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Erneuerbare statt fossiler Energien

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Auch in Afrika, wie hier in Uganda, ist mit Sonnenenergie vieles machbar.
Auch in Afrika, wie hier in Uganda, ist mit Sonnenenergie vieles machbar. © Joerg Boethling/Imago

Die Menschen in Afrika wollen nicht weiter nach Gas bohren lassen. Das aber will Kanzler Olaf Scholz. Der Gastbeitrag von Aliou Ba und Andree Böhling.

Wie schnell sich die Dinge ändern: Noch kurz vor seiner Wahl zum Bundeskanzler versprach Olaf Scholz einen „sofortigen Neustart“ beim Klimaschutz und wollte den vom Menschen verursachten Klimawandel stoppen. Die Hoffnung auf eine politische Wende also war groß.

Jüngst schlug Scholz allerdings vor, Deutschland könne die Entwicklung der Offshore-Gasförderung in Westafrika unterstützen. Es geht dabei um ein von British Petroleum (BP) entwickeltes Projekt, das ein riesiges Korallenriff zerstören, bis zu ein Prozent des weltweiten CO2-Budgets im Rahmen des 1,5-Grad-Ziels verbrauchen und die ohnehin schon stark geschädigten Gewässer vor der Küste Westafrikas weiter zerstören würde.

Woher der plötzliche Sinneswandel? Scholz sagt, Deutschland müsse nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine von russischem Gas unabhängig werden und wolle daher afrikanisches Gas kaufen. Doch Unabhängigkeit von Autokraten wie Putin und ihren fossilen Brennstoffen lässt sich nur erlangen, indem man den Gasverbrauch drastisch senkt und die Produktion erneuerbarer Energien ausbaut.

Diese Meinung vertritt nicht nur Greenpeace, sondern sie wird mittlerweile auch vom UN-Generalsekretär, dem ehemaligen Gouverneur der Bank of England, dem Direktor der Internationalen Energieagentur und den G7-Staaten geteilt. Zu deren wichtigsten Mitgliedern zählt Deutschland.

Im Senegal liefern Sonne und Wind genug Energie, um auch andere Staaten mitzuversorgen. Diese nachhaltigen Energiequellen sind unsere einzige Chance, die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten. Diese nachhaltigen Industrien können auch Millionen von qualifizierten, gut bezahlten Arbeitsplätzen in ganz Afrika schaffen.

Doch stattdessen unterstützt die EU die kurzsichtige Panikmache der deutschen Regierung. So hat die EU-Kommission der Lobbyarbeit durch die fossile Brennstoffindustrie nachgegeben und will fossiles Gas, den umweltschädlichsten Brennstoff in Europa, entgegen jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis als „nachhaltig“ einstufen. Und Senegals Präsident Macky Sall, der derzeitige Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), ist nur zu gerne bereit, der EU zu verkaufen, was diese haben möchte.

Unsere Weltwirtschaft und Politik sind so organisiert, dass es für Konzerne ein Leichtes ist, sich Afrikas Rohstoffe für einen Spottpreis anzueignen. Mit jedem Euro, der in fossile Brennstoffe investiert wird, wird die nächste Dürre, Überschwemmung oder Hitzewelle finanziert. Diese extremen Wetterbedingungen treffen Afrika schneller und stärker als den Rest der Welt.

Diese Art der Ausbeutung ist leider nichts Neues. Schon heute wird Fisch aus den Meeren weggefangen, in denen Scholz und Sall nach Gas bohren. Dieser Fisch dient den Westafrikanern eigentlich als Grundnahrungsmittel, landet jedoch als Futter für Zuchtfische, Nutz- und Haustiere in Europa, den USA und China. Auch die sonstigen Auswirkungen auf die Menschen, nicht zuletzt durch in die Höhe getriebene Lebensmittelpreise, sind verheerend.

Darüber hinaus bedeutet die Offshore-Gasförderung eine neue Dimension der Bedrohung für die Meeresfauna, auf die die Menschen in Westafrika angewiesen sind. Die seismische Sprengungen und Tiefseebohrungen können die Fangmengen extrem beeinträchtigen, da die zunehmend bedrohten Fische in den Meeren der Region sensibel auf die Lärm- und Schadstoffbelastungen reagieren.

Doch die Fischerei-Communities und zivilgesellschaftliche Gruppen in Westafrika kämpfen schon gegen die Fischmehl- und Fischölindustrie sowie gegen die Politikerinnen und Politiker, die sie ermöglicht haben. Die Westafrikaner werden sich daher zur Wehr setzen, wenn europäische Firmen beginnen, unsere Meere mit Offshore-Gasplattformen zu verwüsten.

In Südafrika, ist dieser Konflikt bereits im vollen Gange. In Südafrika kämpfen lokale Gemeinschaften gegen Shell, um den Energiegiganten daran zu hindern, vor der Küste seismische Sprengungen durchzuführen.

Werden Scholz und Sall die Botschaft verstehen? Scholz mag seine Gaspläne für die einfache Lösung eines komplexen geopolitischen Problems halten. Doch er schafft sich damit ein ganz neues Problem. Die Menschen in Afrika lassen sich den neuen Kolonialismus der fossilen Brennstoffförderung und die damit verbundene Klimakatastrophe nicht widerstandslos gefallen.

Aliou Ba ist Senior Oceans Campaigner bei Greenpeace Afrika.

Andree Böhling ist ein politischer Berater bei Greenpeace Deutschland.

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