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Lebensbegleitendes Lernen ist ein Schlüsselfaktor für eine gute Zukunft.
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Lebensbegleitendes Lernen ist ein Schlüsselfaktor für eine gute Zukunft.

Gastbeitrag

Erfolgsentscheidend für die Zukunft

Das Bildungssystem braucht dringend eine Veränderung. Das unterschätzt die Politik nach wie vor.

Wir stehen vor einer Richtungswahl – auch was die Bildung in unserem Land angeht. Jede und jeder sollte im laufenden Wahlkampf genau hinschauen, welche bildungspolitischen Ideen die Parteien präsentieren und was sie konkret zum in Sonntagsreden vielbeschworenen lebenslangen Lernen planen. Denn klar ist doch: Um die vor uns liegenden gigantischen Herausforderungen – wie die Klimakrise, Digitalisierung, Globalisierung – zu meistern, müssen wir unser Bildungssystem radikal transformieren. Lebensbegleitendes Lernen ist ein Schlüsselfaktor für eine gute Zukunft. Doch hat das die Politik wirklich verstanden? Bislang spielt das Bildungsthema im Wahlkampf allenfalls eine Nebenrolle. Eine parteipolitische Aufwertung ist lange überfällig! Das Bildungsressort verdient es, im gleichen Atemzug mit Finanz- und Wirtschaftsministerium genannt zu werden.

Genau hinschauen – und hinhören: Für den „New Learning“-Podcast habe ich mit führenden Bildungspolitiker:innen im Bundestag gesprochen, die sich mit lebenslangem Lernen auseinandersetzen. Auffällig: In vielem ist man sich einig und dabei betont sach- und lösungsorientiert. Ein Schelm, wer dabei auf den Gedanken kommt: Ist die Bildungspolitik es nicht wert, auf Konfrontationskurs zu anderen zu gehen? Vermutlich ist es eher der Hinweis, dass kompetente Bildungspolitiker:innen zu ähnlichen Herausforderungen gelangen: Ein lautes „Ja!“ zu lebenslangem Lernen hört man von jeder befragten Partei. Ebenso fordern alle eine Aufwertung beruflicher Bildung gegenüber akademischer, eine bessere Finanzierung, mehr Orientierung im Weiterbildungsdschungel und neue Governance-Strukturen.

Aber wo liegen die Unterschiede? Die Grünen möchten eine neue Weiterbildungskultur in Gesellschaft und Politik etablieren. Ihnen geht es beim Thema Bildung vor allem darum, klimagerechten Wohlstand zu ermöglichen. Die SPD zielt insbesondere auf eine Qualifizierung auch unabhängig von ökonomischer „Verwertbarkeit“. Die CDU/CSU will die Maßnahmen aus der vergangenen Legislaturperiode fortsetzen und hier und da nachbessern. Die FDP möchte, dass Menschen zu Piloten ihres eigenen Lebenslaufs werden. Die Linke setzt sich für Bildungsgerechtigkeit ein: Insbesondere sozial Benachteiligte sollen stärker gefördert werden.

Zur Autorin

Ada Pellert ist Rektorin der Fernuniversität Hagen und Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung.

Interessante Anregungen sind beispielsweise ein Weiterbildungsbafög für berufliche Entwicklung und Neuorientierung (Grüne), ein Sozialtarif fürs Internet (SPD), ein zweites Bildungssystem für das gesamte Leben (FDP), bildungsfreundliche soziale Sicherungssysteme (Linke) und ein Weiterbildungsgeld (CDU/CSU). Auch betonen alle, dass Schulen mehr institutionelle Autonomie erhalten sollen und verschiedene Bildungsträger stärker miteinander kooperieren sollten. Die Strukturen des Bildungsbereiches sprechen alle an – von der Abschaffung des Kooperationsverbotes bis zur sanfteren Version seiner Weiterentwicklung.

Meiner Auffassung nach wird die Radikalität, mit der wir den Bildungsbereich transformieren müssen, von der Politik nach wie vor unterschätzt. Nicht erst seit der Corona-Pandemie, sondern schon davor haben uns doch nicht abgerufene Milliarden an Fördermitteln drastisch vor Augen geführt, dass wir ganz grundsätzlich an der Governance des Bildungssystems arbeiten müssen. Bestimmte Standards wie das Abitur und Infrastrukturen wie digitale Lernplattformen sollten nicht in jedem Bundesland neu erfunden werden, sondern einfach zu nutzen, vergleichbar und eben standardisiert sein. Beim Schienennetz wollen wir auch nicht, dass jedes Land andere Spurweiten hat.

Starke, intelligent gemanagte Kooperationen zwischen Bildung, Politik, Verwaltung und Wirtschaft sind ein Teil der Lösung. Der Zeitpunkt dafür ist günstig. Viele Unternehmer:innen haben verstanden, dass Bildung und Lernen für die Zukunft dieses Landes erfolgsentscheidend sind und wollen sich engagieren. Einzelne Akteur:innen und Institutionen im Bildungsbereich müssen endlich mehr Autonomie erhalten, aber auch mehr Führungs-Know-how. Wir verlieren die Engagiertesten vor Ort, weil sie sich zu Tode verwaltet und gegängelt fühlen. Welche Verwaltungsebenen verschlanken wir, welche Regelungen werden wir los und machen damit Platz für Neues? Lasst uns darüber diskutieren!

Beim Lernen geht es darum, den Horizont zu erweitern und eigene Grenzen zu überwinden. Doch die Verantwortung für Lerninhalte und -strukturen wird eingehegt und eifersüchtig verwaltet. Die Ministerien schieben sich ihre Zuständigkeiten hin und her, je nachdem, wer was wofür lernen soll. Zwischen EU, Bund, Land, Kommune, Bildungsträgern und einzelnen Einrichtungen geht es ähnlich zu. Auf allen Ebenen sollten wir entrümpeln und neue, ungewöhnliche Kombinationen wagen, um Innovationen zuzulassen. Warum nicht mal ein Ministerium für Lernen und Innovation, um zu zeigen, dass man das Problem politisch verstanden hat?

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