Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

EineLadestation für Elektrofahrzeuge in einem Gewerbepark in Hilden.
+
Eine Ladestation für Elektrofahrzeuge in einem Gewerbepark in Hilden.

Gastbeitrag

Deutschland fehlen die Ladesäulen

Damit E-Mobilität massentauglich wird, brauchen wir eine bessere Infrastruktur. Der Gastbeitrag.

Bei einem Spitzentreffen zwischen Kanzlerin Angela Merkel und der Automobilindustrie waren verschiedene staatliche Maßnahmen im Gespräch, um die Automobilindustrie im schwierigen Strukturwandel zu unterstützen und E-Mobilität in Deutschland weiter voranzutreiben. Auch eine Verlängerung der E-Auto-Prämie ist im Gespräch. Solange es jedoch keine substanziellen Verbesserungen in der Ladeinfrastruktur gibt, wird sich der sogenannte Massenmarkt E-Mobilität nicht umsetzen lassen. Denn die Ladeinfrastruktur bildet die Kernvoraussetzung für den Erfolg der E-Mobilitätsstrategie in Deutschland.

Mit dem „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ der Bundesregierung aus dem Jahr 2009 wurden die ambitionierten Ziele gesetzt, Deutschland bis 2020 zum Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität zu entwickeln und eine Million Elektroautos „auf die Straße“ zu bringen. Bis 2030 sollten es sogar sechs Millionen sein. Diese Entwicklung sollte sich in drei Phasen von der Marktvorbereitung über den Markthochlauf bis hin zum sich selbst tragenden Massenmarkt im Jahr 2020 vollziehen. Bekanntermaßen wurde dieses Ziel verfehlt.

Dies lag an verschiedenen Gründen – aber speziell auch daran, dass keine ausreichende Ladeinfrastruktur existierte, die für den Markthochlauf erforderlich ist und den Verbrauchern die Angst davor nimmt, „irgendwo liegenzubleiben“. Ob sich gerade im Distanzbereich – außerhalb der Städte im Fernverkehr – E-Mobilität als einzige alternative Antriebsform durchsetzt, ist derzeit also noch offen.

Im Rahmen des aktuellen Klimaschutzpakets hat die Bundesregierung daher für den Verkehrssektor neue Ziele vorgegeben. Bis zum Jahr 2030 sollen eine Million Ladepunkte zur Verfügung stehen und bis zum gleichen Zeitpunkt sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Dies erscheint trotz der Zeitspanne von zehn Jahren ein ambitioniertes Ziel zu sein, wenn man sich vor Augen hält, dass wir derzeit nur rund 30 000 Ladesäulen haben und noch zahlreiche Hürden zu überwinden sind, beispielsweise technische Fragen wie Erfordernisse an das Stromnetz, verfügbare Flächen für öffentliche Ladepunkte oder rechtliche Fragen wie eine Vereinfachung der Förderung von Stromladenetzen.

Die politische und öffentliche Debatte zur Ladeinfrastruktur kanalisiert sich zudem häufig in öffentlichen Ladeplätzen sowie im Bereich Wohnen. Der Sektor Industrie/Handel/Gewerbe wird kaum betrachtet. Hier liegt jedoch nicht nur großes Potenzial, sondern auch die Chance, beim Ausbau der Ladeinfrastruktur zügig voranzukommen. Arbeitnehmer laden in der Regel ihre E-Fahrzeuge nicht im öffentlichen Raum, sondern zu Hause (meist im Eigentum, seltener im Bereich Mietwohnungen). Beim Laden im Wohnungsbestand wurde bereits eine Menge getan. Der Ladevorgang könnte erst dann in größerem Umfang am Arbeitsplatz erledigt werden, wenn die Unternehmen eine adäquate Anzahl an Ladestationen – staatlich gefördert – implementieren würden. Dies ist insbesondere für Arbeitnehmer relevant, welche über kein Wohneigentum verfügen und damit oftmals auch nicht über die Möglichkeit, ein E-Fahrzeug dort zu laden, wo das Auto ohnehin über Nacht steht.

Dafür stellt sich neben dem Thema der Förderung auch die Frage, wie der Ausbau der Ladeinfrastruktur möglichst einfach direkt vor Ort umgesetzt werden soll, da die Aus- und Zubaubedarfe je nach struktureller Gegebenheit (Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur) beziehungsweise je nach betrieblichen Gegebenheiten (Klein- und Großbetriebe, Parkplatz halböffentlich oder nur im Betriebsgelände) heterogen sind und folglich nicht die „eine“ Umsetzungslösung existiert.

Bei der Umsetzung auf Unternehmens- und Gewerbeflächen gibt es viel zu beachten, wie etwa die Mitarbeiteranzahl und die Fuhrparkgröße, die räumliche Verortung, das Thema Finanzierung und Fördermitteldesign oder mögliche Kooperationsmodelle – beispielsweise mit Energieversorgern. All das sind Themen, die im Rahmen der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen mitgedacht werden müssen. Hier muss die Politik beziehungsweise eine staatliche Förderung ansetzen. Auch sind Genehmigungsprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen. Nur so können die ambitionierten Ziele, bis 2030 eine Million Ladepunkte zu schaffen, erreicht werden. Bleiben wir so langsam wie bisher, klappt die Energiewende im Verkehrsbereich nicht.

Oliver Rottmann ist geschäfts-führender Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge sowie Geschäftsführer des Komkis Sachsen an der Universität Leipzig.

Jens Katzek ist Geschäftsführer des ostdeutschen Automobilclusters Acod.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare