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Janine Wissler (Die Linke)
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Wer sich impfen lässt sei solidarisch, erklärt die Linken-Politikerin Janine Wissler in ihrem Gastbeitrag.

Gastbeitrag

Linken-Politikerin Janine Wissler: Ein Plädoyer fürs Impfen - aus Selbstschutz und Solidarität

Wer sich den Piks holt, schütze sich nicht nur selbst, sondern auch andere. Es sei also ein Akt der Solidarität. Der Gastbeitrag von der Parteivorsitzenden der Linken, Janine Wissler.

Berlin – Als Linke, als Sozialistinnen und Sozialisten, stehen wir in der Tradition der Aufklärung. Wissenschaftliche Erkenntnisse und medizinischer Fortschritt sind wichtige zivilisatorische Errungenschaften der Menschheit. Wir wollen, dass sie allen Menschen zugutekommen.

Durch Impfungen wurden Krankheiten ausgerottet. Auch dadurch ist es gelungen, die Lebenserwartung zu erhöhen und den Gesundheitszustand insgesamt zu verbessern. Medizinischer Fortschritt und Impfstoffe haben dafür gesorgt, dass nicht nur die Starken und Gesunden eine hohe Lebenserwartung haben, sondern Menschen mit Vorerkrankungen, Behinderungen und Beeinträchtigungen geschützt werden vor Erkrankungen, die potenziell ihr Leben gefährden.

Es ist eine Errungenschaft der Zivilisation, dass die Frage des Überlebens nicht Ergebnis von natürlicher Auslese und des Rechts des Stärkeren ist. Gerade für die Linke, die traditionell an der Seite der „Schwachen“ steht, leitet sich ein Bekenntnis zum Impfen logisch aus dem Menschen- und Gesellschaftsbild ab.

Janine Wissler: „Die ‚Freiheit‘ von Corona-Maßnahmen gefährdet die Gesundheit vieler“

Anders als der (neo-)liberale Ansatz, „wenn sich jeder um sich selbst kümmert, ist für alle gesorgt“, betonen wir, dass individuelle Freiheiten immer in einem Wechselverhältnis zur Gesellschaft stehen. Die „Freiheit“ von Corona-Maßnahmen und die individuelle Entscheidung gegen das Impfen einiger gefährdet die Gesundheit vieler und die Freiheit aller, wenn es erneut zu drastischen Maßnahmen kommt, die soziale Härten bedeuten und wirtschaftliche Existenzen bedrohen. Besonders gefährdet, sich zu infizieren, sind die, die nicht ins Homeoffice können, die im Einzelhandel arbeiten, Pakete ausliefern oder Bus fahren, die beengt leben und kaum Abstand halten können.

Ich habe großes Verständnis für Misstrauen und Kritik gegenüber der Bundesregierung und der Pharmaindustrie. Abermals ist man sehenden Auges und entgegen aller Warnungen in die nächste Welle gelaufen. Kostenfreie Tests wurden abgeschafft, Impfzentren geschlossen, die Pflegekräfte erneut im Stich gelassen.

Zur Autorin

Janine Wissler ist Co-Vorsitzende der Linkspartei.

Janine Wissler ist sich sicher: „Der Pflegenotstand ist Ergebnis einer falschen Politik.“

Jahrelang wurden Krankenhäuser privatisiert und geschlossen, Personal abgebaut, Hilferufe ignoriert. Der Pflegenotstand ist Ergebnis einer falschen Politik. Aber selbst wenn es deutlich mehr Betten und Personal gäbe, müsste die Pandemie eingedämmt werden. Ziel muss sein, dass Menschen gesund bleiben und gar nicht auf der Intensivstation landen, wo sie auch bei bester Versorgung akut gefährdet sind.

Auch an den Geschäftspraktiken der Pharmakonzerne ist Kritik angebracht. Trotz massiver staatlicher Förderung der Impfstoffentwicklung und Milliardengewinnen verlangen die Konzerne hohe Preise für die Impfstoffe und wehren sich gegen eine Freigabe der Lizenzen und Patente. Auch deshalb sind die Länder des globalen Südens völlig unzureichend mit Impfstoffen versorgt.

Linken-Politikerin Wissler fordert: „Das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren“

Aus all dieser berechtigten Kritik erwächst aber kein Argument, sich nicht impfen zu lassen. Impfen ist ein Akt der Solidarität. Erstens schützt man sich und andere vor einer Infektion, insbesondere die Kinder, für die es noch kein Impfangebot gibt. Zweitens minimiert eine global hohe Impfquote die Gefahr neuer Virusvarianten. Drittens hilft es, das Gesundheitssystem und die Beschäftigten vor dem Kollaps zu bewahren, damit planbare Operationen nicht abgesagt und andere Notfälle bestmöglich versorgt werden.

Je höher die Zahl der Infektionen, desto höher ist auch die Gefahr für die Geimpften. Der hohe Impfschutz von 90 Prozent bedeutet, dass eben nur 90 von 100 Infektionen verhindert werden. Das war von Anfang an klar. Aber die Inzidenz unter Ungeimpften ist um ein Vielfaches höher und vor allem schützt die Impfung vor einem schweren Verlauf. Die Risikoabwägung ist klar: In allen Altersgruppen ist die Gefahr einer Infektion viel höher als durch die Impfung. Immer wieder gibt es schwere Verläufe bei Menschen, die keine Vorerkrankungen haben und nicht zu den bekannten Risikogruppen gehören. Auch die vielen von Long Covid Betroffenen belegen die Gefährlichkeit des Virus.

Reaktivierung der Impfzentren: Wissler will politisches Handeln sehen

Die Aufforderung zum Impfen ersetzt nicht staatliches Handeln. Die vierte Welle droht alles Bisherige in den Schatten zu stellen. Wir brauchen jetzt entschiedene Schritte, um die Welle zu brechen. Die Reaktivierung der Impfzentren, um das Boostern zu beschleunigen, flächendeckende Tests und die drastische Reduzierung von Kontakten.

Als Linke haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir werben für das Impfen. Wir tun das freundlich, aufklärerisch und mit wissenschaftlichen Fakten, ohne Unterstellungen, ohne Ungeimpfte pauschal als rechts oder Corona-Leugner abzustempeln. Aber wir widersprechen deutlich, wenn die Gefährlichkeit von Corona oder die Sicherheit der Impfstoffe infrage gestellt wird. Meinungsfreiheit schützt nicht vor Widerspruch. (Janine Wissler)

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