1. Startseite
  2. Meinung
  3. Gastbeiträge

Gemeinsam für globale Impfgerechtigkeit

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Afrika: den Aufbau einer lokalen Impfstoffproduktion beschleunigen
„Es liegt in unserer Verantwortung, die Afrikanische Union bei der Erreichung ihres Ziels zu unterstützen und den Aufbau einer lokalen Impfstoffproduktion zu beschleunigen.“ © Hajarah Nalwadda/dpa

Der SPD-Politiker Karamba Diaby erfuhr früh die Folgen einer unzureichenden Gesundheitsversorgung im Senegal. Er fordert, jetzt Lehren aus der Covid-19-Pandemie für den Globalen Süden zu ziehen.

Nach mehr als zwei Jahren gerät die Covid-19-Pandemie als globale Gesundheitskrise zunehmend in den Hintergrund. Allerdings sollten wir die Augen vor möglichen neuen Wellen nicht verschließen. Noch längst sind nicht alle Menschen global gleich gut vor möglichen Mutationen und neuen Ausbrüchen der Pandemie geschützt.

Es ist kein Zufall, dass nach mehr als zwei Jahren in den Industriestaaten des globalen Nordens hohe Impfquoten erreicht wurden, Auffrischungsimpfungen bereitstehen und vulnerable Gruppen gut geschützt sind, während auf dem afrikanischen Kontinent die Impfquote bei 19 Prozent stagniert. Das WHO-Ziel, 70 Prozent der Weltbevölkerung zu impfen, haben wir erneut verfehlt.

Derzeit sind der globale Süden und vor allem der afrikanische Kontinent hauptsächlich von Impfstoff- und Medikamentenimporten abhängig. Solche Abhängigkeiten zwischen Nord und Süd sind dramatische Gerechtigkeitslücken, die längst überwunden sein sollten.

Geboren und aufgewachsen im Senegal wurde ich selbst viel zu früh mit den Folgen einer unzureichenden Gesundheitsversorgung konfrontiert. Meine Mutter starb an Komplikationen kurz nach meiner Geburt, mein Vater an einer Blinddarmentzündung. Aus diesem Grund gilt mein politisches Engagement immer auch den Fragen der globalen Gesundheit.

Für mich ist klar: Es besteht Handlungsbedarf. Die Afrikanische Union hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 insgesamt 60 Prozent der Impfstoffe auf dem afrikanischen Kontinent herzustellen. Bereits nach der Ebola-Pandemie hatte die internationale Gemeinschaft versprochen, den gerechten Zugang zu lebensrettenden Medikamenten und Impfstoffen zu sichern und verstärkt in lokale Forschung zu investieren.

Zum Beginn der Impfstoffverteilung gegen Covid-19 wurden die Länder des globalen Südens allerdings erneut zuletzt berücksichtigt. Diesmal müssen wir die richtigen Lehren aus der Covid-19-Pandemie ziehen, um auf künftige Pandemien besser vorbereitet zu sein und diese im besten Fall zu verhindern.

Wir müssen jetzt entschlossen handeln – nicht erst in einer akuten Pandemiesituation. Denn das kann Menschenleben retten. Dafür haben sich zuletzt auch alle Expert:innen in der Diskussion des Gesprächskreises Afrika der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag ausgesprochen. Als Leiter des Gesprächskreises war es mir ein besonderes Anliegen, die Pandemieprävention rechtzeitig auf die Agenda zu setzen.

Es liegt in unserer Verantwortung, die Afrikanische Union bei der Erreichung ihres Ziels zu unterstützen und den Aufbau einer lokalen Impfstoffproduktion zu beschleunigen. Das schafft Vertrauen in die Impfstoffe. Außerdem kann die mRNA-Technologie für die Bekämpfung lokaler vernachlässigter Tropenkrankheiten und beispielsweise Malaria genutzt werden. Deutschland investiert im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit deshalb bereits 530 Millionen Euro in den Ausbau der Impfstoffproduktion in Ghana, Ruanda, Senegal und Südafrika.

Wichtig dabei bleibt, dass lokale Fachkräfte ausgebildet und in der Produktion beschäftigt werden, um die Impfstoffproduktion und -forschung zu nachhaltigen Ansätzen zu machen. Das schließt auch das Projekt der bereitgestellten „BioNTainer“ ein. Eine wirksame Pandemieprävention geht jedoch darüber hinaus. Hier seien drei wichtige Forderungen genannt: Der Technologietransfer der großen Pharmakonzerne muss in Zukunft sichergestellt sein. Der Umgang mit der Covid-19-Pandemie darf im Bereich der Patente und des Technologietransfers nicht als Blaupause dienen.

Außerdem müssen wir betroffene Länder insgesamt unterstützen, ihre Gesundheitssysteme widerstandsfähiger zu machen. Deshalb ist auch die gesicherte Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation essenziell. Das ist gerade im Jahr der deutschen G7-Präsidentschaft ein wichtiges Signal an unsere internationalen Partner. Investitionen in globale Gesundheit und Pandemieprävention sind Investitionen in unser aller Zukunft. Auch das muss die politische Zeitenwende jetzt mit sich bringen.

Karamba Diaby (SPD) aus Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestags. Er leitet den Gesprächskreis Afrika der SPD-Bundestagsfraktion und ist Vorsitzender der Parlamentariergruppe Westafrika.

Auch interessant

Kommentare