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Die Schule hat in vielen Bundesländern wieder begonnen.
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Die Schule hat in vielen Bundesländern wieder begonnen.

Gastbeitrag

Für krisenfeste Schulen

Die Bundesländer müssen mehr tun, als Normalität nur zu versprechen. Nur dann gelingt Präsenzunterricht. Der Gastbeitrag von Maike Finnern.

Inzwischen sind die meisten Schulen in das neue Schuljahr gestartet. Erneut sind die Diskussionen und Unsicherheiten groß – genau wie die Erwartungen an ein Jahr mit so viel Normalität wie möglich. Alle Beteiligten sehnen sich nach einer Schule mit Präsenz, gemeinsamem Lernen und Gemeinschaftserlebnissen sowie einer verlässlichen Jahresplanung. Aber: Die Pandemie dauert bereits eineinhalb Jahre an, sie hat die Schwächen unserer Bildungssysteme gnadenlos offenbart – passiert ist zu wenig, um sie krisenfest zu machen.

Zu Beginn der Pandemie sind wir alle von der Situation überrascht worden und konnten nur reagieren, spätestens im Frühsommer des vergangenen Jahres hätten aber alle Betroffenen an der Debatte um Maßnahmen in unseren Schulen umfassend beteiligt werden müssen.

Zum vergangenen Schuljahr haben die Kultusminister:innen verkündet, dass es in den Schulen möglichst viel Normalität geben solle. Da sie aber viel zu wenig getan haben, wurde es ein Schuljahr mit sehr wenig Normalität, dafür aber eines mit teils unmöglich zu meisternden Herausforderungen. Beispielsweise der „Von-jetzt-auf-gleich“-Politik, die eine verlässliche Planung nahezu unmöglich gemacht hat. Komplexe Planungen von Freitag auf Montag verlangten Schulleitungen, Lehrkräften, Schüler:innen und Eltern mehr als das Leistbare ab. Wechsel- und Präsenzunterricht gleichzeitig vorzubereiten und anzubieten, hat die Kolleg:innen extrem belastet.

Heute ist die Situation anders. Inzwischen hatten alle Beschäftigten die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, die Impfbereitschaft bei den Lehrkräften ist mit 80 bis 95 Prozent sehr hoch. Impfen ist neben Hygienemaßnahmen, einem Testkonzept, Investitionen in Gebäude und Ausstattung sowie mehr Personal eine wichtige Säule gegen die Pandemie.

Die positive Empfehlung der Ständigen Impfkommission, Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zu impfen, ist eine Grundlage für die Immunisierung dieser Altersgruppe. Deshalb sind niedrigschwellige Impfangebote für diese Schüler:innen, beispielsweise an Schulen, sinnvoll.

Da es um Minderjährige geht, muss sichergestellt sein, dass Ärzt:innen beraten können und die Impfentscheidung bei den Eltern bleibt. Außerdem muss die Anonymität, wer sich impfen lässt und wer nicht, gewahrt werden. Impfen kann kein Angebot der Schule sein. Für die Teilnahme am Unterricht kann eine Impfung keine Voraussetzung sein, wir haben und wollen keine Impfpflicht! Tests sind das richtige Mittel.

Deshalb dürfen sie nichts kosten – weder an Schulen noch an anderen Bildungseinrichtungen. Das ist für Chancengleichheit wichtig. Allerdings: Die Tests, die den Kindern und Jugendlichen über ihren Schüler:innenausweis bestätigt werden, sind Selbsttests. Ein Testkonzept an Schulen, das mit Pooltestungen und PCR-Tests arbeitet, ist aussagekräftiger und sicherer.

Auch in diesem Jahr hat die Kultusministerkonferenz Präsenzunterricht in den Schulen versprochen. Jetzt müssen in den Ländern und Kommunen weitere Taten folgen, etwa der konsequente Einsatz von Luftfilteranlagen. Es ist unerlässlich, die extrem hohe Belastung der Kolleg:innen und Schulleitungen zu reduzieren, in dem an den Schulen mehr pädagogisches und nichtpädagogisches Personal beschäftigt wird und Anforderungen gesenkt werden, beispielsweise durch eine niedrigere Unterrichtsverpflichtung.

Unser Ziel ist es, das Recht auf Bildung mit guten Arbeitsbedingungen und gutem Arbeits- und Gesundheitsschutz für alle unter einen Hut zu bringen. Dafür gilt es, Leitlinien zu entwickeln, an denen sich die Bildungseinrichtungen orientieren können. In diesen müssen Testkonzept und der Umgang mit Quarantäneanordnungen geregelt werden.

Genauso braucht es eine neue Vereinbarung, um die Infektionslage einzuschätzen. Die Inzidenzwerte spielen eine andere Rolle als im vergangenen Jahr und müssen durch nachvollziehbare Parameter wie die Hospitalisierungsrate ergänzt werden, sie wegzulassen ist keine Lösung.

Die Länder müssen den Digitalpakt endlich so umsetzen und ausweiten, dass alle Beschäftigten und Schüler:innen ein digitales Endgerät erhalten und IT-Experten für eine stabile Infrastruktur sorgen. Echte Lehr- und Lernmittelfreiheit wird im Zeitalter der Digitalisierung immer wichtiger.

Für die Ausstattung der Schulen, der Beschäftigten und Schüler:innen hat das vergangene Jahr einen Entwicklungsschub gebracht. Die Umstellung auf Distanzlernen mit Hilfe digitaler Medien hat deutlich gemacht, dass es an Chancengleichheit mangelt.

Um die soziale Spaltung durch den Einsatz digitaler Medien nicht weiter zu verschärfen, brauchen die Schüler:innen zu Hause günstiges Internet und eine Geräteoffensive. Die Debatte, wie eine moderne Pädagogik in der digitalen Welt zu gestalten ist, wird bislang viel zu wenig geführt. Wir wollen, dass die Bildungseinrichtungen endlich krisenfest gemacht werden!

Maike Finnern ist Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

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