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Aber was passiert auf dem Ausbildungsmarkt?
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Aber was passiert auf dem Ausbildungsmarkt?

Ausbildung in Corona-Zeiten

Milliardenhilfen in der Corona-Pandemie – Nur für die, die auch ausbilden

  • vonHans-Jürgen Urban
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Geld wegen Corona sollten nur Firmen bekommen, die ausbilden. Nur so lässt sich die hohe Zahl von Menschen senken, die keinen Abschluss haben. Der Gastbeitrag.

Das ausklingende Jahr ist ein Corona-Jahr. Mit einer historisch einmaligen Kraftanstrengung stemmt sich die Gesellschaft gegen das Coronavirus und die drohenden Folgeschäden der Pandemie. Mit schwindelerregenden Beträgen sollen Betriebe vor der Insolvenz geschützt werden.

Doch der Unmut in der Gesellschaft wächst. Kritische Stimmen verweisen immer lauter auf Probleme der Krisenpolitik. Offenbar stehen bürokratische Hürden einem schnellen Abfluss entgegen. Unbeantwortet bleibt auch die Frage, wie Schulden refinanziert werden sollen. Vor allem aber wächst gerechtfertigte Kritik an der ungleichen Verteilung der Krisenrisiken und -hilfen. Je niedriger Einkommen und Qualifikation, desto höher Arbeitsplatzrisiko und Einkommenseinbußen – und desto geringer die staatliche Unterstützung.

Corona macht deutlich: Das Recht auf Bildung ist ein schwaches

Und was ist mit der nachwachsenden Generation? Zwar wird in Sonntagsreden allseits vor einer Generation „Corona“ gewarnt. Und im Infektions-Setting Schule wird um fast jeden Preis der Unterricht aufrechterhalten, um das Recht auf Bildung zu retten. Aber was passiert auf dem Ausbildungsmarkt?

Hier ist wenig vom Recht auf Ausbildung zu spüren. Die Krisenmilliarden fließen an vielen Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, vorbei. So meldet der DIHK einen Rückgang bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen um rund 13 Prozent, das Handwerk um sieben Prozent.

Eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit ergänzt diese Zahlen: Alleine im Organisationsbereich der IG Metall sind gut 13 000 Stellen weniger als im letzten Jahr gemeldet – ein Minus von 10,3 Prozent. In einzelnen Bereichen liegt der Rückgang bei über 30 Prozent. Der Negativtrend dürfte sich fortsetzen. Nach einer Betriebsrätebefragung der IG Metall könnte in der Metall- und Elektroindustrie auch im nächsten Jahr jeder zehnte Ausbildungsplatz wegfallen.

Corona-Pandemie reißt Lücken im Ausbildungsmarkt weiter auf

Diese Entwicklung war absehbar. Die Corona-Krise ist nicht die Ursache des Problems, sie wirkt lediglich als Katalysator. Digitalisierung und Dekarbonisierung hin oder her, die Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft sinkt! Seit Jahren. Schon von der Finanzkrise 2009 hat sich der Ausbildungsmarkt nie vollständig erholt. Rund 90 000 Ausbildungsplätze gingen in der Folge verloren. Dies trotz eines Ausbildungsbonus, der den Unternehmen gezahlt wurde. Außer Mitnahmeeffekten war nicht viel zu spüren.

Diese ausbildungspolitische Passivität zulasten der jungen Menschen hat sich fortgesetzt. Sowohl bei Klein- und Kleinstbetrieben als auch bei börsennotierten Unternehmen ist die Ausbildungsbereitschaft chronisch rückläufig. So hat sich über Jahre eine Bugwelle von mittlerweile über 1,3 Millionen junger Menschen zwischen 20 und 29 Jahren aufgebaut, die nicht über einen Berufsabschluss verfügen. Die Corona-Pandemie könnte diese Welle zur Springflut anschwellen lassen.

Das sind Alarmsignale, die durch das allgemeine Krisengezeter nicht übertönt werden sollten. Die befürchtete Corona-Generation könnte sich vervielfältigen. Sollen in den kommenden Jahren Nach-Corona-Generationen verhindert werden, sind Unternehmen und Politik gefordert.

Eine Ausbildung muss gut vergütet sein und Perspektiven bieten

Zum einen müssen niedrige Ausbildungsvergütungen auf- und eklatante Ausbildungsdefizite abgebaut werden. Vor allem in den heutigen Mangelberufen des Gesundheits- und Pflege-Sektors. Doch in allen Branchen gilt: Statt Klagen über drohenden Fachkräftemangel wäre eine Ausbildungsoffensive der Unternehmen angezeigt. Und attraktive Perspektiven nach der Ausbildung. Die Gewerkschaften fordern seit langem weitere Tarifregelungen, um erfolgreiche Ausbildungsabschlüsse mit einer unbefristeten Übernahmegarantie zu belohnen.

Unverbindliche Ausbildungsboni verpuffen. Angeregt durch eine Vereinbarung in der Allianz für Aus- und Weiterbildung wurden durch die Bundesregierung erneut Ausbildungsprämien beschlossen. Schon heute zeichnet sich ab, dass diese Hilfen kaum abgerufen werden.

Seit Corona ist klar: Es braucht ein Recht auf Ausbildung

Deutlich wird: Die Eingriffe der Politik müssen weitreichender und vor allem verbindlicher als in der Vergangenheit ausfallen. Ansagen statt Anreize sind unverzichtbar. Zielführend wäre eine verbindliche Ausbildungsgarantie. Es geht um ein Recht auf Ausbildung, auf das junge Menschen sich berufen und verlassen können.

Ausgearbeitete Konzepte dafür liegen vor. Bis dahin sollten öffentliche Krisenunterstützungen an eine Ausbildungszusage der Firmen gekoppelt werden. Zumindest bei denjenigen, die ausbildungsfähig sind. Staat und Gesellschaft verschulden sich während der Corona-Pandemie erheblich, um in Not geratenen Firmen Überlebenshilfen gewähren zu können. Die Unternehmen sollten die Schulden mit Perspektiven für die nachwachsenden Generationen zurückzahlen. (Hans-Jürgen Urban)

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