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Das Ende des Erdgases steht bevor. Was kommt dann?
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Das Ende des Erdgases steht bevor. Was kommt dann?

Gastbeitrag

Ein Fahrplan für den Abschied vom Erdgas

  • VonJulia Verlinden
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Der Ausstieg aus der Kohle darf nicht zum Einstieg in eine neue Methan-Dekade werden. Der Gastbeitrag.

Bis Ende nächsten Jahres werden in Deutschland die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet. Das Aus für Atomkraft bedeutet weniger Risiko für gravierende Strahlenunfälle und es beendet die Produktion von immer mehr Atommüll, für den bisher kein sicheres Endlager existiert.

Außerdem steht der Kohleausstieg an. Der von der schwarz-roten Regierung beschlossene Kompromiss, die Kohleverbrennung bis 2038 zu erlauben, ist mit dem Pariser Klimaschutzabkommen nicht vereinbar. Kohlekraftwerke gehören zu den größten heimischen CO2-Quellen. Nur mit einem viel schnelleren Kohleausstieg bis spätestens 2030 können wir beim Klimaschutz einen großen Schritt vorankommen.

Doch woher soll all der Strom kommen und die Wärme, die heute noch in mehr als 100 Kohlekraftwerken in Deutschland produziert werden? Entscheidend ist der schnelle Ausbau von Solar- und Windenergie. Nur mit viel mehr Ökostrom können wir die Wende zur klimafreundlichen Energieversorgung schaffen. Doch die Bundesregierung hat den notwendigen Neubau von Wind- und Solaranlagen gebremst und behindert.

Im Vergleich zu alten Kohlekraftwerken sind moderne Gaskraftwerke selbst zwar weniger klimaschädlich. Doch eine Lösung für den Klimaschutz sind sie auch nicht. Erdgas ist und bleibt ein fossiler Brennstoff, der zusätzliches CO2 in die Atmosphäre bringt und damit das Klima weiter aufheizt. Der Ausstieg aus der Kohle darf deshalb nicht zum Einstieg in eine neue Erdgas-Dekade werden.

Bei Förderung und Transport von Erdgas wird zudem dessen Hauptbestandteil Methan frei. Es ist klimaschädlicher als CO2 – wenn auch kurzlebiger – und kann zum gefährlichen Booster für die Erderhitzung werden. Satellitenmessungen der europäischen Raumfahrtagentur zeigen, dass an Bohrstellen und Pipelines große Mengen Erdgas entweichen. Solche Leckagen müssen durch internationale Vereinbarungen und wirksames Monitoring reduziert werden.

Für den Abschied von fossilem Erdgas müssen wir drei Punkte angehen: Erstens müssen wir den Gasbedarf zügig und kontinuierlich senken. Besonders effektiv kann das im Gebäudebereich geschehen. Die Hälfte aller Wohnungen wird heute mit Erdgas beheizt. Wenn Neubauten ab sofort im Passivhausstandard gebaut werden, benötigen sie keine fossile Energie mehr. Dieser Neubaustandard muss endlich gesetzlich festgeschrieben werden.

Auch bei der Gebäudesanierung müssen wir schneller und klimagerechter werden. Mit anspruchsvollen Energiestandards und Förderprogrammen können wir das erreichen. Sanierte Gebäude sind viel sparsamer und verwenden dann nur noch erneuerbare Energien für die Wärmeversorgung: Solarenergie, Erd- und Umweltwärme oder Bioenergie. Mit kommunaler Wärmeplanung sowie Förderprogrammen können auch Wärmenetze auf Erneuerbare und Abwärme umgestellt werden. Das alles ist kein Klacks, aber machbar – mit klaren Vorgaben, mehr Fördergeld und gut ausgebildetem Personal in Handwerk und Planung.

Zweitens sollten wir Investitionen in die richtige Richtung lenken. Jedes Kraftwerk, jeder Speicher, jede Leitung, die heute gebaut werden, sind für Jahrzehnte geplant und in Betrieb. Sie müssen deshalb kompatibel mit dem Klimaschutz sein. Neue Hafenterminals zur Anlandung von Flüssigerdgas sollen deshalb nicht mehr genehmigt werden. Und wir wollen im Bergrecht neue Öl- und Gasbohrungen ausschließen.

Neue Gaskraftwerke oder Leitungen darf es überhaupt nur geben, wenn sie bereits so geplant und gebaut werden, dass sie später auf grünen Wasserstoff umgestellt werden können: Neue Betriebsgenehmigungen für Gaskraftwerke sollen den verbindlichen Wechsel zu erneuerbaren Energieträgern bereits enthalten.

Drittens müssen wir den Umstieg auf grüne Gase beschleunigen. Das ist einerseits Biogas, das bereits einen Teil der Energieversorgung deckt und weiter sinnvolle verwendet werden kann. Vor allem aber geht es um grünen Wasserstoff, der unter Einsatz von Ökostrom hergestellt wird.

Deutschland ist bei den Technologien zur Erzeugung von Wasserstoff vorne. Diese Führungsrolle gilt es zu unterstützen – mit Marktanreizen und Förderprogrammen. Für zusätzliche Importe sollten rechtzeitig faire Kooperationen mit wind- und sonnenreichen Ländern angestoßen und die Exportländer bei der Energiewende unterstützt werden.

So oder so gilt: Vor allem Energieeffizienz und den Ausbau der Wind- und Solarenergie müssen wir jetzt massiv beschleunigen. Dann können wir nicht nur Atom- und Kohlekraftwerke zügig ersetzen, sondern uns auch schrittweise vom Erdgas verabschieden und so die Klimaschutzziele erfüllen.

Julia Verlinden ist Grünen-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Energiepolitik der Fraktion.

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