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Bildung für alle

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Abschluss-Prüfungen im Zeichen von Corona: Abitur 2021 an der Prälat-Diehl-Schule in Groß-Gerau.
Bildung sollte es für alle geben. © Sebastian Gollnow/dpa

Immer mehr Kinder können wegen Krieg und Flucht nicht zur Schule gehen. Der Gastbeitrag.

Der heutige Internationale Tag der Bildung erinnert uns daran, dass die führenden Politiker und Politikerinnen der Welt ihr Versprechen einlösen müssen, bis zum Jahr 2030 allen Menschen hochwertige Bildung zu ermöglichen. Durch Bildung investieren wir in Frieden, wo Krieg herrscht, in Gleichberechtigung, wo Ungerechtigkeit herrscht, und in Wohlstand, wo Armut herrscht.

Machen wir uns nichts vor: Aktuell erlebt die Welt eine globale Bildungskrise. Sie droht, die Entwicklungserfolge von Jahrzehnten zunichtezumachen, neue Konflikte auszulösen und den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt weltweit zum Kippen zu bringen.

Als „Education Cannot Wait“ (ECW), der globale Fonds der Vereinten Nationen für Bildung in Notsituationen und langanhaltenden Krisen, 2016 ins Leben gerufen wurde, gingen wir von schätzungsweise 75 Millionen Kindern in Krisensituationen aus, die Unterstützung im Bildungsbereich benötigten. Heute hat sich diese Zahl auf 222 Millionen verdreifacht!

Von diesen Kindern gehen schätzungsweise 78 Millionen gar nicht zur Schule – fast so viel wie die gesamte Bevölkerung Deutschlands. Und selbst von denjenigen, die zur Schule gehen, erreichen viele nicht das Mindestniveau im Lesen und Rechnen. 671 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit können nicht lesen. Das ist eine ganze Generation, die Gefahr läuft, verloren zu gehen.

Es gibt unzählige Gründe, warum Kinder nicht zur Schule gehen können: Der Krieg in der Ukraine, der Taliban-Terror gegen Mädchen in Afghanistan, die Dürre am Horn von Afrika. Jede Minute fliehen Kinder beispielsweise in Myanmar, der Sahelregion, Südamerika und dem Nahen Osten vor Gewalt und Verfolgung. Jede Minute werden Jungen in Somalia, der Zentralafrikanischen Republik und anderswo als Kindersoldaten rekrutiert. Jede Minute müssen Kinder hungern, weil ihnen das Recht auf den Schulbesuch verwehrt wird, wo sie möglicherweise die einzige Mahlzeit des Tages erhalten würden.

Das ist eine Attacke gegen unsere Menschlichkeit, ein moralischer Schlag ins Gesicht für die verbindlichen Zusagen aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Und es ist ein riesiger Rückschritt für unsere Bemühungen, trotz aller Widrigkeiten Frieden für unsere Zeit zu schaffen.

Aber es gibt Hoffnung. Über ECW wurden innerhalb von nur fünf Jahren sieben Millionen Kinder in Krisenregionen dabei unterstützt, zur Schule zu gehen. In den nächsten vier Jahren wollen wir weitere 20 Millionen erreichen.

In der Demokratischen Republik Kongo hatte die 13-jährige Nyota ihren Vater und ihre Brüder bei einem Überfall auf ihr Dorf verloren. In einem Land, in dem mehr als 3,2 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen, waren die Aussichten für Nyota düster. Viele Mädchen werden in eine Kinderehe gedrängt oder fallen sexueller Gewalt zum Opfer. Nyota hatte Glück.

Mit der Unterstützung eines von ECW finanzierten Programms geht sie jetzt wieder zur Schule. „Ich träume davon, nach dem Abschluss meiner Ausbildung Präsidentin unseres Landes zu werden, um den Krieg zu beenden. Dann können die Kinder in Frieden lernen und müssen nicht so schreckliche Dinge erleben wie ich.“

Sie ist nicht allein. Wir haben eine ganze Bibliothek an bewegenden Briefen, die wir von Kindern aus aller Welt erhalten haben. Sie unterstreichen, welchen unglaublichen Stellenwert die Bildung hat, wenn es darum geht, das Leben von Menschen grundlegend zu verändern und bessere Perspektiven für künftige Generationen zu schaffen.

Am 16. und 17. Februar kommen in Genf hochrangige Vertretungen von Regierungen aus aller Welt, Jugendorganisationen, philanthropische Stiftungen, die Zivilgesellschaft und der Privatsektor zur ECW-Finanzierungskonferenz zusammen. Die Konferenz wird von Deutschland, der Schweiz, Kolumbien, Niger, Norwegen und dem Südsudan gemeinsam ausgerichtet.

Sie bietet der Politik, der Privatwirtschaft, Stiftungen und vermögenden Privatpersonen Gelegenheit, das Versprechen „Bildung für alle“ einzulösen. Ziel ist es, für die kommenden vier Jahre 1,5 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren.

Als gemeinsame Ausrichter dieser wegweisenden Veranstaltung rufen wir alle Menschen weltweit dazu auf, in Bildung zu investieren. Das wäre die beste Investition zur Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Svenja Schulze ist Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Deutschland.

Ignazio Cassis ist Schweizer Bundesrat.

Ibrahim Natatou ist Bildungsminister in Niger.

Anne Beathe Tvinnereim ist Entwicklungsministerin in Norwegen.

Awut Deng Acuil ist Bildungsminister im Südsudan.

Alejandro Gaviria ist Bildungsminister in Kolumbien.

Gordon Brown ist UN-Sondergesandter für globale Bildung.

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