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Natürlich schwanken die Aktienrenditen je nach betrachtetem Zeitraum. Man muss aber sehen, auf welchem Niveau sie schwanken.
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Natürlich schwanken die Aktienrenditen je nach betrachtetem Zeitraum. Man muss aber sehen, auf welchem Niveau sie schwanken.

Gastbeitrag

Franz-Josef Leven: Kapitalmarkt ist mehr als Riester-Rente

Eine kostengünstige Altersversorgung durch ein Ansparverfahren mit Aktien ist möglich. Sie sollte das gesetzliche Umlageverfahren ergänzen. Ein Gastbeitrag von Franz-Josef Leven (Deutsches Aktieninstitut).

Die Diskussion über die Zukunft der Altersvorsorge treibt immer neue Blüten. Der Streit geht vornehmlich um die Eignung der grundlegenden Altersvorsorge-Systeme: Umlageverfahren versus Kapitaldeckung. Leider erweisen sich gerade gesellschaftlich „progressive“ Teilnehmer an dieser Diskussion oftmals als strukturkonservativ und blockieren damit jede sinnvolle und notwendige Entwicklung.

Das Umlageverfahren, auf dem die gesetzliche Altersvorsorge beruht, wurde vor vielen Jahrzehnten aus gutem Grund eingeführt und hat sich auch bewährt. Allerdings wird es absehbar an Leistungsfähigkeit verlieren, weil eine wesentliche Voraussetzung erodiert: eine angemessene Relation von Leistungsempfängern und Beitragszahlern. Die Lösung dieses Problems, die Ergänzung des Umlageverfahrens durch ein Ansparverfahren mit Aktien, wird jedoch energisch bekämpft. Dabei kommen leider mehr Nebelkerzen als echte Argumente zum Einsatz.

Oft ist zu lesen, dass der Kapitalmarkt für die Altersvorsorge nicht geeignet sei, wie die Riester-Rente zeige. Das ist aber eine völlig unzulässige Verkürzung. Kapitalmarkt ist viel mehr als Riester. Die Riester-Rente ist vielmehr ein Paradebeispiel dafür, wie man durch zu viel Garantie- und Sicherheitsdenken, zu viel Bürokratie und zu viel Formalismus auch gute Ideen schlecht umsetzen kann. Dass nur ein Teil der Bevölkerung Riester nutzt, dass viele Riester-Verträge nicht rentabel sind und dass durch Riester-Renten nur ein Teil der sinkenden Leistungsfähigkeit des Umlageverfahrens kompensiert werden kann, spricht nicht gegen die Nutzung des Kapitalmarkts. Es spricht nur dafür, es intelligenter zu machen als bei der Riester-Rente.

Intelligenter bedeutet: rentabel. In einem Niedrigzinsumfeld darf die kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht ausschließlich oder überwiegend auf Zinstiteln aufgebaut werden. Eine positive Rendite ist – entgegen gern verbreiteter Mythen – sehr wohl und auch sicher möglich, nämlich durch eine breit gestreute Aktienanlage. Trotz aller mantraartig aufgezählten Krisen der letzten Jahrzehnte hat eine monatliche Einzahlung in ein DAX-Portfolio von Ende 2000 bis Ende 2020 eine durchschnittliche Rendite von sieben Prozent im Jahr erzielt.

Natürlich schwanken die Aktienrenditen je nach betrachtetem Zeitraum. Man muss aber sehen, auf welchem Niveau sie schwanken: die schlechtesten 25-Jahres-Zeiträume für den DAX – von 1986 bis 2011 oder von 1993 bis 2018 – erbrachten durchschnittliche jährliche Renditen von 5,6 Prozent. Der schlechteste (!) 30-Jahres-Zeitraum – von 1988 bis 2018 – erbrachte eine durchschnittliche jährliche Rendite von 6,3 Prozent. Das oft beschworene Risiko „volatiler und renditeschwacher Finanzmärkte“ ist bei nüchterner Betrachtung Illusion, nicht Realität.

Intelligenter bedeutet auch: einfach. Riester ist zu kompliziert und abschreckend. Wir brauchen die automatische Beteiligung möglichst vieler Menschen an einer einfachen, transparenten und kostengünstigen Altersvorsorge. Andere Länder machen es uns schon lange und mit Erfolg vor: Mit Opt-out-Regelungen, Standardprodukten und langfristigen Auszahlplänen ermöglichen sie ihrer Bevölkerung ein auskömmliches Einkommen im Alter.

Intelligenter bedeutet schließlich: ehrlich. Wer die Zahl der Beitragszahlenden durch Ausweitung der Beitragspflicht heute erhöhen will, verschleiert, dass diese auch eigene Ansprüche für morgen erwerben. Das Demografieproblem des Umlageverfahrens löst dies jedenfalls nur kurzfristig. Und wer von „maßvoll steigenden Versicherungsbeiträgen“ in der Zukunft spricht, die man wohl in Kauf nehmen müsse, verschweigt, dass die gesetzliche Rentenversicherung bereits jetzt einen steuerfinanzierten Bundeszuschuss von über 100 Milliarden Euro benötigt – Jahr für Jahr. Es ist mit massiv, nicht mit maßvoll zu steigenden Versicherungsbeiträgen zu rechnen, wenn weiterhin ausschließlich auf das Umlageverfahren gesetzt und auf Rendite verzichtet wird.

Es ist Zeit, endlich von einer Illusion Abschied zu nehmen, nämlich von der Illusion, dass unsere Altersvorsorge allein vom gesetzlichen Umlageverfahren langfristig getragen werden kann. Es wäre falsch, sie komplett abzuschaffen. Das kann kein vernünftiger Mensch wollen. Es wäre aber ebenso falsch, sie nicht so schnell wie möglich durch ein Ansparverfahren zu ergänzen, das langfristig breit gestreut zur Investition in Produktivkapital führt und die Menschen in unserem Land so an den attraktiven und langfristig sicheren Renditen der Aktie partizipieren lässt.

Dr. Franz-Josef Leven ist stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts.

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