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Klimaklage gegen VW

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Demonstranten von Greenpeace stehen 2021 mit einem Poster „VW - Von Wegen Klimaschutz!“ vor einer Halle in München.
Demonstranten von Greenpeace stehen 2021 mit einem Poster „VW - Von Wegen Klimaschutz!“ vor einer Halle in München. © Jan Petermann/dpa

Clara Mayer und Greenpeace wollen den Konzern auf gerichtlichem Weg zu mehr Umweltschutz verpflichten. Der Gastbeitrag.

Volkswagen-way to zero“. So bewirbt der zweitgrößte Autokonzern der Welt neuerdings seine Autos. Und unternimmt VW nicht auch viel? Vergangenen Herbst auf der IAA reihte der Konzern ein Elektroauto an das andere. „Endlich können wir die Kinder zur Klimademo fahren“, heißt es auf einem Plakat. Selbst VW-Chef Herbert Diess sagt, die Klimakrise sei „die größte Herausforderung unserer Zeit“.

Vor drei Jahren sprach ich auf der Hauptversammlung von VW. Seither hat sich viel getan. Bei Volkswagen sprechen sie jetzt gern über Nachhaltigkeit, wollen sich als vorbildliches Unternehmen zeigen.

Neulich ließ sich der Konzern bestätigen: Der VW-Kurs passt zum Pariser Klimaziel von 1,5 Grad. Doch dieses Zertifikat bezieht sich auf nicht einmal zwei Prozent der Emissionen des Konzerns. Dass der Löwenanteil der CO2-Emissionen bei der Produktion der Teile und der Nutzung der etwa neun Millionen Autos entsteht, die VW pro Jahr produziert, spielt für dieses Zertifikat keine Rolle.

Für einen Konzern, der im vergangenen Jahr gut 15 Milliarden Gewinn gemacht hat, Zehntausende Ingenieur:innen beschäftigt und alleine mit seiner Pkw-Sparte ein Prozent der globalen CO2-Emissionen verursacht, hinkt VW seiner Verantwortung weit hinterher. Als ich geboren wurde entwickelte VW ein Drei-Liter-Auto. Inzwischen kündigt der Konzern an, bis 2025 jedes zweite Auto als SUV ausliefern zu wollen. Sowas nenne ich Rückschritt durch Technik.

Aber verkauft VW nicht einfach die Autos, die Konsument:innen wollen? Mit dieser Argumentation versteckt sich der zweitgrößte Autobauer gerne hinter seinen Kund:innen, schiebt so seine Verantwortung auf uns alle. Bis wir kostengünstigen, gut vernetzten ÖPNV haben, sind viele Menschen aber auf ein Auto angewiesen. Aber die gebrechliche Oma, die mit dem Auto zum Supermarkt fährt ist genauso wenig Schuld an der Klimakrise wie der Papa der seine Kinder mit dem Auto in die Schule bringt, weil kein Schulbus fährt.

Schuld sind Konzerne wie VW, die anders könnten aber nicht wollen. Fakt ist: Volkswagen privatisiert Gewinne und kommunalisiert Kosten. Denn das Abfallprodukt der guten Aktienkurse ist die Klimakrise und die schultern wir alle, auch finanziell. Nicht nur ist es möglich und nötig, dass Volkswagen sich bis spätestens 2030 weltweit vom Verbrenner verabschiedet, es ist auch essenziell für das Überleben des Konzerns.

Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 klar geurteilt: Es gibt ein Recht auf Klimaschutz, auf Zukunft. VW ist eins der Unternehmen, die dieses Recht missachten. Deshalb klage ich zusammen mit Greenpeace gegen diesen Konzern, der so maßgeblich mitverantwortlich ist für die Klimakrise.

Die Klage zeigt, auch die vermeintlich unantastbare Autoindustrie kann zur Verantwortung für die Klimakrise gezogen werden. Sie ist eine deutliche Warnung. Wenn Klimaschutz ein Grundrecht ist, dann gilt das auch für Konzerne. Vor allem solche wie VW, deren Geschäftsmodell auf dem Verkauf klimaschädlicher Produkte beruht.

Immer mehr Länder legen Zulassungsstopps für Verbrenner fest, Städte sperren Diesel und Benziner aus. Ein Autohersteller, der weiter am Verbrenner festhält, geht ein hohes Risiko ein. Das sollte alle interessieren, die VW-Aktien halten. Ein Konzern, der ignoriert, dass seine Autos in immer mehr Märkten unverkäuflich werden, fährt sich selbst gegen die Wand.

Dann sind es wieder wir, die als Steuerzahler:innen den Konzern, der doch so viele Arbeitsplätze schafft mit einem milliardenschweren Rettungsschirm retten müssen. Wegen „der Arbeitsplätze natürlich“. Denn das sei ja „alles nicht abzusehen gewesen“.

Zu Klagen war für mich nicht leicht. Als ich 2019 auf der VW Hauptversammlung sprach, dachte ich wirklich, das VW-Management wüsste nicht, was es tut, dass wir einfach in einen Dialog treten müssten, um etwas zu verändern. Heute weiß ich: Mit Klimaschutz lässt sich wenig Profit machen.

Noch ist das einzige was Konzerne wie Volkswagen zum umlenken bringt Gesetze und Gerichte. Auf ersteres habe ich lange gehofft, letzteres nun selbst angerufen. Eigentlich würde ich mich viel lieber darauf konzentrieren, eine gute Ärztin zu werden. Menschen zu helfen. Klagen ist nicht schön, aber wenn eine Regierung nicht handelt, um ihre eigenen Beschlüsse umzusetzen, müssen es andere tun.

Letztendlich ist diese Klage nur ein Puzzlestück, wenn auch ein wichtiges, einer gelungenen Mobilitätswende. Mobilität in Deutschland wird zu einem großen Teil von privaten Firmen gestaltet. Wir brauchen öffentliche, kostengünstige und nachhaltige Mobilität, die unser Leben tatsächlich besser macht. Denn es nützt uns wenig, wenn wir demnächst alle mit E-Autos in der Stadt im Stau stehen.

Clara Mayer ist Klimaaktivistin, unter anderem aktiv bei Fridays for Future. Sie studiert Medizin an der Charité Berlin.

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