Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die 15. UN-Weltnaturschutzkonferenz findet im chinesischen Kunming statt.
+
Die 15. UN-Weltnaturschutzkonferenz findet im chinesischen Kunming statt.

Gastbeitrag

Das globale Netz des Lebens schützen

Der Gipfel in Kunming muss das weltweite Artensterben stoppen. Der Gastbeitrag von Jan-Niclas Gesenhues.

Die Weltklimakonferenz in Glasgow hat erneut deutlich gemacht, wie schwer sich die internationale Gemeinschaft damit tut, angemessen auf globale Herausforderungen zu reagieren. Die Klimakrise ist jedoch nicht die einzige Schicksalsfrage für unsere Lebensgrundlagen. Sie geht Hand in Hand mit einer Biodiversitätskrise extremen Ausmaßes.

Bereits im Jahr 2019 stellte der Weltbiodiversitätsrat fest, dass von den acht Millionen Tier- und Pflanzenarten auf dieser Welt eine Million vom Aussterben bedroht sind. Auf der UN-Biodiversitätskonferenz, die im kommenden Frühjahr im chinesischen Kunming stattfinden wird, müssen daher weitreichende Beschlüsse erarbeitet werden, damit gerade im globalen Süden einzigartige Ökosysteme nicht für immer verloren gehen.

Die artenreichsten Orte dieser Welt liegen am Äquator. Auf nicht einmal drei Prozent der Erdoberfläche leben 77 Prozent aller Landwirbeltiere und 55 Prozent aller Süßwasserfischarten. Auch 50 Prozent aller Pflanzenarten sind dort beheimatet. Die Regierungen in den betroffenen Ländern verfügen häufig nicht über die notwendigen Mittel, um Natur- und Artenschutz voranzutreiben.

Gleichzeitig liegen die Ursachen für den Verlust der Biodiversität oft außerhalb ihrer Einflusssphäre. Der vor allem durch die Industriestaaten verursachte Klimawandel wirkt verheerend. Zudem ist die industrielle Landwirtschaft einer der Haupttreiber für den Verlust der Artenvielfalt. Hinzu kommen Flächenversieglung, Rohstoffabbau und umweltschädliche Verarbeitungsschritte in internationalen Lieferketten.

Selbst vermeintliche Entwicklungsprojekte wirken oft verheerend auf die Umwelt. Staudämme, große agrarindustrielle Vorhaben oder Infrastrukturmaßnahmen richten häufig erhebliche ökologische Schäden an. Eine nachhaltige Entwicklung ohne eine intakte Umwelt ist jedoch schlicht nicht möglich.

Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dies sei ein Problem, das nur Menschen weit weg betrifft. Auch unsere Überlebensfähigkeit hier in Deutschland ist eng mit dem globalen Zustand der Ökosysteme verknüpft. Denn wir alle sind Teil eines weltumspannenden, sensiblen Netzes der Arten und Ökosysteme, das uns versorgt – mit Lebensmitteln, sauberer Luft, Wasser, Arznei, Baustoffen und vielem mehr. Jedes Mal, wenn Arten aussterben oder Ökosysteme beschädigt werden, wird dieses Netz noch instabiler.

Von Umweltverbänden bis zum Weltwirtschaftsforum wird der Verlust biologischer Vielfalt mittlerweile zu Recht als eine der größten Bedrohungen auf unserem Planeten bewertet. Für den Natur-, Arten- und Umweltschutz braucht es daher dringend einen Paris-Moment, wie es ihn auf dem Klimagipfel 2015 beim Kampf gegen die Klimakrise gab.

Die Weltgemeinschaft muss hierzu beim Gipfel in Kunming endlich wirksame Maßnahmen vereinbaren, um das weltweite Artensterben zu stoppen. Ohne ein neues, verbindliches Biodiversitätsabkommen wird dies nicht gelingen. Dabei müssen Klima- und Artenschutz zusammengedacht werden.

Wir brauchen verpflichtende und überprüfbare Zusagen der Staaten, um eine globale Agrarwende voranzutreiben und die rasant voranschreitende Entwaldung zu stoppen, umweltschädliche Subventionen abzubauen und in Zusammenarbeit Naturschutzgebiete aufzuwerten und zu vernetzen.

30 Prozent der Land- und Meeresfläche müssen bis 2030 unter Schutz gestellt werden. Hierbei ist es wichtig, indigene Gemeinschaften vor Ort intensiv einzubeziehen und ihre Rechte zu stärken. In vielen Fällen tragen sie durch nachhaltige Nutzung am besten zum Erhalt von artenreichen Ökosystemen bei.

Die sogenannten Entwicklungsländer müssen mit Know-how und finanziellen Mitteln unterstützt werden. Dabei können eine enge Zusammenarbeit und gegenseitiger Wissensaustausch zur Entwicklung von regionalen Biodiversitätsstrategien mit konkreten und wirkungsvollen Maßnahmen hilfreich sein. Insgesamt muss die Entwicklungszusammenarbeit strikt an Do-No-Harm-Grundsätzen ausgerichtet und die Wirksamkeit, Partnerorientierung und Kohärenz bei Naturschutzprojekten verbessert werden.

Zugleich sollte die deutsche Klima- und Naturschutzfinanzierung auf ein neues Level gehoben werden. In Deutschland und anderen Industrieländern braucht es jedoch vor allem endlich sektorübergreifende Politikansätze, die unter anderem die Bereiche Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Wasser, Energie, Bergbau, aber auch Bildung miteinbeziehen. Denn unsere Art zu leben darf nicht dazu führen, dass andere ihre Lebensgrundlage verlieren. Das gilt für die Menschen im globalen Süden ebenso wie für nachfolgende Generationen.

Jan-Niclas Gesenhues ist Bundestagsabgeordneter der Grünen. Seine Fachgebiete sind Entwicklungspolitik und Naturschutz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare