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Der Aufstand im Iran braucht Unterstützung

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Von: Sahar Sanaie

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Der Protest gegen die Mullahs ist ein Zeichen an die Welt: Die Zeit des Händeschüttelns mit Diktatoren muss zu Ende sein.

Teheran – Mahsa Amini hat den Iran entflammt. Vor einer Woche starb Mahsa, nachdem sie von den Sittenwächtern im Iran verhaftet und brutal niedergeschlagen worden war. Der Vorwurf: Sie habe die strenge islamische Kleidervorschrift nicht gewahrt.

Inzwischen wurde Mahsa im Kreise ihrer Liebsten begraben. „Meine Tochter war unschuldig“, rief Mahsas Mutter am Grab ihrer Tochter.

Iran: Mord an Mahsa löst Massenproteste aus

Mahsa hat ihre Augen für immer geschlossen, ihr Körper ist kalt, aber das Leben, das ihren Körper verlassen hat, ist nicht erloschen – es hat den Iran entflammt. Die Glut unter der Asche, die seit über 40 Jahren im Iran herrscht, ist entfacht und hat sich wie ein Lauffeuer über das ganze Land ausgebreitet.

Seit Tagen wüten massive Proteste und Demonstrationen in über 40 Städten im Iran. Das Regime in Teheran hatte alles daran gesetzt, das Unabdingliche zu verhindern. Mahsa sei an einem Schlaganfall verstorben. Es wurde ein Video veröffentlicht, in dem eine junge Frau auf einer Polizeistation ohne Fremdeinwirkung zusammenbricht.

Widerstand im Iran: Hacker schicken MRT-Aufnahmen an TV-Sender

Iran International, ein iranischer Fernsehsender im Ausland, veröffentlichte Mahsas MRT-Aufnahmen, welche sie nach einem Hacker-Angriff auf die Software des Krankenhauses, in dem die junge Iranerin behandelt wurde, erhalten hatten. Die Bilder sprechen für sich: Mahsas Schädeldecke wurde durch massive Schläge gebrochen, was zu Hirnblutungen führte.

Protest gegen den Tod von Mahasa Amini im Iran
Demonstranten skandieren während in der Innenstadt von Teheran Parolen gegen den Tod der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini. Sie war von der Sittenpolizei wegen ihres „unislamischen Outfits“ festgenommen worden und anschließend gestorben. Was geschah, ist unklar. © dpa

Die Taktik ist immer dieselbe, die Geschichten ähneln sich. Menschen werden zu Tode gefoltert und seien dann an einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall verstorben. Auch der Fall der iranisch-kanadischen Journalistin Zahra Kazemi im Jahre 2003 sollte sich so ereignet haben. Der Bericht des Pathologen jedoch sprach klare Bände. Zahra Kazemi war infolge der massiven Foltereinwirkungen gestorben. Die Lügen des iranischen Regimes glaubt das junge Volk im Iran schon längst nicht mehr.

Frauen im Iran: „Wir wollen nicht, dass unsere Mädchen wegen einem Kopftuch sterben“

Wieder einmal hat die Brutalität der Diktatur im Iran zugeschlagen. Obwohl seit der Ernennung von Raisi die Unterdrückung, Folter und die Zahl der Hinrichtungen zugenommen hat, hat Mahsas Fall den Iran erschüttert. „Wir wollen nicht, dass unsere Mädchen wegen einem Kopftuch sterben“, sagen Frauen in Teheran. Ebrahim Raisis Wahl zum Präsidenten enthielt bereits eine Schreckensbotschaft an das Volk: Keiner wird ungeschoren davonkommen. Raisi war selbst ein Akteur der Massenhinrichtungen von politischen Gefangenen im Sommer 1988 und ist eingeschworener Regimeanhänger.

Zur Person

Sahar Sanaie gehört der NGO Association Internationale pour l’egalité des femmes an. Sie lebt in Deutschland, arbeitet als Psychotherapeutin und ist seit Jahren im iranischen Widerstand aktiv.

Die Unterdrückung der Frauen hat seit Raisis Wahl deutlich zugenommen. Mittelalterliche Methoden wie die Abtrennung von Gliedmaßen als Strafmaßnahme werden erneut eingesetzt sowie öffentlich veranstaltete Hinrichtungen.

Mut und Widerstand im Iran: Kampf gegen das Regime wird organisierter

All das kann die Sehnsucht der Menschen im Iran nach Freiheit und Demokratie nicht aufhalten. Viral erreichen uns überwältigende, eindrucksvolle und faszinierende Bilder vom Mut, Widerstand und Einsatz der jungen Iranerinnen und Iraner.

Schnell wird deutlich, dass sich etwas verändert hat. Nicht nur, dass sich die Demonstrationen radikalisiert haben – nein, junge Iranerinnen und Iraner fordern in scheinbar organisierten Protestaktionen das Regime zum Kampf auf: Man sieht junge Frauen, die tanzend ihre Kopftücher in Flammen werfen, und Iraner, die verhaftete Kameraden wieder aus den Fängen der Regierungsmilizen befreien.

„Zahhak“: Symbolischer Hoffnungsträger für das Volk

Im Gegensatz zu früher verpassen die jungen Menschen den Regierungsmilizen eine Abreibung und machen damit eins ganz klar: Wir holen uns nicht nur den Iran zurück, wir wollen unsere Würde zurück!

Von den Protestierenden wird Ali Khamenei, der oberste Religionsführer, „Zahhak“ genannt. Damit verweisen sie auf den von dem bekannten Dichter Ferdowsi erschaffenen Prototyp jeglicher Tyrannei und Fremdherrschaft aus der persischen Mythologie, welcher von König Fereydun besiegt wurde. In dem symbolischen Kampf zwischen Gut und Böse gewinnt letztlich das „Gute“. Ist das ein symbolischer Hoffnungsträger für das Volk?

Die Weltgemeinschaft darf nicht untätig bleiben, sie muss den Ruf der Iranerinnen und Iraner nach Freiheit hören und unterstützen. Die oberste Priorität ist es jetzt, ein Blutbad im Iran zu verhindern. Das Recht der Iranerinnen und Iraner auf einen demokratischen Wandel muss vom Westen anerkannt werden. Spätestens seit der Invasion der Russen in die Ukraine ist deutlich geworden, dass die Zeit des Händeschüttelns mit Diktatoren zu Ende sein muss. (Sahar Sanaie)

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