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Die Welt braucht mehr Geld für die Bildung

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Jedes Kind hat das Recht auf Bildung. Bildung ist ein öffentliches Gut und die Voraussetzung für die aktive politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Teilhabe an der Gesellschaft.
Jedes Kind hat das Recht auf Bildung. Bildung ist ein öffentliches Gut und die Voraussetzung für die aktive politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Teilhabe an der Gesellschaft. © Alejo Manuel Avila/dpa

Die Krisen und Konflikte auf der Erde überschlagen sich. Aber es wird zu wenig über die weltweite Bildungskrise gesprochen. Ein Appell zum Weltkindertag.

Am heutigen Dienstag ist Weltkindertag. Er gebührt unseren Kindern und trägt das Motto „Gemeinsam für Kinderrechte“. Kinder sollen gewaltfrei und in Frieden aufwachsen. Sie sollen keinen Hunger leiden und in prekären Lagen Hilfe bekommen.

Gleichzeitig wird die Welt für unsere Kinder fragiler, unbegreiflicher und gefährlicher: Autoritäre und instabile Staaten, Hunger-, Klima- sowie eine Bildungskrise sind für sie gegenwärtig. Kinder sind direkt Betroffene oder werden auf andere Weise und in unterschiedlicher Intensität mit den Krisen konfrontiert.

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung. Bildung ist ein öffentliches Gut und die Voraussetzung für die aktive politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Teilhabe an der Gesellschaft.

Gerade die Kulturkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen fehlen der Mehrheit der Kinder auf dieser Welt. Es geht um jene Kompetenzen, die den Grundstein legen zur Befähigung eines heranwachsenden Menschen, eigenständig zu denken, sich begründet Meinungen zu bilden, kreativ zu gestalten und selbstbestimmt handeln zu können.

Auf der Erde können rund zwei Drittel der zehnjährigen Kinder keine einfache Geschichte lesen und verstehen. Zwei von drei Kindern auf unserer Welt bleibt der Zugang zu diesen wichtigen Kompetenzen verschlossen.

Während in Deutschland nach Aussage des ifo-Instituts die Schulen aufgrund der Corona-Pandemie im Durchschnitt 183 Tage geschlossen blieben, waren es beispielsweise in Uganda ganze 581 Tage. Weltweit sind 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen, insbesondere Mädchen und junge Frauen, nach den Schulschließungen nicht mehr in die Schulen zurückgekehrt.

Viele Länder verzeichnen einen dramatischen Anstieg der häuslichen Gewalt. In dieser Zeit sind Mädchenschwangerschaften angestiegen ebenso wie die Zahl der Zwangsverheiratungen.

Viele Kinder auf der Welt arbeiten hart, statt in die Schule zu gehen. Die Gründe liegen in der fehlenden Absicherung ihrer Existenz durch Verlust des Arbeitsplatzes für Eltern, durch Ausbeutung und Vertreibung.

In New York fand bis zum gestrigen Montag der Bildungsgipfel der Vereinten Nationen unter dem Titel „Transformation Education“ statt, um als internationale Staatengemeinschaft der Bildungskrise etwas entgegenzusetzen.

Auch wir als Regierungskoalition setzen das Thema im Bundestag auf die Tagesordnung. Wir haben einen Antrag auf den Weg gebracht, der das Recht auf Bildung mit Maßnahmen untermauert. Wir werden unseren Partnerländern im globalen Süden auch weiterhin den Rücken stärken, Grundbildung als Basis gesellschaftlicher Teilhabe auf- und auszubauen.

Dafür müssen es die ärmsten Länder dieser Welt schaffen, ihre eigene Steuerbasis progressiv zu erweitern und den Anteil ihrer staatlichen Haushaltsmittel, die in die Bildung fließen, zu erhöhen. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich mit der „Incheon Declaration for Education 2030“ dazu entschlossen, dass jeder Staat jeweils mindestens vier bis sechs Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung aufwendet.

Deutschland ist hier mit 7,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts laut dem aktuellen Bildungsbericht vorbildlich. Ein Land, in dem das Durchschnittseinkommen im weltweiten Vergleich im unteren Bereich liegt wie beispielsweise Ghana, hat es mit der Finanzierung jedoch sehr viel schwerer. Ghana muss bereits jetzt knapp die Hälfte seiner öffentlichen Einnahmen für die Tilgung von Schulden ausgeben und bekommt am Finanzmarkt deutlich schlechtere Kreditkonditionen als ein reiches Land wie Deutschland.

Als Regierungskoalition setzen wir uns für ein kodifiziertes internationales Staateninsolvenzverfahren ein und kämpfen im aktuellen Haushaltsverfahren dafür, dass Deutschland als eine der größten Gebernationen seinen Beitrag an die Globale Bildungspartnerschaft erhöht und mehr Geld in Bildung investiert.

Gerade die aktuellen Krisen führen uns vor Augen, wie sehr wir als Weltgemeinschaft ein gemeinsames Schicksal tragen, dessen Lasten jedoch ungerecht verteilt sind und häufig auf den schwächsten Schultern lasten. Kinder haben ein Recht auf Bildung, egal wo sie leben oder woher sie kommen.

Susanne Menge (Bündnis 90/Die Grünen), Nadja Sthamer (SPD) und Knut Gerschau (FDP) gehören dem Deutschen Bundestag an. Die drei Abgeordneten sind Berichterstatterinnen oder -erstatter für Bildung im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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