Kommentar zur Maskenpflicht

Die Gesichter des Populismus

  • Jan Sternberg
    vonJan Sternberg
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Der Streit über ein Stück Stoff vor Mund und Nase ist manchen offenbar wichtiger als die wirklich ernsten Folgen der Pandemie. Und vor allem ist er verantwortungslos.

Keine Maßnahme gegen Corona wird so heftig debattiert wie diejenige mit den geringsten Einschränkungen. Nicht die monatelangen Schulschließungen, nicht das Besuchsverbot in Altenheimen, nicht die Grenzkontrollen, sondern die Verpflichtung, für die Dauer eines Einkaufs ein Stück Stoff vor Mund und Nase zu tragen. Erst wurde wochenlang um die Einführung der Maske gestritten, nun beginnt die Debatte um die Abschaffung des Vermummungsgebots im Einzelhandel.

Toll. Erst zerstört die Maskenpflicht-Debatte jede freiwillige Rücksichtnahme (Ich trage Maske, um mich und andere zu schützen, nicht wegen einer Verordnung), dann killt der Zwang das Abstandsgebot (warum noch Abstand, wenn alle Maske tragen müssen), jetzt wird der Maskenpflicht jede Legitimation genommen (wird ja eh bald abgeschafft).

Das Virus ist nicht verschwunden, Rücksichtnahme tut weiterhin not. Wer Maske trägt, zeigt Problembewusstsein. Wer jetzt schon die Masken wieder herunterreißen will, knickt vor Lobbyisten und Populisten gleichzeitig ein. Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus.

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