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Türkische Spieler feiern ein Tor in Paris - auf ihre Art.

Kommentar

Ilkay Gündogan, Fußball und Politik - Die Wirklichkeit kickt immer mit

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Ilkay Gündogan will wie die meisten Fußballer nicht politisch sein. Doch sind sie es gerade deshalb. Ein Kommentar.

Die Frage, wie viel Politik im Sport und gerade im Fußball steckt beziehungsweise stecken darf, ist fast so alt wie der Sport selbst. Aber dieser Tage drängt sie sich mal wieder ganz besonders auf. Kurz zusammengefasst: In Sofia begleiten bulgarische Zuschauer das Fußball-Länderspiel gegen England mit Hitlergrüßen und rassistischen Schmähungen. 

In Paris salutieren türkische Nationalspieler vor den Fankurven, um die Soldaten zu grüßen, die gerade in Nordsyrien vorrücken. Zwei deutsche Spieler mit türkischem Hintergrund, Emre Can und Ilkay Gündogan, bedenken ein entsprechendes Bild im Internet mit einem Herzchen – und nehmen es wieder zurück. War nicht so gemeint.

Ilkay Gündogan versteht sich als unpolitisch - wie die meisten Nationalspieler

Gündogan weiß, wie sich diese Diskussionen anfühlen, seit er 2018 mit dem türkischen Präsidenten für ein Foto inklusive Trikotübergabe posierte. Wie die meisten Profifußballer versteht er sich als unpolitisch, und doch können gerade sie auch dann nicht unpolitisch sein, wenn sie sich selbst so verstehen. 

Denn die Bühne, auf der sie spielen, ist eine hochpolitische. Das war immer schon so, und immer schon hatten die Fußballer Mühe, das zu begreifen.

Der DFB, die Nationalspieler und die Politik - schon immer eine mühsame Beziehung

Die WM 1978 fand in Argentinien statt, sie war ein Propagandainstrument des brutalen Militärregimes. Trainer Helmut Schön sagte damals: „Man sollte versuchen, den Sport so unpolitisch wie möglich zu halten.“ Und Verteidiger Berti Vogts: „Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen politischen Gefangenen gesehen.“

Profifußballern zu vermitteln, dass sie eine politische und gesellschaftliche Verantwortung tragen, die weit über ihren Beruf hinausgeht, ist heute noch schwerer als damals.

Nationalspieler leben in der Blase des Wohlstands

Wer wie sie in einer Blase des Wohlstands lebt, hat keinen großen Antrieb, die Welt da draußen zu verändern. Und vergisst schnell, dass jedes Herzchen zählt. Und bei berühmten Sportlern gleich doppelt.

Der Fall Erdogan war ein Puzzlestück im deutschen Scheitern bei der WM. Daran trägt Mesut Özil zumindest eine Mitverantwortung. Ein Kommentar.

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