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Im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald: die original Fußmatte, die Wähler am Wahltag nicht durch den Vordereingang ließ.
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Im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald: die original Fußmatte, die Wähler am Wahltag nicht durch den Vordereingang ließ.

Greifswald

Die Fußmatte entscheidet

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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In Greifswald hat eine Fußmatte fast die OB-Wahl entschieden, weil sie die Tür eines Wahllokals blockierte. Union-Anhänger hatten sogar versucht, die Wahl anzufechten - vergeblich. Die Kolumne.

Wenn sich einer in Mecklenburg-Vorpommern kümmert und bei entdeckten Verfehlungen nötigenfalls den einen oder anderen Landsmann auch einmal zurechtweist, dann ist das Till Backhaus. Nebenbei ist er mindestens seit dem Rückzug der letzten Eiszeit aus dem Ostseeraum Landwirtschaftsminister. Von seinem Schweriner Schreibtisch aus betrachtet Backhaus das weite Land und schreitet ein, falls nötig. Neulich musste er seine Jäger ermahnen: Freunde, beim Zielen ein bisschen genauer hinsehen, bitte. So geht es nicht!

Was nicht ging, aber geschah: Ein Jäger hatte beim Anvisieren eines Wildschweins nicht so genau hingeschaut und nicht die Sau, sondern eine Dame aus Nordrhein-Westfalen getroffen, die dort spazieren ging. Gott sei Dank trug die Frau einen Büstenhalter, welcher durch einen runden Metallbügel verstärkt wurde, der das Projektil so wundersam ablenkte, dass am Ende nur ein gewaltiger Schrecken übrig blieb. Backhaus jedenfalls nahm die Sache zum Anlass für eine jägerliche Zurechtweisung. Im Netz kam es schließlich zu einer der üblichen Erregungen. Der Fehlschuss wurde eifrig debattiert, wobei nicht so sehr Mitleid mit der angeschossenen Dame ausgedrückt, sondern die Frage gestellt wurde, was eine Rheinländerin in den örtlichen Maisfeldern zu suchen habe. Weil die Angelegenheit schon ein paar Tage zurückliegt, wäre mal wieder Zeit für einen nützlichen Backhaus’schen Hinweis an seine Landsleute: „Leute, achtet mehr auf eure Fußmatten!“ Oder etwas der Art.

BH-Bügel rettet Frau

In Greifswald ging nämlich gerade ein monatelanger Streit um eine abgewetzte braun-rote Fußmatte zu Ende, die um ein Haar verhindert hätte, dass die Hansestadt nun von einem grünen Oberbürgermeister regiert wird. Bei der Wahl im Frühjahr klemmte die Matte unter der Tür eines Wahllokals, war dann aber irgendwann weggerutscht. Die Tür blieb über eine Stunde zu, wurde , als man es bemerkt hatte, aber wieder geöffnet. Ein Grüner gewann schließlich mit 15 Stimmen Vorsprung.

Seit 1990 befand sich Greifswald in der Hand der Union. Plötzlich war damit Schluss – wegen einer Fußmatte. Drei Greifswalder fochten die Wahl an, Begründung: Da könnten ja jede Menge CDU-Wähler hilf- und am Ende stimmlos an der Tür gerappelt haben, obwohl das Wahllokal auch noch Terrassen- und Nebentüren verfügt. Es ging lange hin und her. Ein Professor kam in einem Gutachten zu dem Ergebnis: „An den Wähler dürfen keine erhöhten Anforderungen für das Auffinden eines Zugangs zum Wahllokal gestellt werden.“ Ein bemerkenswerter Satz, weil er die Latte wirklich sehr niedrig legt und noch einmal unterstreicht, dass prinzipiell jeder erwachsene Mensch Teil des Souveräns ist und durch sein Votum das Schicksal der Stadt Greifswald mitgestalten darf, auch wenn er zu dumm ist, einen Nebeneingang zu finden.

Die Bürgerschaft hat alle Einsprüche abgelehnt, der Grüne ist Oberbürgermeister. Die Fußmatte übrigens ist nach ihrer Wahlaffäre außer Dienst gestellt worden und befindet sich nun im Landesmuseum. Dorthin gehören eigentlich auch der verbeulte BH und die abgelenkte Kugel hin. Bislang ist aber nichts dergleichen geschehen. Höchste Zeit, dass sich jemand in Schwerin der Sache annimmt.

Bernhard Honnigfort berichtet für die FR aus den Bundesländern.

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