Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Kind liegt auf einer Station eines Mangelernährungszentrums.
+
Ein Kind liegt auf einer Station eines Mangelernährungszentrums im Jemen.

Gastbeitrag

Hunger müssen wir beherzt bekämpfen

Globale Akteure sollten gerade in der Corona-Krise die Kräfte bündeln, um Kinder weltweit gesund zu ernähren.

Im Januar starten wir mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Viele davon kreisen ums Essen: Wir wollen uns ausgewogener, gesünder ernähren. Auch die Fachleute diskutieren gerade jetzt über dieses Thema, etwa auf der „Grünen Woche“. Während wir bei unseren Neujahrsvorsätzen aus dem Vollen schöpfen können, droht Covid-19 in anderen Regionen vieles zu zerstören, was wir in 20 Jahren beim Thema Ernährung erreicht haben. Am härtesten betroffen sind Kinder. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden Millionen Mädchen und Jungen in Asien und Afrika ihr Leben lang dafür bezahlen. Oder schlimmer noch: mit ihrem Leben bezahlen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wir Wichtiges erreicht. Der Anteil der Kinder unter fünf Jahren, die weltweit von Mangel- und Fehlernährung betroffen sind, sank von 30 auf 20 Prozent. Aber immer noch stirbt alle zwölf Sekunden ein Kind durch mangelnde Ernährung. Das sind 2,5 Millionen Kinder pro Jahr – und die Corona-Pandemie verschlimmert die Situation.

Zu den bisherigen Ursachen wie soziale Ungleichheit, Kriege und Klimawandel kommen nun die indirekten Folgen der Corona-Krise. Durch Schulschließungen fällt das Schulessen weg, die Eltern verlieren ihr Einkommen, zugleich explodieren die Nahrungspreise. Wie ein aktueller Bericht von Save the Children zeigt, könnten durch die indirekten Folgen von Corona bis Ende 2022 weitere 170 000 Kinder sterben und über neun Millionen Kindern drohen durch Nährstoffmangel Gesundheitsschäden.

Fast jedes zweite Kind weltweit, das seinen fünften Geburtstag nicht erlebt, stirbt infolge von Mangelernährung. Andere Kinder leiden oft ein Leben lang, denn Nährstoffmangel kann zu schweren Erkrankungen und Entwicklungsstörungen führen: Verlust des Augenlichts durch fehlendes Vitamin A, verlangsamte geistige Entwicklung durch zu wenig Proteine oder Wachstumsstörungen. Erwachsene, die als Kinder von Mangelernährung betroffen waren, haben häufig Lernschwierigkeiten und verdienen in ihrem Beruf im Durchschnitt 20 Prozent weniger.

Kinder aus benachteiligten Kontexten sind besonders gefährdet. Wenn dann noch die Folgen von Klimawandel und Kriegen hinzukommen und die Corona-Krise als weiterer Brandbeschleuniger wirkt, bestehen Kinderrechte nur noch auf dem Papier. Beispiel Somalia: Bewaffnete Konflikte haben das Land zerrüttet. Der Klimawandel verursacht Dürren und Überschwemmungen, Heuschreckenschwärme und Ernteausfälle. Nun belastet die Corona-Krise das ohnehin schwache Gesundheits- und Sozialsystem zusätzlich.

Oder der Jemen: Auch hier leiden Mädchen und Jungen massiv – bedingt durch einen zehrenden Krieg und verstärkt durch Corona. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sind im Jemen über sieben Millionen Kinder durch Mangelernährung bedroht. Ich war in Somalia und ich war im Jemen. Ich habe das Leid der Kinder, habe die Gesichter des Hungers gesehen. Als Kinderrechtsorganisation mobilisieren wir all unsere Kräfte, um zu helfen. Aber es ist ein konzertiertes und kraftvolles Handeln aller globalen Akteure nötig.

Dabei genügt es nicht, den akuten Hunger zu bekämpfen. Wir müssen auch dafür sorgen, dass sich die Menschen auf Dauer ausreichend und ausgewogen ernähren können. Jede kurzfristige Nothilfe muss mit einer langfristigen Perspektive verzahnt werden.

Es gibt wichtige Erfahrungen, was wirklich hilft. Ernährungssysteme können so umgebaut werden, dass sie die Herausforderungen des Klimawandels und auch akute Krisen wie eine Pandemie meistern können. Eine effiziente Nahrungsproduktion vor Ort stärkt die Versorgungssicherheit und verringert Emissionen und die Abhängigkeit von Lieferketten.

Nationale Regierungen wie auch internationale Geber und Nichtregierungsorganisationen (NGO) müssen in die jeweiligen Gesundheits- und Ernährungssysteme investieren und diese so stärken, dass gerade die gefährdetsten Gruppen profitieren. Investitionen in die nationalen Systeme sollten ergänzt werden durch direkte Beihilfen zum Lebensunterhalt von Familien in Form von Bargeldzahlungen und Gutscheinen.

Die internationale Gemeinschaft hat das Jahr 2021 zum Aktionsjahr „Nutrition for Growth“ ausgerufen: Hunger und Mangelernährung sollen beherzt bekämpft werden. Die Corona-Krise hat dieses Thema mit größter Dringlichkeit auf die Agenda gesetzt. Wir dürfen die Fortschritte nicht verlieren, die wir in 20 Jahren erreicht haben. Unser wichtigster Neujahrsvorsatz sollte sein, keine Zeit mehr zu verlieren. Denn Kinder haben das Recht auf ein gesundes Leben.

Von Susanna Krüger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare