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Über 55 Etappen sind die Naturfreunde Deutschlands von Hannover bis zum Bodensee gewandert, um ein Zeichen für Frieden und Abrüstung zu setzen: Frieden in Bewegung. (Symbolbild)
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Über 55 Etappen sind die Naturfreunde Deutschlands von Hannover bis zum Bodensee gewandert, um ein Zeichen für Frieden und Abrüstung zu setzen: Frieden in Bewegung. (Symbolbild)

Gastbeitrag

Frieden in Bewegung

  • VonMichael Müller
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Die Sicherheit der Menschheit muss zum zentralen Punkt der Politik gemacht werden.

Über 55 Etappen sind die Naturfreunde Deutschlands von Hannover bis zum Bodensee gewandert, um ein Zeichen für Frieden und Abrüstung zu setzen: Frieden in Bewegung. Die Sicherheitspolitik ist zu wichtig, um sie Militärs, Technokraten und Thinktanks zu überlassen.

Bei keiner anderen existenziellen Frage ist der Widerspruch zwischen ihrer Bedeutung und der öffentlichen Aufmerksamkeit so groß wie bei Frieden und Sicherheit. Das Thema wird zu sehr Expertinnen und Experten überlassen. Unsere Zeit braucht einen breiten Diskurs, was in der zusammengewachsenen Welt, die mehr denn je auf eine gemeinsame Sicherheit angewiesen ist, getan werden muss.

Wenn es um den Frieden geht, hat jeder das Recht, sich einzumischen. Seit mehr als 100 Jahren sind die Naturfreunde Teil der Friedensbewegung. Zu ihren Mitgliedern gehörten der Friedensnobelpreisträger Willy Brandt und auch Georg Elser, der Hitler-Attentäter von 1939.

Mit ihrer Wanderung „Frieden in Bewegung“ setzen die Naturfreunde ein Zeichen für Abrüstung, Entspannung und Frieden. Die Chancen, die sich 1990 nach dem Ende der in Ost und West geteilten Welt mit der „Charta von Paris für ein neues Europa“ aufgetan hatten, wurden schnell wieder vertan.

Statt einer gesamteuropäischen Politik für Abrüsten, Si-cherheit und Zusammenarbeit setzte sich erneut das unheilvolle Zwillingspaar Abschreckung und Aufrüstung durch. Mit wechselseitigen Schuldzuweisungen kam es zum Rückfall in einen kalten Krieg mit alter und neuer Konfrontation.

Die Militärausgeben liegen heute mit rund zwei Billionen US-Dollar deutlich höher als 1989. Neue Atomraketen werden stationiert, die bis zu 20-fache Schallgeschwindigkeit erreichen können. Autonome Waffensysteme senken die Schwelle zum Einsatz militärischer Gewalt. Zudem verschieben sich die geopolitischen Kräfteverhältnisse, so dass sich nicht nur die Konfrontation zwischen den alten Gegnern verschärft, sondern auch die mit der aufstrebenden Supermacht China.

Angesichts der fatalen Verbindung zwischen Hochrüstung und drohenden Verteilungskämpfen um Ressourcen und die Folgen der Klimakrise steht die Welt am Rande des Friedens. Mit den globalen Waffensystemen, die an jeden Punkt der Erde gelangen können, ist unsere Zeit in einer Lage, die mit keiner geschichtlichen Erfahrung verglichen werden kann. Krieg wäre das Ende aller Dinge. Eine starke Friedensbewegung ist notwendig.

Die Sicherheit der Menschheit, also das Leben aller Men-schen, muss zum zentralen Punkt der Politik gemacht werden. Das ist das Konzept der Gemeinsamen Sicherheit, das vor fast 40 Jahren Olof Palme 1982 den Vereinten Nationen vorgelegt hat. Die zentrale Aussage: „Man kann nicht mehr vor dem Gegner, sondern nur noch mit dem Gegner Sicherheit erreichen.“ Es ging vor allem um den Systemkonflikt zwischen Ost und West, heute bekommt mit der Globalisierung ökologischer Gefahren die Sicherheit eine noch größere Bedeutung.

Palmes Konzept ist das große Friedensprojekt für Europa. Doch in der Mitte Europas entsteht ein neuer militärischer Koloss, wenn Deutschland die Nato-Vorgabe umsetzt und zwei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt für die Bundeswehr ausgibt. Dabei sind es nur zehn Länder, auf die drei Viertel der weltweiten Militärausgaben entfallen. Deutschland liegt auf Platz 7 und verzeichnet unter ihnen den prozentual höchsten Zuwachs.

Kriege fallen nicht vom Himmel. Sie haben Ursachen in Hochrüstung, Größenwahn und Wirtschaftsinteressen, auch in ungelösten gesellschaftlichen Konflikten. Die Gefahr ist groß, dass unser Jahrhundert zu einem Jahrhundert erbitterter Verteilungskonflikte wird, denn insbesondere die sich verschärfende Klimakrise ist zwar eine Bedrohung des Erdsystems, aber die Hauptverursacher sind nicht die Hauptbetroffenen.

Noch eine lange Zeit werden die Folgen räumlich und sozial auf höchst ungerechte Weise ver-teilt sein. Es kann keine friedliche Welt geben, wenn der reiche Teil der Erde versucht, sich in grünen Oasen des Wohlstands gegen eine zunehmend unwirtliche Welt abzuschotten.

Wir brauchen eine neue Debatte über Frieden und Sicherheit, einen Palme-Bericht II. Die Naturfreunde setzen sich dafür auch mit Frieden in Bewegung ein. Die nächste Wanderung kann von Verdun in Frankreich über Frankfurt nach Kostrzyn in Polen gehen oder von Theresienstadt in Tschechien über Berlin an die dänische Grenze. Es gibt auf beiden Strecken genug Anlässe, an die Grauen der großen Kriege zu erinnern und für mehr Gemeinsamkeit als Schlüssel für Frieden und Sicherheit zu werben.

Michael Müller ist Bundesvorsitzender der Naturfreunde Deutschlands.
Uwe Hiksch ist Mitglied im Naturfreunde-Bundesvorstand.

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