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Für Beschäftigte, die im Alter ihren Lebensstandard halten wollen, liegen die Altersvorsorgebeiträge längst bei 15,3 Prozent.
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Für Beschäftigte, die im Alter ihren Lebensstandard halten wollen, liegen die Altersvorsorgebeiträge längst bei 15,3 Prozent.

Bundestagswahl 2021

Gefährliche Rentenillusion: Die Zukunft mit kapitalbasierter Altersvorsorge ist riskant

  • VonBernd Riexinger
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Die kapitalbasierte Altersvorsorge ist ein Irrweg. Sie birgt ein großes Risiko für die öffentliche Hand. Es gibt aber eine sehr gute Alternative. Der Gastbeitrag.

Eines der zentralen Themen im Wahlkampf bei der Bundestagswahl 2021 ist die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland. In den Diskussionen darüber überrascht immer wieder die weitverbreitete Euphorie für die kapitalbasierte Rente. Insbesondere unter jüngeren Menschen ist die Auffassung weitverbreitet, dass mit einer klugen Anlagestrategie kaum etwas schiefgehen könne, gerne garniert mit Hinweisen auf norwegische und andere Staatsfonds.

Dieser Optimismus speist sich aus jüngeren Entwicklungen. So ist durch entsprechende Plattformen in den vergangenen Jahren der Aktienhandel leichter zugänglich geworden. Auch sind die Kosten für solche Transaktionen deutlich gesunken. Durch relativ neue Produkte wie ETF-Fonds, die beispielsweise Aktienindizes nachbilden, gibt es zudem vergleichsweise kostengünstige, risikodiversifizierte Anlageoptionen. Für alle, die Geld übrig haben, stellen zudem die allgemeinen Niedrigzinsen oder sogar Negativzinsen Anreize dar, sich nach Anlagealternativen umzuschauen – größeres Risiko von (Total-)Verlust inklusive.

Kapitalbasierte Rentenvorsorge: Große Verluste durch Pleiten und Börsencrashs

Telekom, Prokon, Schiffsfonds, Wirecard: Die Liste der Börsencrashs und Unternehmenspleiten, bei denen Kleinanleger:innen große Verluste erlitten, ist lang. Der Stresstest für die gehypten ETF-Fonds steht noch aus. Der nächste Börsencrash kommt bestimmt. Und auch der Verweis auf so manchen Staatsfonds sollte nicht über die Gebühr beruhigen: Erinnert sei an die Pleite eines malaysischen Fonds genau so wie an die Fastkonkurse staatlicher US-Pensionsfonds. Die Existenz erfolgreicher Staatsfonds ist kein Garant für das eigene kleine Anlageportfolio.

Längst nährt die Börseneuphorie auch hierzulande die Forderung, die aktienbasierte Rentenvorsorge staatlich zu fördern. Befeuert wird diese Forderung durch das faktische Scheitern von Riester-Rente & Co. und durch das jahrelange Schleifen der gesetzlichen Rente. Mit ihrem Einsatz für eine Aktienrente nimmt die FDP eine Extremposition ein. Doch auch Union, SPD und Grüne zeigen sich offen für eine Stärkung der kapitalbasierte Altersvorsorge. Das ist ein gefährlicher Irrweg.

Hohes Risiko bei der Aktienrente: Echte Alternative zur jetzigen Rente?

Denn das Risiko für die öffentliche Hand ist hoch: Scheitert die kapitalbasierte Rente, muss der Staat einspringen. Im Zweifel werden zweimal Steuergelder aufgewendet: für die Förderungen der kapitalbasierten Rentenvorsorge und für die Existenzsicherung im Alter. Dass ist ineffizient – und es ist sozial ungerecht, da viele Menschen nicht einmal 10 oder 20 Euro monatlich für einen Aktiensparplan entbehren können.

Die wirkliche Alternative zum jetzigen Rentendesaster ist eine lebensstandardsichernde gesetzliche Rentenversicherung, in die alle Erwerbstätigen einzahlen. Eine armutsfeste Rente darf nicht der Börse überlassen werden, weil der Markt eine solche Rente schlicht nicht garantieren kann. Wer über das lebensstandardsichernde Niveau hinaus vorsorgen will, mag dies tun; staatliche Unterstützung ist dafür nicht gerechtfertigt.

Für Beschäftigte, die im Alter ihren Lebensstandard halten wollen, liegen die Altersvorsorgebeiträge längst bei 15,3 Prozent. Davon fließt ein nicht unerheblicher Teil in die private Altersvorsorge, deren Sicherheit und Sinn oft zweifelhaft ist. Rechnet man die Arbeitgeberleistung und die von den Beschäftigten erwartete Mindestleistung zusammen, kommt man auf einen durchschnittlichen Gesamtvorsorgebeitrag von 24,6 Prozent für die gesetzliche Rente und für die private und betriebliche Altersvorsorge.

Mit der Rentenversicherung Beschäftigte entlasten - und das Risiko minimieren

Wäre das der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung, ließe sich damit in den nächsten Jahren problemlos ein Rentenniveau von 53 Prozent finanzieren – also in der Höhe, die es noch um die Jahrtausendwende hatte! Gleichzeitig würden die Beschäftigten entlastet, schließlich zahlten sie nicht mehr 15,3 Prozent ihres Einkommens für die gesetzliche und die private Altersvorsorge, sondern nur noch 11,3 Prozent in die gesetzliche Rentenversicherung.

Hinzu kommt, dass die Verwaltungskosten privater Versicherungen mit durchschnittlich zehn Prozent um ein Vielfaches höher sind als die der gesetzlichen Rentenversicherung. Dort liegen die Verwaltungskosten nur bei rund 1,2 Prozent. Vor allem aber erhalten die meisten Menschen dank der gesetzlichen Rentenversicherung für weniger Geld höhere Renten bei verschwindend geringem Risiko.

Bernd Riexinger ist Bundestagsabgeordneter der Linken. Von 2012 bis 2021 war er Vorsitzender der Partei.

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