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Pflegeheime werden auch in der zweiten Corona-Welle immer wieder zu Hotspots.
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Pflegeheime werden auch in der zweiten Corona-Welle immer wieder zu Hotspots.

Gastbeitrag

Einsames Leben und Sterben im Heim: Es muss endlich eine richtige Corona-Strategie her

  • vonKordula Schulz-Asche
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Auch in der zweiten Corona-Welle sind Pflegeheime Hotspots. Es fehlt eine schlüssige Strategie, die die Menschen in den Einrichtungen schützt und trotzdem Kontakte ermöglicht. Der Gastbeitrag.

Jeder fünfte Pflegebedürftige, also rund 820.000 Menschen, lebt dauerhaft in Altenheimen. Von Anbeginn der Pandemie stand fest, dass besonders hochbetagte, ältere und chronisch kranke Menschen zu den am stärksten betroffenen Risikogruppen gehören.

Der Kardinalfehler, dass sie, um ihnen den vermeintlich besten Schutz zu geben, systematisch isoliert und vom sozialen Leben ausgeschlossen wurden, ist eine der großen Tragödien im Corona-Jahr 2020. Vereinsamte und orientierungslose Menschen, Sterbende auf Intensivstationen und Angehörige, die ihnen nicht beistehen durften, waren die unausweichliche Folge.

Bittere Lehre aus dem Corona-Jahr 2020: Im Sommer wurde keine richtige Strategie für Heime erarbetet

Die zweite bittere Lehre aus dem Corona-Jahr 2020: Der Sommer wurde vertan – die Bundesregierung hat nur unzureichende Schlüsse aus der ersten Welle gezogen, wie pflegebedürftige Menschen zu Hause durch ihre Familien oder in Einrichtungen gut gepflegt und gut geschützt werden können. Der Blick auf die Heime und die dort wieder steigende Zahl der Sterbenden beweist dies leider nur zu deutlich.

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hatte im Herbst (sic!) angekündigt, einen Leitfaden für Pflegeeinrichtungen zu erstellen. Spätestens seit den steigenden Neuinfektionen in den Herbstmonaten standen Heime wieder im öffentlichen Fokus. Anfang Dezember wurde eine Handreichung präsentiert, die munter zusammengewürfelt wirkt, inhaltlich zu dünn und vor allem vielerorts schon Alltagspraxis ist. Entsprechend negativ war auch die Reaktion in der Pflegebranche. Pflegeeinrichtungen brauchen Orientierung und Planungssicherheit, denn für gute Pflege braucht es Personal, Schutzkonzepte und soziale Teilhabe.

Corona für Heime große Belastung: Grüne wollen keine pauschale Quarantäneregelung

Die Grünen schlagen daher vor, in Pflegeeinrichtungen die Quarantäneregelungen nicht pauschal auf die gesamte Einrichtung zu stülpen, sondern an das individuelle Risiko der Pflegebedürftigen anzupassen. Menschen mit höherem Risiko, etwa durch Vorerkrankungen, müssen besser geschützt werden, aber soziale Kontakte müssen ermöglicht werden, wo sie möglich sind. Neben hausspezifischen Lösungen bietet auch die Digitalisierung dafür Chancen – auch über die Pandemie hinaus. Entsprechende Angebote sollten daher ausgebaut werden.

Für den Alltag müssen die Pflegeheime deshalb schnell und unkompliziert auf Tests und geeignete Schutzausrüstungen zurückgreifen können. Gerade Schnelltests, auch wenn sie immer nur eine Momentaufnahme sein werden, können helfen, das Virus aus Pflegeeinrichtungen weitgehend fernzuhalten. Hier braucht es kreative Konzepte und noch mehr Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen der Umgebung oder dem Katastrophenschutz.

Einrichtungen sollten über Pandemiebeauftragte in die Erarbeitung, Umsetzung und Kontrolle von Pandemiekonzepten eingebunden werden und im Notfall durch regionale Kriseninterventionsteams unterstützt werden. Denn Katastrophenfälle mit einer Infektion nahezu sämtlicher Bewohnerinnen und Bewohner und des Pflegepersonals darf es nicht mehr geben.

Es fehlt an Pflegepersonal – nicht nur in der Corona-Krise

Diese Extremfälle zeigen leider nicht nur, dass Konzepte fehlen, sondern vor allen Dingen auch, wo seit langem die Achillesferse unseres Pflegesystems liegt: Es fehlt Personal. Wir sehen nun seit der Ausbreitung von Covid-19, dass das Pflegepersonal nahezu rund um die Uhr Unglaubliches leistet. Jetzt, da der Pflegenotstand allen offensichtlich sein muss, ist es auch Zeit, uns endlich auch auf die demografische Entwicklung der nächsten Jahrzehnte vorzubereiten. Der Pflegefachberuf braucht bessere und interessante Arbeitsbedingungen, attraktive Aufgabengebiete und Arbeitsfelder und mehr gesellschaftliche Anerkennung.

Zur Autorin

Kordula Schulz-Asche ist Sprecherin für Pflegepolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Die Pandemiebekämpfung braucht eine Perspektive über Wochenfrist hinaus, mit einer einheitlichen und nachvollziehbaren Strategie. Wir Grüne schlagen daher seit Monaten einen interdisziplinären Pandemierat vor, der sich auf breite wissenschaftliche Erkenntnisse stützt, nicht nur aus der Medizin, sondern auch aus anderen Disziplinen, zum Beispiel Sozialwissenschaften.

Umgang mit der Corona-Pandemie: Wir brauchen mehr Wissen

Insbesondere bei den Pflegeeinrichtungen, aber auch bei der ambulanten Pflege befinden wir uns ein knappes Jahr nach Ausbruch der Pandemie nach wie vor im Blindflug. Wir wissen noch immer viel zu wenig darüber, welche präventiven Maßnahmen der Pandemiebekämpfung wie umgesetzt werden oder tatsächlich auf das Infektionsgeschehen einwirken. Wir brauchen mehr Wissen, um zielgenaue Maßnahmen ergreifen zu können. Das ist auch die Stunde der Pflegewissenschaft. (Kordula Schulz-Asche)

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