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Blick am Donnerstag (22.10.2020) im Fischereihafen von Sassnitz (Landkreis Vorpommern Rügen) auf einen Fischkutter an seinem Anleger.
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Wie geht es mit dem Fischfang weiter?

Gastbeitrag

Für eine nachhaltige Fischerei

Das EU-Parlament darf die Reform zum Fischfang nicht nur durchwinken, es muss die Regeln noch verbessern.

Am heutigen Tag liegt die Zukunft unserer Meere in den Händen von Abgeordneten des Europaparlaments. Abgestimmt wird über die Neufassung der EU-Verordnung, die die Kontrollen der Fischerei in den Gewässern der EU, wie auch der europäischen Fischereiflotte weltweit, festlegt. Dieses Regelwerk ist das wichtigste Werkzeug für unsere Fischer:innen, Entscheidungsträger:innen und die Zivilgesellschaft, um genau zu erfassen, wie viel Fisch gefangen wurde, und um nachvollziehen zu können, welche Auswirkungen die Fischerei auf Meeresökosysteme hat.

Die Erneuerung der Verordnung sollte das Ziel haben, die Nachhaltigkeit unserer Meere und Existenzfähigkeit unserer Fischer:innen zu verbessern. Die EU-Abgeordneten stehen vor der Entscheidung, die bisherigen Beschlüsse ihrer Kolleg:innen im Fischereiausschuss entweder durchzuwinken – mit verheerenden Folgen für die Gesundheit unserer Meere – oder sich für eine Reform der EU-Fischereipolitik einzusetzen. Würden all die im Ausschuss gemachten Vorschläge einfach abgesegnet, wäre das ein enormer Rückschritt für die Fischereipolitik der EU.

Der Fischereiausschuss schlägt unter anderem vor, die Toleranzmarge beim Schätzen und Dokumentieren von Fängen zu erhöhen. Resultat dieses Vorschlags könnte sein, dass bis 40 Prozent der in der EU gefangenen Fische in den Büchern fehlen. Das würde die Glaubwürdigkeit der EU als globale Vorreiterin in der Meerespolitik schwer schädigen und die EU-Biodiversitätsstrategie ad absurdum führen.

Ein weiteres Beispiel für die Rückschrittlichkeit ist der Vorschlag des Fischereiausschusses, die verpflichtende Nutzung elektronischer Hilfsmittel zur Fernüberwachung, wie Kameras an Bord, für das verlässliche Dokumentieren von Fischfängen abzulehnen. Diese Haltung steht im klaren Widerspruch zur gewünschten Vorreiterrolle der EU. Diese Technologien werden bereits mit teils erheblichen finanziellen Vorteilen für Fischer:innen weltweit eingesetzt – vor allem in Australien, Neuseeland, Kanada oder den USA und auf freiwilliger Basis auch in manchen Fischereien der EU.

Stimmt das EU-Parlament jedoch für den Einsatz dieser Hilfsmittel, bietet die neue Verordnung die Chance, die Fischerei in der EU nachhaltiger zu machen, indem sämtliche Fänge dokumentiert würden. Dann wäre es möglich, sich ein Bild über die Auswirkungen der Fischerei auf Seevögel, Meeressäugetiere und weitere empfindliche und geschützte Arten zu machen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Die Verordnung zur Kontrolle der EU-Fischerei ist seit 2010 eine der tragenden Säulen der gemeinsamen Fischereipolitik. Doch schon vor vier Jahren beanstandete der Europäische Rechnungshof, dass es erhebliche Schwächen bei den Fischereikontrollen in der EU gebe.

Die EU Fisheries Control Coalition, ein Zusammenschluss aus neun europäischen Umweltschutzorganisationen, appelliert daher an die EU-Abgeordneten, vier konkrete Maßnahmen bei der Abstimmung zu unterstützen. Erstens braucht es die verpflichtende Nutzung der elektronischen Fernüberwachung inklusive Kameras an Bord auf Fischereischiffen. Mit diesem Schritt können alle gefangenen Meerestiere korrekt erfasst werden.

Zweitens müssen ungewollte Fänge, wie von Delfinen, Seevögeln oder Schildkröten, die jedes Jahr zu Tausenden unbeabsichtigt in den Netzen von Fischer:innen sterben, verbindlich dokumentiert werden. Durch das Aufzeichnen dieses sogenannten Beifangs können Fischer:innen dazu beitragen, Lösungen für dieses Problem zu finden.

Zu den Autor:innen

Stella Nemecky ist Fischereiexpertin beim WWF Deutschland.

Steve Trent ist Geschäftsführer der Environmental Justice Foundation.

Drittens muss jeder gefangene Fisch in den Büchern der Fischer:innen protokolliert sein – im Gegensatz zum Vorschlag des Ausschusses, wonach bis zu dramatischen vier von zehn Fischen undokumentiert bleiben könnten. Schließlich braucht es eine weitaus transparentere Berichterstattung darüber, wie die Mitgliedstaaten unsere Fischereiressourcen kontrollieren. Derzeit können die EU-Staaten die Veröffentlichung von Informationen über die Fischerei ohne Angabe von Gründen blockieren.

Stimmen die Abgeordneten für diese neuen und besseren Kontrollmechanismen, leisten sie einen aktiven Beitrag zum Erfolg des Europäischen Green Deals und für nachhaltige Fischerei, gesunde Meere und florierende Küstengemeinden. (Stella Nemecky und Steve Trent)

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