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Gegen Atomwaffen – für das Klima

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Von: Xanthe Hall

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Anstatt mehr Geld in Wiederaufbau nach der Flut, Pandemiebewältigung und Klimaschutz zu stecken, will das Verteidigungsministerium mindestens 7,8 Milliarden Euro in neue Atomwaffenträger und den Atomwaffenstützpunkt in der Eifel investieren.
Anstatt mehr Geld in Wiederaufbau nach der Flut, Pandemiebewältigung und Klimaschutz zu stecken, will das Verteidigungsministerium mindestens 7,8 Milliarden Euro in neue Atomwaffenträger und den Atomwaffenstützpunkt in der Eifel investieren. © Imaginechina Tuchong/imago

Wir stecken in einer existenziellen Krise. Um sie zu lösen, hilft nur ein Paradigmenwechsel.

Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki haben uns vor 76 Jahren vor Augen geführt, wie nah wir am Rand unserer Zerstörung stehen. Heute schockieren uns die Bilder der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und die wütenden Flammen in der Türkei und in anderen südeuropäischen Ländern. Der menschengemachte Klimawandel ist allgegenwärtig. Diese Ereignisse zeigen, dass wir die Welt nicht nur durch Bomben, sondern schon allein durch unsere Emissionen vernichten können.

Die Klimakrise und die Gefahr eines Atomkrieges sind zwei fundamentale Gefahren, die die Menschheit auslöschen können. Hiroshima und Nagasaki haben uns gezeigt, welche humanitäre Katastrophe der Einsatz einer einzigen Atomwaffe auslösen kann. Die Sprengkraft heutiger Atomwaffen ist so viel größer, dass ein Atomkrieg unter Verwendung aller Atomwaffen einen nuklearen Winter auslösen würde.

Schon ein begrenzter Atomkrieg hätte laut Berechnungen der Internationale Ärzt:innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) fatale Folgen. Ausbleiben des Niederschlags und Temperaturstürze würden sich ähnlich auswirken wie der Klimawandel: anstatt den Hitzetod zu sterben würden wir erfrieren und verhungern. Wir stecken in einer allumfassenden, existenziellen Krise. Um uns gegen diese Gefahren zu schützen, hilft nur ein Paradigmenwechsel auf allen Ebenen.

Das allgemeine politische Verständnis von Sicherheit beinhaltet militärische Operationen und nukleare Abschreckung. Paradox, wenn man bedenkt, welche existenzielle Bedrohung die Klimakrise für die Menschen in Rheinland-Pfalz ausgelöst hat und welchen großen Anteil das Militär und die nukleare Abschreckung an dieser Erderwärmung haben.

Zu den Autorinnen

Ute Rippel-Lau ist Vorstandsmitglied der Internationalen Ärzt:innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW).
Xanthe Hall ist Abrüstungsexpertin der IPPNW.

Schon bei ihrer Herstellung durchlaufen Atomwaffen die „nukleare Kette“, in der jede Menge radioaktiver Müll und CO2-Emissionen entstehen. Gleichzeitig werden die Atomwaffen stetig weiterentwickelt, um die nukleare Abschreckung aufrechtzuerhalten. Hinter diesem Modernisierungsdruck steht ein ganzer Komplex der Militärindustrie.

Ständig werden Raketen, Flugzeuge und Bomben getestet und neu gebaut. Die Rüstungsindustrie bekommt Milliardenaufträge, während jeder Raketentest einen weiteren Nagel in den Sarg des Planeten brennt. Allein eine Flugstunde der PA 200 Tornados der Bundeswehr, die im Ernstfall US-Atomwaffen abwerfen würden, verbraucht 3910 Kilogramm Treibstoff. Das entspricht 12 317 Kilogramm CO2 – mehr als ein Mensch hierzulande im Schnitt jährlich verbraucht. Schon vor 15 Jahren waren diese Tornados 32 853 Übungsstunden jährlich in der Luft. Damit steigt der CO2-Fußabdruck der Kampfjets alleine für zwölf Monate schnell auf 404 650 401 Kilogramm. Das entspricht dem Jahresausstoß einer Stadt in der Größe von Passau.

Anstatt die Atomwaffenproduktion zurückzuschrauben, Raketentests einzustellen und Militärübungen auszusetzen, rüsten alle neun Atomwaffenstaaten weiter auf. Die Frage nach den Klimafolgen stellt niemand. Grund dafür: der politische Irrglaube, nukleare Abschreckung sei notwendig für unsere Sicherheit.

Hiroshima und Nagasaki sind traurige Beispiele dafür, welches Leid und welche Zerstörung eine Atombombe verursachen kann. Die Angst vor einem erneuten Einsatz von Atomwaffen verleiht den Atomwaffenstaaten enorme Macht und hält den Rest der Welt in Atem. Die Folge: Staaten erkaufen sich mit der nuklearen Teilhabe ein Stückchen gefühlte Bündnissicherheit und befeuern damit weiter den Teufelskreis.

Die nukleare Abschreckung hilft weder gegen die Klimakrise noch gegen die Pandemie. Diese Bedrohungen sind es aber, vor denen die Menschen derzeit Schutz suchen. Doch anstatt in Wiederaufbau, Pandemiebekämpfung und Klimaschutz zu investieren, plant das Verteidigungsministerium mindestens 7,8 Milliarden Euro für neue Atomwaffenträger und die Modernisierung des Atomwaffenstützpunktes in der Eifel auszugeben.

Wir stehen also vor der Wahl: Investieren wir weiter in Atomwaffen und befeuern dadurch die Klimakrise? Oder schützen wir das Klima, indem wir dieses Geld sparen und es für den Wiederaufbau und zum Schutz vor künftigen Klimaschlägen und Pandemien nutzen? Es ist eine Frage der Verantwortung, die sich die künftige Bundesregierung stellen muss. Was nützt die Aufrüstung, wenn die Bevölkerung sich nicht sicher fühlt und um ihre Zukunft bangt? Es ist unser Geld, was richtig investiert werden muss.

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