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Ein Eigenheim bereits im jungen Alter – geht das?
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Ein Eigenheim bereits im jungen Alter – geht das?

Gastbeitrag

Eigentum statt Enteignung?

Vor allem die Jüngeren wollen in den eigenen vier Wänden leben. Wie lässt sich das erreichen? Der Gastbeitrag von Daniel Dettling.

Wenn es nach dem Willen vieler Berlinerinnen und Berlinern geht, werden bald mehr als 200 000 Wohnungen enteignet. Eine Mehrheit von 56 Prozent sprach sich beim Volksentscheid vor wenigen Wochen für die Enteignung der großen Immobilienunternehmen („Deutsche Wohnen & Co.“) aus. Das Land Berlin müsste, wenn der neue Senat dem Entscheid folgen sollte, für die Wohnungen rund 40 Milliarden Euro bezahlen – mehr als der Haushalt der Hauptstadt in einem Jahr beträgt. Das Geld wäre besser angelegt. „Enteignet die Immobilienkonzerne!“ ist der falsche Slogan. „Macht aus Mietern Eigentümer!“ wäre der bessere. Die allermeisten Menschen wollen nicht als Mieter:innen leben. Umfragen zufolge würden fast drei Viertel (73 Prozent) der Mieter:innen in Deutschland lieber in den eigenen vier Wänden wohnen.

Noch stärker lebt der Traum vom Eigentum bei den Jüngeren. Fast 90 Prozent (87) der 14- bis 19-Jährigen will im Alter von 30 Jahren Wohneigentümer:innen sein. Und genauso viele gehen davon aus, sich dies auch leisten zu können. Die Realität ist eine andere. Nur 47 Prozent der Deutschen lebt in den eigenen vier Wänden. Deutschland gehört mit der Schweiz zu den beiden Schlusslichtern in Europa. Spitzenreiter Rumänien kommt auf rund 96 Prozent. Europaweit besitzen zwei Drittel Wohneigentum.

Wohneigentum und Vermögensverteilung hängen eng miteinander zusammen. Länder mit einer höheren Wohneigentumsquote wie Italien oder Spanien haben pro Kopf mehr Vermögen. Wer zur Miete wohnt, hat ein Vermögen von nur 24 000 Euro im Schnitt, wer eine Immobilie besitzt, kommt dagegen auf das Zehnfache: 225 000 Euro. Wohneigentum macht auf Dauer reich, Mieten arm.

Die Unterschiede zwischen Eigentümer:innen und Mieter:innen sind auch beim Wohnraum erheblich. Immobilieneigentümer:innen leben im Schnitt in 125 Quadratmeter großen Wohnungen. Die durchschnittliche Mietwohnung ist dagegen 75 Quadratmeter groß. Der gravierende Unterschied lässt sich leicht erklären: Mieter:innen leben überwiegend in den Städten, Eigentümer:innen auf dem Land, wo Wohnraum günstiger ist und daher großzügiger gebaut werden kann. Die Eigentumsquote beträgt auf dem Land 75 Prozent, wogegen nur 25 Prozent zur Miete leben. In den großen Städten ist es umgekehrt: Dort zahlen drei von vier Menschen Miete.

Die Nachfrage nach größeren Wohnungen wird steigen. Der Trend zum Homeoffice in der Corona-Krise wird das Wohnen und Arbeiten auch nach der Pandemie prägen. Jede:r Dritte der 16- bis 14-Jährigen denkt über einen Umzug nach und würde sich einen neuen Wohnort suchen, wenn er oder sie in Zukunft größtenteils im Homeoffice arbeiten könnte. Rund 60 Prozent der jungen Menschen würde gerne teilweise im Homeoffice arbeiten. Doch wie den Traum vom Wohneigentum finanzieren?

Der Anteil der unter 45 Jahre alten Immobilienbesitzer:innen hat sich seit der Jahrtausendwende halbiert und lag zuletzt nur noch bei 15 Prozent. Wohnen wird immer teurer. Allein im letzten Jahr verteuerten sich Wohnungen im Schnitt um fast zehn Prozent.

Das Ziel, dass möglichst viele junge Menschen bezahlbar Wohneigentum erwerben, lässt sich durch drei Maßnahmen erreichen. Erstens: Über Mietkauf werden Mieter zu Eigentümern und ihre Miete zur zinslosen Tilgung. Zweitens muss man sich Wohneigentum wieder leisten können. Dazu gehören eine Reform der Grunderwerbssteuer, Wegfall der Besteuerung für Ersterwerber:innen, Absetzbarkeit von Tilgungszinsen, Senkung der Mehrwertsteuer beim Bauen und Erwerb auf sieben Prozent, KfW-Bürgschaften und die Förderung von Genossenschaftsanteilen. Drittens geht es um die Förderung von innovativen Projekten und Programmen wie „Jung kauft Alt“, welche den Erwerb von Wohnungen und Häusern im Bestand ermöglichen.

Wer die neue soziale Frage in den großen Städten und Ballungsgebieten lösen will, muss neue Wege gehen statt alten Parolen hinterherzulaufen. Mehr Wohnungen entstehen nicht durch Enteignung, sondern durch Eigentum. Die Zeit des Klassenkampfs und des Gegeneinanders auf dem Wohnungsmarkt sollte im Jahr 2021 vorbei sein. Zumindest wenn es nach den Jüngeren geht.

Bei der Bundestagswahl sind FDP und Grüne in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen die beiden beliebtesten Parteien. Zusammen kommen sie auf mehr Stimmen als SPD und CDU/CSU. Vielleicht erfüllen die kleineren Parteien den großen Traum vom Wohneigentum. Die Mehrheit der Deutschen erwirbt ihre erste Immobilie im Alter von knapp 40 Jahren. Warum nicht früher? Eigentum verpflichtet – Wahlergebnisse auch.

Daniel Dettling leitet das Institut für Zukunftspolitik. Jüngst erschien sein Buch „Eine bessere Welt ist möglich. Ideen für die Welt von morgen“.

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