrief.

Liebe Realität, uns Klimaaktivist*innen wird oft gesagt, dass wir doch endlich bei dir ankommen sollten. Dass wir doch bitte verstehen sollen, dass man dich nicht ändern könne, du würdest auch einem Finanzminister oder einem Bundeskanzler die Hände binden – das sei nun einmal so.

Aber was ist „nun einmal so“? Ist es nicht die Abhängigkeit der Gesellschaft von Kohle, Öl und Gas, die uns täglich vor riesige Probleme stellt? Ist es nicht so, dass sich viele Menschen deshalb Sorgen um die Höhe ihrer Heizkostenabrechnung machen müssen? Dass die Klimakrise mit jedem Tag und jeder Tonne CO2 drastischer wird und Menschen ihre Existenzgrundlage nimmt?

Wir leben in einer Realität, in der es als Krisenlösung betrachtet wird, neue fossile Abhängigkeiten zu schaffen und so die globalen Katastrophen zu befeuern. In einer Realität, in der die Weltklimakonferenz (COP 27) keine Beachtung findet, obwohl sie das wichtigste Treffen wäre, um Lösungswege für die Klimakrise zu planen. Als ob das nur ein weiteres sinnbefreites Treffen wäre – und es auch keinen anderen Anspruch daran geben müsse. Während Pakistan und Nigeria unter Wasser stehen, debattiert man lieber über die Radikalität von Protestformen als über die tödliche Radikalität von Klimakatastrophen.

Liebe Realität, du bist nicht alternativlos! Wir wollen dich verändern. Die Lösungen für die Krisen sind nicht einfach. Aber Ansätze liegen auf der Hand und wurden schon so oft ausbuchstabiert. Wer sich mit dir, liebe Realität, befasst, muss feststellen, dass neue feste LNG-Terminals und eine grün angemalte Kohleverstromung langfristig kein Teil von dir sein können.

Um echte Sicherheit und Freiheit zu schaffen, braucht es eine beispiellose Beschleunigung beim Ausbau der erneuerbaren Energien und des kostengünstigen ÖPNV. Wäre es nicht eine schönere Realität, wenn alle Menschen bezahlbaren sauberen Strom zur Verfügung hätten und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs freier von Sorgen sein könnten?

Aber das passiert nicht von selbst, Menschen müssen die Realität verändern. Deshalb sind auch die Menschen gefragt, laut zu werden, zu kämpfen und dich zu verändern – eine bessere Realität für uns alle zu schaffen.

Deine Jordis Thümmler

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der „Fridays-for-Future“-Bewegung.

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