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Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) ist in Afghanistan schon seit vielen Jahren zur humanitären Hilfe im Einsatz.
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Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) ist in Afghanistan schon seit vielen Jahren zur humanitären Hilfe im Einsatz.

Gastbeitrag

Hilfe ist nötiger denn je

  • VonPeter Ruhenstroth-Bauer
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Seit vielen Jahren leisten NGOs in Afghanistan humanitäre Arbeit. Es ist wichtig, dass sie dort bleiben können – auch um die Fortschritte der vergangenen Jahre zu sichern. Ein Gastbeitrag.

Wie verzweifelt muss eine Mutter sein, die einem unbekannten Soldaten das eigene Kind über den Stacheldrahtzaun am Flughafen in die Hand drückt, damit es aus Afghanistan ausgeflogen werden kann? Es sind die Bilder aus Kabul, die das Drama zeigen, das sich in ganz Afghanistan abspielt. Nachdem die Möglichkeiten der Evakuierung immer weiter eingeschränkt sind, richtet sich der Blick von der Hauptstadt in das ganze Land. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) ist in Afghanistan schon seit vielen Jahren zur humanitären Hilfe im Einsatz. Jetzt aber ist die Situation dramatisch eskaliert. Mehr als 3,5 Millionen Menschen sind im eigenen Land als sogenannte Binnenvertriebene auf der Flucht. Seit Mai sind es vor allem Frauen und Kinder, die in Afghanistan selbst Schutz suchen.

Für den Einsatz des UNHCR hat der Hohe Kommissar für Flüchtlingsfragen, Filippo Grandi, unterstrichen, dass es weiterhin im Land um Hilfe und Unterstützung für die afghanische Bevölkerung geht. So bleiben die UNHCR-Mitarbeitenden gemeinsam mit weiteren UN-Organisationen und nichtstaatlichen Organisationen vor Ort im Einsatz – „stay and deliver“. Der UNHCR ist weiterhin in gut zwei Dritteln der Distrikte des Landes aktiv. Diese Arbeit wird auch fortgesetzt, soweit Zugang zu der Bevölkerung besteht und ohne dass die Sicherheit für die Mitarbeitenden des UNHCR außer Acht gelassen wird. Dass dabei dann zukünftig die Taliban Gesprächspartner beim humanitären Einsatz des UNHCR sind, ist nicht ungewöhnlich, denn das war schon während des ersten Taliban-Regimes der Fall. Die Taliban ermutigen den UNHCR, seine Arbeit im Land wieder aufzunehmen.

Caroline Van Buren, die Repräsentantin des UNHCR in Afghanistan, betont, dass im ganzen Land wichtige Programme umgesetzt werden. So unterstützt man Schulen genauso wie Frauenzentren, berufliche Ausbildung, Jugendlernzentren, psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützungsangebote. Der Verbleib des UNHCR, der UN-Organisationen und der NGOs in Afghanistan ist nicht nur für den unmittelbaren Schutz und die Unterstützung der Menschen vor Ort von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Sicherung der Fortschritte, die in den letzten zwei Jahrzehnten erzielt worden sind.

Zur Person

Peter Ruhenstroth-Bauer ist Geschäftsführer und Nationaler Direktor der UN-Flüchtlingshilfe, dem deutschen Partner des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR).

In diesem Jahr konnte der UNHCR in Afghanistan zusammen mit Partnern für mehr als 230 000 Menschen Nahrung, Unterkunft, Bargeld, Hygieneartikel und andere lebensrettende Hilfe leisten. Die Unterstützung auch durch die Zivilgesellschaften spielt eine entscheidende Rolle – nicht nur, um die Finanzierung der Hilfe sicherzustellen. Es geht auch um die wichtigen Errungenschaften der vergangenen Jahre, die gesichert werden müssen, wie die Gleichstellung der Geschlechter oder den Zugang von Mädchen zu einer hochwertigen Bildung. Und es muss noch viel mehr getan werden, um die Rechte von Frauen und Mädchen zu verwirklichen.

Für Caroline Van Buren ist die zusätzliche internationale Unterstützung von entscheidender Bedeutung, da der Bedarf weiter wächst. So weist sie darauf hin, dass neben der aktuellen Krise die afghanische Bevölkerung auch durch das Klima und die Covid-19-Pandemie vor großen Herausforderungen steht. Dieses Jahr erlebt Afghanistan im ganzen Land eine extreme Dürre. Hinzu kommt der nahende harte Winter. Wenn es tatsächlich ein sehr schwerer Winter werden sollte, kommen Überschwemmungen im Frühjahr als Folge der Schneeschmelze hinzu. Die Corona-Pandemie verschärft die Situation. So geht man davon aus, dass weniger als vier Prozent der Bevölkerung komplett geimpft sind und die Pandemie das schon schwache Gesundheitssystem weiter unter immensen Druck setzt.

Die Nachbarländer Iran und Pakistan haben mehr als zwei Millionen afghanische Flüchtlinge aufgenommen und bieten damit fast 90 Prozent aller Afghan*innen, die aus dem Land geflohen sind, Schutz. Dass diese Länder nun schon seit 40 Jahren, solange der Konflikt in Afghanistan dauert, Flüchtlinge aufgenommen haben, darf für uns keine Selbstverständlichkeit sein.

Für die Finanzierung des lebensrettenden UNHCR-Einsatzes sind rund 350 Millionen US Dollar nötig. Tatsächlich sind aber nur 43 Prozent finanziert. Der Beitrag der Zivilgesellschaft ist daher eine der Grundvoraussetzungen für das Gelingen der Hilfe. In Deutschland setzt sich die UN-Flüchtlingshilfe dafür ein, die notwendige Arbeit des UNHCR in Afghanistan zu unterstützen.

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