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Grüner wird’s nicht – Warum Robert Habeck der bessere Kanzler wäre

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Von: Jörg Schneider

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Wäre Robert Habeck der bessere Kanzler als Olaf Scholz?
Wäre Robert Habeck der bessere Kanzler als Olaf Scholz? © Kay Nietfeld/dpa

Wäre Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) besser zum Kanzler geeignet als Olaf Scholz? Überlegungen des Satirikers Jörg Schneider.

Irgendwann zwischen 2002 und 2008, während seiner Zeit als einer von zwei parallel herumwustelnden Grünenchefs, wurde Reinhard Bütikofer mal auf ein in seiner Partei seltsam wachsendes Aggressionspotenzial zulasten ihrer früheren pazifistischen Grundgesinnung angesprochen. Eine Unterstellung, die er (ohnehin mit einer Fettnäpfchentreffsicherheit zwischen Robin Hood und Lucky Luke gebrandmarkt) nonchalant mit einem einzigen Satz zu parieren wusste, indem er arg- bis achtlos und zugleich empört in die zuständigen Mikrofone blökte, die Grünen seien „nach wie vor die Speerspitze der Friedensbewegung“.

Dass seine Partei, so sie sich vergangenes Jahr bei der Kür ihres Kanzlerkandidaten für Robert Habeck entschieden hätte, heute wahrscheinlich sogar erstmals einen grünen Regierungschef auf ihrer Habenseite verbuchen könnte, ließ sich seinerzeit natürlich noch nicht ahnen. Wobei man Ex-Kandidatin Annalena Baerbock trotz ihres hin und wieder lästigen Hangs zu pathosgetünchten Plattitüden bis dato allerdings einen ebenso respektablen wie erfrischend respektlosen „Job“ als Außenministerin attestieren kann. Allein ihr Vorkriegstreffen mit dem russischen Außenminister und heutigen Kriegsverbrecher Lawrow – der in seinem selbstgerechten Altherrenhabitus immer ein wenig so wirkt, als würde er im Sommer im westlichen Cabrio die Moskauer Eisdielen nach Minderjährigen abklappern – war durchaus aller Ehren wert.

Grüner Robert Habeck: neuen Politik-Stil etabliert

Und doch war es Robert Habeck, der, so verdächtig das für manche auch sein mag, tatsächlich so etwas wie einen (mittlerweile bis zum Erbrechen beschriebenen und auch hier noch mal ordnungsgemäß wiedergekäuten) „anderen Politikstil“ etablierte.

Zwar versteht er es wie kaum jemand anderes seines Genres die dort vorherrschenden gängigen rhetorischen Sperrholzschablonen einleuchtend und nachvollziehbar aufzusägen, doch noch ausschlaggebender als die individuelle Freischaltung vom kollektiven Automatik-Politikgetriebe ist das bis dato eher ungewöhnliche, bisweilen hadernde Infragestellen der Integrität der eigenen Entscheidungen.

Zugegeben, genau das wiederum halten viele für Kalkül, berechnend und ein wenig auf „zu gewollt “ gebürstet. Fakt ist aber, dass ein solches „Ich-weiß-doch-auch-nicht-alles“-Eingeständnis, inklusive reflektierten Zweifelns und so applausheischend es eventuell auch sein mag, schlicht und ergreifend richtig ist.

Ampel-Regierung: Robert Habeck der bessere Kanzler?

Und allemal (solange es nicht zur Masche und Methode mutiert) aufrichtiger als das handelsübliche, gerne von überdurchschnittlich unterbegabten politischen Kleinkalibern praktizierte penetrante Eigenaufpumpen und sich bereits nach dreiminütigem Überfliegen eines einem bis hierhin völlig fremden Themas zu ausgewiesenen „Ich-und-im-Zweifelsfall-eben-nur-ich-weiß-Bescheid“-Experten großzukotzen.

Denn wohin derlei Auswüchse führen, sieht man ja gerade mal wieder in den USA, in denen sich ein ehemaliger US- „Präsident“ auch weiterhin seines vermeintlichen Genies rühmt und dabei noch immer – bezeichnend genug! - seinen einst stolz absolvierten Test zum Erkennen einer eventuell beginnenden Demenz nach wie vor unbeirrbar mit einem Intelligenztest verwechselt, in dessen „Lösen“ er sich u.a. imstande sah, Tierbilder den entsprechenden Namen zuzuordnen, durchnummerierte Punkte miteinander zu verbinden (sprich bis zehn zu zählen) und fehlerfrei eine Uhr mit einer bestimmten Uhrzeit zeichnen zu können.

Robert Habeck (Grüne) oder die Wahl zwischen Pest und Cholera

Bei einer Art Echtzeitstil wie dem von Herrn Habeck umgesetzten wird jedenfalls erstaunlich barrierefrei vermittelt, dass Politik (bspw. Energiegeschäfte mit dem Gottesschurkenstaat Saudi-Arabien) eben nicht selten aus der Wahl zwischen Pest und Cholera besteht, bei der sich letztlich bestenfalls eine Mittelohrentzündung herausschlagen lässt - und die getroffene Entscheidung somit keine wirklich gute, sondern eben lediglich die am wenigsten schlechte sein kann. So oder so transparenter als ein konsequentes Vertuschen eigener Widersprüchlichkeiten.

Doch nicht nur Adorno wusste: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ und so bleibt es wohl leider nur Wunschdenken, dass Moral zwar die vielleicht wichtigste Kategorie in der Wahl der Mittel sein sollte, aber dennoch leider meist Machiavelli (unter Einbeziehung sämtlicher machbaren Blutgrätschen) das letzte Wort behält und schlussendlich nur die wenigsten Kompromisse faul genug sind, um sie nicht doch zur Erhaltung der eigenen Macht und Interessen einzugehen.

TV-Ansprache zum Ukraine-Krieg durch Kanzler Scholz

Für den heutigen Sonntag hat übrigens Bundeskanzler Olaf Scholz eine TV-Ansprache zu wahrscheinlich diesem und zu jenem angedroht. Paradoxerweise ausgerechnet am Muttertag und damit dem traditionellen Hauptfeiertag seiner Vorgängerin. Sei‘s drum:

Er wird dort sicherlich seinen begrüßenswerten Sinneswandel in Bezug auf weitere Waffenlieferungen an die Ukraine klitzeklartextlich erklären, so dass man mindestens mal über Nacht beruhigt Bescheid weiß … bis dann morgen im nächsten Spiegel-Interview wieder alles über den Haufen gewuchtet wird. (Jörg Schneider)

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