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Das von der Karenni Nationalities Defense Force (KNDF) zur Verfügung gestellte Foto zeigt ausgebrannte Fahrzeuge nach dem Angriff am 24. Dezember, dem mehr als 35 Menschen zum Opfer fielen.  Darunter waren zwei Helfer von „Save the Children“.
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Das von der Karenni Nationalities Defense Force (KNDF) zur Verfügung gestellte Foto zeigt ausgebrannte Fahrzeuge nach dem Angriff am 24. Dezember, dem mehr als 35 Menschen zum Opfer fielen. Darunter waren zwei Helfer von „Save the Children“.

Gastbeitrag

Gewalt gegen Helfende stoppen

Weltweit nimmt die Zahl getöteter Mitarbeitenden von Hilfsorganisationen zu. „Save the Children“ betrauert zwei Kollegen, die jüngst in Myanmar einem Angriff des Militärs zum Opfer fielen. Die Direktorin für globale humanitäre Hilfe, Gabriella Waaijman, fordert: Die UN muss der Gewalt entgegentreten.

Der Tod von zweien unserer Kollegen bei einem Angriff des Militärs in Myanmar hat alle bei Save the Children erschüttert. Unsere Kollegen sowie mindestens 35 weitere Menschen, die bei dem Angriff getötet wurden, darunter vier Kinder, sind #NotATarget und wir können nicht zulassen, dass diese Tragödie umsonst war.

Unsere Beschäftigten, beides junge Väter im Alter von 28 und 32 Jahren, waren am 24. Dezember auf dem Weg zurück ins Büro, nachdem sie sich um Kinder im Osten Myanmars gekümmert hatten, als der Angriff im Bundesstaat Kayah stattfand. Das Militär zwang Zivilisten aus ihren Autos, verhaftete einige, tötete zahlreiche Menschen und verbrannte ihre Leichen, darunter vier Kinder. Als der Tod unserer Mitarbeitenden offiziell bestätigt wurde, weinten wir, als hätten wir zwei Familienmitglieder verloren.

Ich arbeite seit über 20 Jahren im humanitären Sektor und habe in dieser Zeit Hunderte, wenn nicht Tausende von Kollegen aus dem Bereich kennengelernt. Wir teilen die Leidenschaft, das Leben von Menschen zu verbessern, die von unvorstellbarem Leid betroffen sind. Und immer wieder erstaunt uns die Widerstandskraft der Menschen in Zeiten von Krisen und Katastrophen. Wir sind in einer privilegierten Position, in der wir helfen können. Wir können etwas bewirken, manchmal im Kleinen und manchmal im Großen. Leider ist unser Sektor dabei einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Seit 2013 wurden jedes Jahr mehr als 100 humanitäre Helfende getötet, und im Jahr 2020 übertraf die Kriminalität bei den Angriffen auf Helfende erstmals die konfliktbedingte Gewalt. Helfende wurden erschossen, geschlagen sowie mit Granaten, Sprengstoff und Luftangriffen konfrontiert. Die Aid Worker Security Database (eine Datenbank der Angriffe auf die weltweit schätzungsweise 570 000 Mitarbeitenden von Hilfsorganisationen) zeigt, dass die Zahl der Opfer im Jahr 2020 mit 484 so hoch war wie nie zuvor: 117 Menschen wurden getötet, 242 verletzt und 125 entführt.

Zur Autorin

Gabriella Waaijman ist Direktorin für globale humanitäre Hilfe bei Save the Children, einer unabhängigen Kinderrechtsorganisation, die in rund 120 Ländern tätig ist.

Die Gefahren, denen Mitarbeitende von Hilfsorganisationen ausgesetzt sind, sind nichts im Vergleich zu dem, was Zivilisten in Ländern wie Myanmar tagtäglich erleben. Von ihrem Leid möchten wir nicht ablenken, ganz im Gegenteil, wir möchten darauf aufmerksam machen.

Dennoch stellt sich die Frage, warum die Zahl von Helferinnen und Helfern, die zu Opfern werden, immer weiter ansteigen, obwohl die Unantastbarkeit der humanitären Hilfe von allen Kulturen und Religionen anerkannt wird? Der Schutz von Hilfsorganisationen ist selbst in Bestimmungen wie dem Genfer Abkommen, dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs sowie den Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) und den nationalen Strafgesetzen verankert.

Wenn wir eine wachsende Kultur der Straflosigkeit akzeptieren, in der Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht nur selten strafrechtlich verfolgt und mit Sanktionen geahndet werden, kommen die Täter und Täterinnen ungeschoren davon. Dies ist eine Gefahr für die Mitarbeitenden von Hilfsorganisationen, aber vielmehr noch für die Menschen, die von den Konflikten betroffen sind und denen die internationale Gemeinschaft gleichermaßen zum Schutz verpflichtet ist.

Angesichts dieses jüngsten Angriffs auf unschuldige Zivilisten, Kinder und Mitarbeitende von Hilfsorganisationen in Myanmar ist es nun an der Zeit, die Kräfte zu bündeln, Stellung zu beziehen und ein Zeichen zu setzen.

Der UN-Sicherheitsrat sollte unverzüglich zusammenkommen und Schritte festlegen, um die Verantwortlichen in Myanmar zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem sollten die Mitgliedsstaaten ein Waffenembargo verhängen. Darüber hinaus sollte der Verband Südostasiatischer Nationen (Asean) einen im April vereinbarten Fünf-Punkte-Konsens-Plan in die Tat umzusetzen, der fordert, dass die Gewalt in Myanmar unverzüglich einzustellen ist und dass ein Asean-Sonderbotschafter bei der Vermittlung einer diplomatischen Lösung zum Einsatz kommt.

Im Interesse unserer beiden geliebten und unersetzlichen Kollegen in Myanmar – und der mehr als 1170 Mitarbeitenden von Hilfsorganisationen, die in den letzten zehn Jahren getötet wurden, und im Interesse der Millionen von Menschen, die Schutz dringend benötigen – müssen wir jetzt handeln. Lassen Sie uns das Jahr 2022 zu dem Jahr machen, in dem der Trend zu wachsender Gewalt und Straflosigkeit endlich umgekehrt wird.

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